Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 32 (1891)
- Issue
- Heft 30 (13.4.1891)
- Date
- 1891-04-13
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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575 zum Ziele führen. Das wäre ja die dankenswerthe Aufgabe der Lokalcomites, wie solche der ^-Verein geplant hat und deren Gründung ihm leider nicht geglückt ist. Was nun speziell die mir bekannten Hamburger Verhältnisse anbctrifft, so bin ich der Ansicht, daß, wenn auch ein richtig geleitetes Lokalcomite schon viel hätte wirken können, einem hier am Platze bestehenden selbstständigen Verein für Stellenvermittlung in o"’i nattf geschlossenen Geschäften trotz aller gegentheiliger Versicherung erster (!) Firmen, ein bedeutend größeres, segensreiches Feld der Thätigkeit sich eröffnet; daß durch die Gründung eines solchen Vereins eine Zersplitterung der Strafte herbeigeführt wird, ist nicht zu befürchten, denn abgesehen davon, daß die Vereine sich ja brüderlich unterstützen können -- arbeite!! sie doch für dasselbe Ideal — Erhaltung unserer nttnnpn n-nn und ihrer Gesetze — ist das Feld auch groß genug, um noch mehreren Vereinen ersprießliche Wirksamkeit zu gestatten. Mit Gottes Hilfe wird jeder Punkt, von dem die gute Sache in Angriff genommen wird, ein Ansgangspunkt zum Siege und zum Heil des wahren Jndenthums werden, rwyi 'n atsa rr^m n. Oester r. - U n g ar. M on a r ch i e. Aus Gifenftadt, 4. April, wird uns geschrieben: In der verflossenen Nacht drangen einige unbekannte Personen in den hiesigen neuen jüdischen Friedhof und schändeten die Ruhestätten von mehr als zwanzig längst Dahingeschiedenen; sie warfen die Grabsteine um, zertrümmerten viele derselben, raubten von einigen messingene Embleme, die sie wahrscheinlich für Gold hielten, endlich rissen sie einige Gräber auf und warfen die Knochen umher. Die Gendarmerie wurde von dem Vorgefallenen verständigt. Die israelitische Gemeinde hat demjenigen 100 fl. Belohnung zugesagt, der zur Eruirung der Thäter Anhaltspunkte liefern würde. England. London, 2. April. Eine soeben veröffentlichte amtliche Eiuwandcrungsstatistik unterstützt in keiner Weise die allgemein verbreitete Ansicht, daß England von ausländischen mittellosen Emigranten oder Ausländern überhaupt überschwemmt würde. Ein beträchtlicher Tbeil der russischen und polnischen Juden, welche sich, wie man bisher glaubte, in ganzen Schaaren über England ergossen, kehrt entweder in die Heimath zurück oder begibt sich in andere Länder. Doch nicht allein Juden, auch zahlreiche andere Ausländer folgen dem Beispiel und wandern wieder aus England aus, nachdem sie hier die gehofften Schätze nicht gefunden haben. Die Zahl der britischen Emigranten nahm während des Jahres ab, obwohl sich nach Ansicht des Berichterstatters dem thatkräftigen Kolonisten eine ganze Reihe neuer Länder unter britscher Flagge erschlossen hat. Die Gesammtzahl der Auswanderer aus dem Ver. Königreich betrug im vergangenen Jahre 315,980 gegen 342,641 im Jahre 1889 und 398,494 im Jahre 1888. Die Vereinigten Staaten haben zu den 155,910 Personen, welche im vergangenen Jahre in England eingewandert sind, das stärkste Kontingent nämlich 115,861, geliefert. Amerika. Die „Californische Staatszeitung" vom 19. Mürz d. I. berichtet: Der ehemalige Besitzer des antisemitischen „Tagesanzeiger" in Leipzig. W. H. Born, der bereits wegen Diebstahl, schwerer Urkundenfälschung, Unterschlagung und Erpressung, Wcchselfälschung und Betrugs vier Jahre Zuchthaus erhalten hat, wurde neulich wegen Wechselsälschung, Betrug und Begehung unsittlicher Handlungen an seinen Lehrlingen zu vier Jahren Zuchthaus und zehn Jahren Ehrverlust verurtheilt. Wie seinerzeit gemeldet wurde, hat sich die Frau des Born, die aus Scham über die Gemeinheiten ihres Gatten irrsinnig geworden, in einem Ansalle von Irrsinn erhängt. Warum ergötzt Herr Fritsch in Leipzig die Leser seiner „Deutsch-Sozialen Blätter" nicht mit derartigen Mittheilungen? Dieselben sind unstreitig interessanter, wie die Zusammenstellung der Concurse von kleinen Krämern mit jüdisch klingenden Namen! vermischtes. < Altona. Mit schwerem Herzen hat sich der Vorstand der hiesigen Gemeinde endlich entschließen müssen, ihren Tberrabbiner, Hrn. Tr. Lob, welcher auf eine l8jährige segensreiche Thätigkeit in der Gemeinde zurückblickt, in den Ruhestand zu versetzen. Tberrabbiner Tr. Lob, seit ca. drei Jahren sehr leidend und daher nicht mehr im Stande, seine Funktionen zu versehen, erfreute sich allenthalben wegen seines freundlichen friedliebenden Characters und seiner Liebenswürdigkeit im Umgang, sowie seiner Versirtheil auf allen Gebieten des Wissens der allgemeinen Beliebtheit und Hochachtung. Seine Predigten und allsabbathlichen jüdisch-wissenschaftlichen Vorträge verschafften ihm hier und in Hamburg große Popularität. Die hiesige israelitische Gemeindeschule gelangte unter seiner Oberleitung zur Blüthe. Harburg, 23. März. Am 18. d. M. feierte unser allverehrter Lehrer und Prediger, Herr I. Fleischhack er, unter freudiger Antheilnahme der ganzen Gemeinde sein fünfzigjähriges Amtsjubiläum. Eine große Anzahl von Deputalionen der Gemeinde, der ehemaligen Schüler, des Vereins jüdischer Lehrer der Provinz Hannover,^ des interconfessionellen „Lehrervereins an der Elbe" rc. überbrachten Glückwünsche, Adressen und kostbare Angebinde. Das von der Gemeinde veranstaltete Festbankett, zu welchem auch Herr Landrabbiner Dr. Gronemann-Hannover erschien, nahm einen glänzenden Verlaus. Möge der wackere Jubilar noch recht viele Jahre m ungetrübter geistiger und körperlicher Frische seines Amtes zu walten begnadet sein!