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Der Israelit · 1891-04-13 · Heft 30 (13.4.1891) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
32 (1891)
Issue
Heft 30 (13.4.1891)
Date
1891-04-13
Page
– (sequence 4)
Language
German
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574 Praxis des jüdischen Religionslebens einzuführen, ist seit einigen Monaten der Unterricht im Synagogengesang in den Lehrplan der Schule ausgenommen worden. Dadurch soll erreicht werden', daß die Kinder fortan an dem Gemeindegottesdienste mit regerem Interesse theilnehmen, besonders aber, daß bei den von der Schule veranstalteten Kindergottesdiensten nicht nur fast sämmtliche Funktionen von Schülern wahrgenommen werden können, sondern auch die Aufmerksamkeit und lebendige Theilnahme der Anwesenden gefördert werden. Durch den „Verband ehemaliger Schüler und Schülerinnen der Religionsschule Adaß Jisroel" wurden am zweiten Chanukahabende 42 Zöglinge der Anstalt in festlicher Feier mit Anzügen, Schulbüchern u. s. w. beschenkt. Hamburg, im April. Aus die Correspondenz des Herrn P. aus Berlin in Nr. 26/27 des „Israelit" möchte ich mir einige kurze Bemerkungen erlauben. Meine Zuschrift in Nr. 17 war allerdings in erster Linie an die Adresse des 'nvi^-Vereins und der „Freien Vereinigung" gerichtet, nicht um die aufopfernde rühmenswerthe Thätigkeit derselben herabzusetzen und zu discreditiren, sondern um bestehende Uebelstände in der Handhabung der Leitung zu rügen und deren Verbesserung anzuregen; solche öffentliche Anregungen halte ich für nutzbringender als private Vorschläge an die Vereinsvorstände, da durch elftere ein allgemeiner Meinungsaustausch — wie auch diesmal — hervorgerufen wird, was den Vereinsleitungen durch „Prüfet alles und das beste behaltet" zu Gute kommen kann. In der Sache selbst wird die Quintessenz meiner jüngsten Vorschläge in ihrer Berechtigung durch die Ausführungen des Herrn P. nur bestätigt. Wohl wahr, daß jeder Stellungsuchende — von der ungeheuren Schwierigkeit der Erlangung einer to'"i nnt? geschloffenen- Stelle durchdrungen — geneigt ist, anzunehmen, was ihm geboten wird, wohl wahr, daß es leider nur so wenige Chefs sind, die die Besetzung ihrer Vacanzen den bestehenden jüdischen Vereinen anvertrauen, so sollte die letzte Thatsache es den Vereinsleitungen zur doppelten Pflicht machen, dies Vertrauen gerechtfertigt erscheinen zu lassen, damit ihnen solches auch erhalten bleibt. Oder mit anderen Worten gesagt, wenn die Vereine bestrebt sind, die wenigen bei ihnen angemeldeten Vacanzen — nach menschlichem Wissen und Können — so zu besetzen, daß sie die Zufriedenheit des Chefs erlangen, dann erwerben sich die Vereine einen Stamm von festen Kunden, die bei Bedarf immer wieder mit Freuden auf die Vermittlung der Vereine zurückgreisen und die Vereine in weiteren Kreisen empfehlen. Wird den Chefs der v'"i na» geschlossenen Geschäfte auch noch das Risico auferlegt, durch die Vereine untüchtige, unpassende Kräfte zu erlangen, und das Opfer, dieselben um der guten Sache willen zu behalten, dann allerdings ist ein Aufblühen derartiger Vereine in unserer Zeit, wo jeder im Kampfe ums Dasein zuerst nur sich selbst berücksichtigen kann und darf, schwer zu erreichen, denn solche Risicos zu tragen und solche Opfer zu bringen, ist nur wenigen möglich. Dieser Punkt war es auch, auf den mit der Erwähnung des hiesigen Vereins für Handlungscommis von 1858 hingedeutet werden sollte; auch dieser Verein hat bei seinerGründung nicht das Vertrauen, noch die Unterstützung der Kaufmannschaft besessen; er hat beide sich erst erworben und hauptsächlich durch die Art und Weise der Stellenvermittlung. Als Beweis erfolgt hierbei der Bericht über die Vereinsthätigkeit im März d. I. also lautend: Verein für Handlungs-Commis von 1858 in Hamburg. Durch die Vermittlung des Vereins wurden im März d. I. 390 Stellen besetzt. Hierdurch wurde die bisher höchste Besetzung in einem Monate erzielt. Nicht wenig dürfte das ausgedehnte Auskunftswesen des Vereins zur Erreichung dieses erfreulichen Erfolges beigetragen haben. Bekanntlich zieht der Verein über jeden Bewerberin dessen eigenem Interesse nach Möglichkeit directe Auskünfte von dessen bisherigen Chefs ein. Nur gut empfohlene, von fachkundigen Angestellten ausgewählte Bewerber werden für solche Stellungen in Vorschlag gebracht, welche den Wünschen und Fähigkeiten der Bewerber entsprechen. Ich glaube, mit Recht die Lehre daraus ziehen zu können, daß die jüdischen Vereine, die noch dazu den Jndiffercntismus zu bekämpfen haben, nur dann zum Ziele kommen, wenn sie den Vacanzen anmeldenden Firmen zunächst den Nutzen der Vereinsoermittlung vor's Auge führen können, sonst muß die Zahl der angemeldeten Vacanzen naturgemäß stets abnehmen. Die Schuld der Rabbiner an den traurigen Verhältnissen der jüdischen Stellungsvermittlungsvereine dürfte wohl auch nicht so groß sein, als Herr P. voranssetzt. Es kommen hier ja hauptsächlich die großen Städte mit bedeutenderen jüdischen Gemeinden in Betracht, und in diesen sind im Allgemeinen die Rabbiner derartig mit Gemeindeangelegenheiten überhäuft, daß ihnen keine Zeit bleibt, sich dieser Sache zu widmen, wie es erforderlich ist. Es ist da nicht mit einer Predi gt abgethan, nur ein for tgesetzte s Einwirken, ein persönliches Bearbeiten der betreffenden kaufmännischen Kreise durch Berufsgenosscn — gelegentlich vom Rabbiner mitunterftützt — kann

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