Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 32 (1891)
- Issue
- Heft 30 (13.4.1891)
- Date
- 1891-04-13
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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573 terdrückte, standen die Egypter vollkommen machtlos da. Vielleicht ist das, was man heutzutage „jüdische Empfindlichkeit" schilt, wenn antisemitische Schamlosigkeit semitische Gesichter mit Schamröthe überzieht, ein altes Erbstück des jüdischen Stammes, bei dem das volle Bewußtsein seiner Würde und Größe, durch Verfolgungen nicht nur nicht unterdrückt, sondern erst recht ausgebtldet und in seiner ganzen Bedeutsamkeit empfunden wird. Vielleicht wollen die Futura ra-p p in« uy» p-ie» pi, nicht nur unseren Ahnen in Egypten, sondern auch ihren spätesten Enkeln dieses nunmehr durch Jahrtausende bestätigende Zeugniß ausstellen: Kein Druck vermag ihre Größe zu mindern, sie bewährt sich vielmehr erst im Drucke. Ihr Gemnth läßt sich durch Verkennung und Verhöhnung nicht stumpf und empfindungslos Machen. Es bleibt empfänglich für die bloße, rauhe Berührung und bäumt sich um so höher auf, je tiefer man es verwundet. (Fortsetzung folgt.) Zeitungsnachrichten und Vorrespondeuze«. Deutschland. Aus dem Groftherzogthum Hessen. Der Reichstagsabgeordnete Dr. L. Bamberg er hat der Realschule in Ober-Ingelheim ein Geschenk von M. 3000 überwiesen. Berlin, 6. April. Die diesjährige Einladungsschrift zur öffentlichen Prüfung der ReligionSschule der Jsr. Synagogengemeinde (Adaß Jisroel) vom Direktor, Herrn Rabbiner Dr. I. Hildesheimer enthält wieder, nach längerer Unterbrechung, einen Lehrplan der Anstalt, der einen Einblick in die außergewöhnlich großen Leistungen derselben gewährt. Demselben geht ein Mahnwort an die Eltern voran, das viele beherzigenswerthe Momente enthält, welche auch für Eltern und Schüler an anderen Plätzen, wenn richtig erfaßt und ausgeführt, von großem Nutzen sein werden, so daß wir es angezeigt finden, im Nachstehenden einen Auszug desselben zu bringen: „Wir wissen wohl, daß viele Eltern, sobald sie ihr Kind der Religionsschule übergeben haben, aller Last und Sorge überhoben zu sein glauben. Nachdem sie sich von dem unglückseligen Gedanken, daß die Jugend auch ohne religiöse Bildung gedeihe, befreit und ihr Kind einer Religtonsschule anvertraut haben, glauben sie über das Maß eines Durchschnittsmenschen gegangen zu sein, und hoffen zuversichtlich, daß alle ihre Erwartungen bezüglich der Kenntniß der heiligen Sprache und Ausübung religiöser Pflichten erfüllt werden, leisten auf jede Mitarbeit an dem Erziehungswerke Verzicht und überlasten die ganze Bürde der Verantwortung der religiösen Bildungsanstalt. Das ist ein arger Jrrthum, den zu beseitigen wir sehnlichst wünschen. „Wenn wir es auch als unsere Pflicht anerkennen, die Eltern möglichst zu entlasten, weil wir wissen, daß durch das Geschäftsleben einer- und die Sorge für die Wirtschaft anderseits es vielen unmöglich ist, auch nur zeitweise an das -pah onawi zu denken, und sich auch nur einigermaßen mit dem Unterricht des Kindes zu beschäftigen; so können wir anderseits keinesfalls auf den unmittelbaren Antheil der Väter und Mütter an der Erziehung der Kinder Verzicht leisten. — Die Ermahnungen durch Wort und Beispiel, unseren Lehren und Anordnungen Folge zu leisten, die Anerkennungen, die den fleißigen und pünktlichen Schüler ermuntern, die Warnungen, welche das lässige Kind aneifern; diese Momente sind wichtige Erziehungsmittel, die unser Werk erleichtern, ja uns einzig und allein sicheren Erfolg verheißen, und den doch ohne Zweifel unsere Eltern mit uns sehnlichst erstreben. Sollen unsere Zöglinge auch die Früchte des Religionsunterrichtes im Leben genießen, dann ist es unabweisliche Pflicht der Eltern ihre Unterweisung und ihr Vorbild dem Schulleben anzupassen, keineswegs aber dasselbe zu ignoriren. Was frommen unsere Belehrungen, welchen Nutzen gewährten unsere mit Mühen und Opfern an Zeit und Geld verbundenen Jugendgottesdienste, wenn es der kindlichen Laune überlassen bleibt, den köstlichen Segen der Lehren auf sich wirken zu lassen, wenn das allzu ängstliche Mutterherz es nicht über sich gewinnen kann, das Kind zur steten und pünktlichen Erfüllung derselben anzuhalten? „Es ist für das Gedeihen unserer Kinder unbedingt erforderlich, daß wir mit unseren Lehren und unseren Forderungen nicht isolirt stehen, daß sich die Eltern mit uns vereinigen, um nach demselben Plane für dasselbe Ziel zu wirken. — An zwei Abenden der Woche muß der Religionsschüler erinnert werden, an die Vorbereitung für die Religionsschule zu denken. Wird diese Aufsicht von den Ellern nicht geübt, so leidet das unschuldige Kind unter dem herben Tadel und unter der Strafe, die es zu erdulden hat, während doch die Gleichgiltigkeit der elterlichen Pfleger die Hauptschuld an der Unordnung trägt. „Wir bitten die Mütter, auf die pünktliche Theilnahme am Unterricht zu achten, es sind nur wenige Minuten, welche dieser Forderung geopfert werden, die aber für Zucht und gute Sitten auf Jahre hinaus entscheiden." Die Anstalt wurde von 464 Schülern — 322 Knaben, 142 Mädchen — besucht. Im weiteren Verfolge des Grundprinzips der Anstalt, die Schüler möglichst weit und tief in die