Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 32 (1891)
- Issue
- Heft 29 (9.4.1891)
- Date
- 1891-04-09
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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552 Ein Nechtsvorwand mußte noch unbedingt gefunden werden und zwar ein solcher, der den König zur augenblicklichen Vernichtung Hamans autorisirte. 7, 8. i"ki nniPD rva bi* irvan njjo a» bn *^on ivtt'i rvty “ihon noon by pni nta ’Dj? roten n« anaax „Und der König kam zurück aus dem Schloßgarten in das Haus des Weingelages, da war Haman hingesunken auf das Lager, worauf Esther saß; da sprach der König: Auch noch der Königin Gewalt anthun wollen, bei mir im Hause!" Nicht weil er politisch gefährlich ist, wird angeblich Haman getödtet, nicht als Veranlasser des Mordbefehls, sondern wegen Versuch der Vergewaltigung der Königin. pn »jbi -jten DO ns* imn isn, „das Wort war ausgegangen aus dem Munde des Königs und sie verhüllten das Gesicht Hamans." Achaschwerosch hatte seinen Rechtsvorwand gefunden, Haman wird sofort gerichtet. 7, 10. roDtr "]ten nom. „Und der Grimm des Königs legte sich." Er konnte wieder ruhig sein, für ihn ist nun die Sache erledigt. Der treugefundene Mordechai wird nun an die Stelle Hamans gesetzt und auch ihm, zur weiteren Prüfung, der Siegelring des Königs übergeben. (8, 2.) Mordechai hätte nun handeln können im Namen des Königs, wie es gut war in seinen Augen. Aber er ist nicht herrschsüchtig, das selbstständige Befehlen macht ihm keine Freude und Esther bittet in einer abermaligen Audienz für die Juden, wobei sie zu widerlegen sucht (8, 3), die Bosheit Hamans, des Agagi und seinen Anschlag, den er ersonnen wider die Juden. atm lrütwiD nw pn nyi m* yiynb omm by. Und es gelingt ihr, ihn eines Besseren zu überzeugen, zumal da Mordechai die Prüfung, die ihm durch Uebergabe des Siegelrings zugedacht war, glücklich bestanden und so Achaschwerosch gesehen hatte, daß seine vorgefaßte Meinung eine irrige war. Ueberbaupt scheint der König Mordechai und Esther für naiv zu halten, denn er sagt ihnen: 8, 7. pyn by ite wni ’nna pn rva run cr-p.-ra rv rite -iiew by* „Siehe das Haus Hamans habe ich Esthergegeben und ihn selbst hängten sie an den Pfahl, weil er seineHand ausgestreckt gegendie Jehudim." Und so auch berichteten beide. Naivität war jedenfalls eine Eigenschaft, die am meisten bei Achaschwerosch empfahl. Und gibt Achaschwerosch nun Mordechai die besondere Erlaubniß, in dieser Sacke mit unbeschränkter Machtvollkommenheit zu verfahren, nur vor dem Vorwurf der Wankelmüthigkeit solle mau den König bewahren. 8, 8. nyaoa Dinnn -jten D»a anaa naw ana o 3'itrnb "jten. „Denn eine Schrift, die geschrieben worden im Namen des Königs und besiegelt mit dem Siegelring des Königs, ist nicht zu widerrufen." Es gehört auch zu der Staatsklugheit des Königs, daß er sich vor dem Vorwurf der Wankelmüthigkeit sehr in Acht nimmt; denn dieser Vorwurf war ihm berechtigter Weise zu machen und ist ihm gemacht worden (Rab. Gamliel), gerade weil er ein großer Politiker war. Dieser Wankelmuth ist als eine Folge seiner Politik aufzufassen; denn Niemandem wird man leichter den Vorwurf der Characterlosigkeit machen, als einem berechnenden Menschen, dessen Character unwandelbar derselbe ist, so verschiedenartig auch seine Thaten motivirt zu sein scheinen. Der charakterlose Tayllerand, der acht Regierungen dient und alle acht verrüth, ist ein sehr ausgeprägter Charakter und ist in dieser Beziehung unserm Achaschwerosch nicht unähnlich; in seinen neulich erschienenen Memoiren sucht Tayllerand ebenfalls sich von dem Vorwurf der Wankelmüthigkeit zu reinigen. Achaschwerosch aber sucht diesen Vorwurf überhaupt nicht aufkomme» zu lassen und die Briefe werden so abgefaßt, daß man den Bürgern, deren Unschädlichkeit man erkennt, die Nothwehr gestattet, 8, 11, nm onxn DtPDJ by noyte „zu stehen für ihr Leben und zu vernichten ihre Bedränger." Hiermit war auch die Haupstadt wohl einverstanden. 8, 15. Die Stadt „Schuschan jauchzte und war fröhlich." Wenn nun auch Achaschwerosch darüber beruhigt sein konnte, daß Mordechai nicht herrschsüchtig ist, so wollte er ihn in den nun folgenden Begebenheiten auf seine Habsucht hin prüfen. Vielleicht ist es deßhalb, daß die Megillah dreimal wiederholt: 9. 10, 15, 16: □"!' rw inte ab nraai, „aber nach der Beute streckten sie ihre Hand nicht aus." Deßhalb konnte ihn auch Achaschwerosch später zu einer Sache benützen, die schon längst in seiner Absicht gelegen haben mag: 10, 1. crn "81 p8n by do «rniiww ^tenoan. „Und es legte der König Achaschwerosch einen Tribut auf das Land und die Eilande des Meeres." Nachdem Achaschwerosch schon mehr als 13 Jahre regiert und auch die Verhältnisse in der Hand seines Groß-Veziers wohl geordnet waren, konnte er ohne jede Gefahr dies unternehmen. * * Hiermit sind die Angaben der Megillah beendet, die wir Vers um Vers verfolgt und in denen wir mit jedem neuen Zuge eine neue Bestätigung