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Der Israelit · 1891-04-09 · Heft 29 (9.4.1891) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
32 (1891)
Issue
Heft 29 (9.4.1891)
Date
1891-04-09
Page
– (sequence 9)
Language
German
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XXXli. Jahrgang. Erste Beilage zu M 29 ües „Israelit & Ieschurun" Leitender Artikel. Zur MaraKteristiK des Königs Achafchwerosch. Von vr. I. Lehmann. VI. Bei dem Mahle der Esther finden wir genau denselben Achafchwerosch wieder, den wir bei dem ersten Gelage kennen gelernt haben. Er beherrscht sich, trotz seiner Ungeduld, er spiicht nicht früher als „beim Weintrinken", was bekanntlich bei den Alten erst nach Beendigung des Essens bei Gaftmählern ftaitzuhaben pflegte; wer weiß, ob er nicht für irgend eitlen schnellen Befehl die Entschuldigung der Trunkenheit braucht. Jetzt sucht Esther nachzuweiscn, daß Haman nicht im Interesse des Königs, sondern eigennützig gehandelt hat, was ja in der Nacht vorher auch Gegenstand der Ueberlegung beim Könige war. Hätte Haman wirklich im Interesse des Königs gehandelt, und die Juden wären so, wie Haman sie geschildert hat, so hätte sie geschwiegen, trotzdem üe dabei zu Grunde gegangen wäre. Haman war Großvezier, er wußte, daß der König durch die großen Gastgebercien Ebbe in der Kasse hatte und dennoch keine Stenern auflegen wollte, aus Popularitätsrücksichten. Deßhalb erbot er sich auch 10,000 Kikar Silber zu geben, die der König aus politischen Gründen nicht annehmen konnte. Gesetzt den Fall, die Juden seien so, wie Haman sie dem König geschildert, so würde ihr Hochmuth, ihre Unbeugsamkeit, ihre Unbotmäßigkeit gegen die Herrschsucht des Königs aus keine Weise besser vernichtet worden sein, als wenn man sic zu Sklaven und Mägden verkauft hätte; die Sklaverei ist sicherlich im Stande, jeden Hochmuth zu brechen und außerdem wäre die Kasse des Königs durch den Erlös gefüllt worden. Daraus, daß Haman diese Züchtigung nicht wollte, ergibt sich schon die Unwahrheit seiner Behauptung, daß die Juden sich nicht beherrschen lassen. Nicht im Interesse des Königs, lediglich aus Eigennutz hat er gehandelt, in keiner Weise wäre die Herrschaft des Königs durch den Rath Hamans befestigt worden. Aus alldem ergibt sich: 7. 4. ■pan pTjs nw nun p* ’D* ,,Der Dränger sieht nicht aus den Schaden des Königs." Er fördert weder die Herrschaft, noch das Mittel zur Herrschaft, den Besitz. Das Hauptgewicht der Anklage aber liegt in Esthers Aussage: 7, 4. nsyi w, „denn wir sind verkauft worden, ich und mein Volk." Obgleich der König das Geld ausdrücklich zurückgewiesen, war die Anerbietung des Geldes dennoch der Esther zu Ohren gekommen und hatte darnach ihre Rede eingerichtet: wir sind v erkauft worden. Die schädliche Nachrede, die der König durch Zurückweisung des Geldes unmöglich machen wollte, war dennoch in Umlauf gesetzt worden. War es ein Mißverftändniß oder beabsichtigte Bosheit? Esther sollte Zeugniß ablegen, wer dergleichen behauptet. 7, 5. »ö ro^an "lax^i »nwnx ^an idkm p nwyt> 1:6 ixVd uw xin m >xi m Nin,. „Da sprach der König Achafchwerosch und er sagte es zur Königin Esther: Wer ist das und wo ist der, welchen sein Herz treibt, also zu thun?" 6. pm n:n jnn pn mxi n» iton laxro ■fjan »je&b njoj. „Und Esther sprach: Ein unheilstiftender, feindlicher Mann, dieser böse Haman! Da erschrack Haman vor dem König und der Königin." Also war es Haman, der in dieser Weise den König verleumdet hatte und daher ist der Grimm des Herrschers erklärlich.*) 7, 7.;rvnn njj hx rn nnsraa inena cp i^aro. „Und der König erhob sich in seinem Grimme von dem Weingelage und eilte in den Schloßgarten." Der günstige Augenblick zur Vernichtung Hamans ist für den König gekommen, doch er vermeidet es gern, im Grimme zu richten, wenn ihm eine andere Möglichkeit offen steht. Er eilt in den Garten, um Zeit zur Uebcrlegung zu gewinnen. Haman hat sich auch jetzt noch keines nachweisbaren Vergehens gegen das Gesetz schuldig gemacht — „die Angelegenheiten des Königs aber geschehen vor allen Kundigen des Gesetzes und des Rechtes." *) Man kann hier nicht annehmen, daß der König durch seine erstaunte Frage die Esther glauben machen wolle, er wisse von Nichts, denn wir erfahren, welche Schwierigkeit Esther nach dem Falle Hamans noch gehabt, um den Mordbefehl abzuwenden. 8, 3. v^n t'ero -pan ’je* -iinrn inDx *pim pnnm “pm. „Und Esther redete ferner zum Könige und fiel nieder zu seinen Füßen und weinte und flehte vor ihm." Es hätte dieser dringenden Bitte nicht bedurft, wenn der König die Rolle der Unkenntlich gespielt; aber die Juden zu vernichten, lag in seiner Absicht, trotz dem Falle Hamans.

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