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Der Israelit · 1891-04-09 · Heft 29 (9.4.1891) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
32 (1891)
Issue
Heft 29 (9.4.1891)
Date
1891-04-09
Page
– (sequence 5)
Language
German
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547 Das edle Herz unserer erlauchten Landesmutter an der Seite eines allgeliebten Landesvaters umfaßt alle Kinder des Landes in gleicher Weise ohne Unterschied des Standes und Glaubens. O e st c r r. - U n g a r. Monarchie. Wien, 6. April. Bei den heutigen Stichwahlen zum Gemeinderath aus dem dritten Wahlkörper wurden am Alsergrund zwei und in Währing ein Antisemit gewählt. Der dritte Wahlkörper wählte somit 33 Antisemiten und 13 Liberale. In die Bezirksausschüsse wählte der dritte Wahlkörper 96 Antisemiten und 18 Liberale. Aus Ungarn. Die Großwar deiner orth. Kultusgemeinde, die größte in unserem Lande, hat am 21. v. Mts. ihre in sehr schönem Style erbaute Synagoge eingeweiht. Herr Oberrabbiner Fuchs hielt in Gegenwart vieler Honoratioren eine schwungvolle, mit vielem Beifalle aufgenommene Festrede. Um den Bau hat sich der Cultusvorsteher Herr Allmaun, der sich um die segensreichen Institutionen dieser Mustergemeinde unvergängliche Verdienste erworben, besonders bemüht. Endlich beginnt es in orthodoxen Kreisen rühriger zu werden. Das Bedürfnis;, ein Organ zu haben, das in ungarischer Sprache die Interessen des gesetzestreuen Judenthums vertrete und die unerhörten Verleumdungen der gegnerischen Partei wiederlege, hat unter allen Schichten^ der orthodoxen Judenheit sich geltend gemacht. -Leit Kurzem erscheint nun in Pesth unter dem Titel „Zsido Hirado" (Jüdischer Anzeiger) von Herrn Viador (Dr. Daniel Weiß) redigirt, eine Wochenschrift, die sich die Ausgabe gestellt, die Interessen des ung. orthodoxen Judcnthums zu vertreten. Wir wünschen demselben den besten Erfolg. L. G—g. Rußland. Petersburg, 27. März. Der bekannte französische Publizist und Akademiker Anatole Leroy- Beaulieu, Verfasser des Werkes „L'Empire des Czars", welcher sich selbst hier in den höchsten Kreisen großer Anerkennung erfreut, hat eine Denkschrift über die russischen Juden veröffentlicht und dieselbe dem Kaiser, dem Großfürsten Michael (als Präsidenten des Reichsrathcs), den Ministern, Mitgliedern des Rcichsraths und anderen einflußreichen Würdenträgern zugesendct. Der „Grashdanin", der mittheilt, daß Herr Leroy-Beaulieu sein Werk vielen der höchsten Beamten unter Kreuzband zugeschickt habe, fragt höhnisch, wozu die Vertreter der russischen Bureaukratie sich mit der neuesten Produktion des französischen Schriftstellers bekannt machen sollen? Das antisemitische Blatt läßt dabei außer Acht, daß in nächster Zeit im Reichsrathe Debatten über die Judenfrage beginnen werden, und daß das Resultat dieser Verhandlungen für das Wohl und Wehe von fünf Millionen russischer Bürger eine entscheidende Bedeutung gewinnt. Es soll über ein aus zahlreichen Paragraphen bestehendes Gesetzprojekt eingehend berathen werden, dessen Bestimmungen drakonische sind, doch hofft man, daß der Reichsrath manche gar zu harten Bestimmungen mildern werde. Herr Leroy-Beaulieu hat sehr richtig den gegenwärtigen Zeitpunkt für den angemessensten gehalten, mit seiner Schrift zur Vertheidigung der Juden hervorzutreten und sie denjenigen russischen Würdenträgern zuzusenden, die einen mehr oder weniger entscheidenden Einfluß auf den Charakter der neuen Gesetzprojekte haben können und werden. Der berühmte Verfasser thut unter anderem dar, daß die russische Regierung sich ins eigene Fleisch schneidet, wenn sie die betriebsamen Juden Rußlands gewaltsam von Handel und Gewerbe zurückhalteu wolle, wie es beabsichtigt. Wenn die Regierung aus gewissen Gründen den Juden den Staatsdienst hermetisch verschließe, sie weder als Lehrer, noch als Richter, loeber als Offiziere der Armee und Flotte, noch als Aerzte und Juristen dulde — so könne sich das noch aus Staatsrücksichten erklären. Daß man aber einer zahlreichen jüdischen intelligenten Bevölkerung den Weg zum Handel, zur Industrie, zum Gewerbe abschneide, sei bei der Fähigkeit der Juden eben auf diesem Gebiete, auf welchem sie schon so Hervorragendes geleistet hätten, geradezu unerklärlich und heiße seine eigenen Interessen schädigen. Die Verfolgungssucht läßt sich freilich dadurch nicht beeinflussen. — Die Monatszeitschrift „Woschod", die einzige russische, speziell von einem Juden zur Vertheidigung der Juden herausgegebene und, nebenbei gesagt, trefflich redigirte Zeitschrift, ist auf ministeriellen Befehl für sechs Monate fuspendirt worden. Obgleich eine solche Suspension und noch dazu für eine so lange Zeitperiode an und für sich schon eine sehr harte Strafe ist. so wird dieselbe noch dadurch verschärft, daß eine Suspension die verhängnißvolle Folge nach sich zieht, daß beim Wiedererscheinen die Zeitschrift unter Präventivcensur gestellt wird, wodurch ihre Existenz ganz unmöglich gemacht ist. Bekanntlich erscheinen die Zeitungen in den beiden Residenzen ohne Präventivcensur, was eine große Erleichterung ist und der Willkür der Censur ein Ziel setzt. Ein Journal unter den gegenwärtigen Verhältnissen unter Präventicensur stellen, heißt dasselbe zum Tode verurtheilen, besonders wenn es sich um ein jüdischen Interessen gewidmetes Journal handelt. Die Censur streicht unbarmherzig Alles, was zu Gunsten der Juden ihrem Urtheil unterlegt wird. Derartig sind die russischen Juden des einzigen russischen Organs, das sie besaßen, beraubt worden,

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