Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 32 (1891)
- Issue
- Heft 29 (9.4.1891)
- Date
- 1891-04-09
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2446951-2448122-2448151--31918-2479741- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
546 Vereins wurde auch zweier hiesiger Juden mehr als lobender Erwähnung gethan. Als die Stadt sich anschickte, dem Gewerbeverein helfend zur Seite zu stehen, war es der jüdische Stadtverordnete Michaelis, der einen umfassenden, gründlichen und wohlwollenden Bericht im Namen der Stadtverordnetenversammlung ausarbeitete. Von dem Gewerbeverein zweigte sich der Vorschuß- und Creditverein ab, dessen Gründer der jüdische Stadtverordnete und langjährige Abgeordnete der II. hessischen Kammer, Herr Markus Edinger gewesen. In sehr wohwollender Weise schilderte der Vorsitzende die gewissenhafte und uneigennützige Leitung genannten Vereins durch Edinger, der in der ersten Zeit noch persönliche Opfer im Interesse des Vereins gebracht hat. Die anwesenden Israeliten haben sicher mit großer Befriedigung diese Mittheiluugen entgegcngenommen, und für die andern Anwesenden enthielten dieselben eine sicher nicht mißzuverstehende Lehre, besonders schätzbar in jetziger Zeit. — Bei Eröffnung der Jubiläumsausstellung im Gewerbeschulhause machte der Vorsitzende die allseitig überraschende Mittheilung, daß Herr Stadtverord. Lohn st ein (Israelit) der Gewerbeschule zur Erinnerung an die heutige Jubelfeier ein großartiges Geschenk gewidmet habe. Zur Begründung eines Museums übergab Herr Lohnstein 110 Stück imitirter Majolika und Glasvasen, Urnen, Becher und Humpen, lauter Nachbildungen von anerkannt guten künstlerischen Mustern in bedeutenden Museen. Leipzig. Ein deutsch-sozialer Parteitag wird zu Pfingsten dieses Jahres in Leipzig stattfinden, zu dem auch die Mitglieder verwandter Parteirichtungen, sowie hervorragende Antisemiten des Auslandes als Gäste Einladungen erhalten sollen. Ein im Mittelpunkte der Stadt gelegenes Garten- Etablissement ist für den Parteitag und das sich anschließende Parteifest gemiethet worden. Mn mit Hunderten von Unterschriften versehener Aufruf wird seiner Zeit in der Presse erscheinen. Dieser Aufruf ist bereits in der gestrigen Sonntagsnummer des „T. A." erschienen. Als Hauptunterzeichner fungiren: Banquier Th oft, Zwickau i. S.; Oberlehrer Dr. Paul Förster, Dr. König und Th. Fritsch. Hiesige Namen finden wir: Stadtverordneter Lehrer Kirchhofs; Chemiker Dr. Schloemil ch, eanä. zur. Sänger, Oberlehrer Dr. Sturmhoe fel, Kaufmann Iah n, Oberlehrer Trebe und Prof. Dr. von Zahn. — Es ist höchst auffallend, daß unter den Namen so viele Beamte sind! Wir haben nichts so sehr zu fürchten, als wie a ntisemitis che Be amte. Was jedoch den Parteitag und die Festlichkeit anbetrifft, so können wir darüber ruhig sein! Man kennt schon die Prahlereien der Antisemiten. Wenn ein halbes hundert Antisemiten zusammenkommen, so macht der Wirth, wo das Fest stattfindet; immerhin noch ein gutes Geschäft. Ratibor. Eine innerhalb unserer Gemeinde bestehende Wohlthätigkeitsv er einigung veranstaltete am jüngsten Sanntag Abend im Hotel „Prinz von Preußen" eine musikalische Soiree. Dem musikalischen Theile ging ein einstündiger Vortrag des Herrn Rabbiner Dr. Blumenthal über: „Das römische Ghetto", der ungetheilten Beifall fand, voran. Der Abend schloß mit einem größeren Souper. D. Würzburg. Es dürste im Interesse der unter 2000 Mk. besoldeten Gemeindebedienftetcn, wie Schächter, Cultusdiener 2C. liegen, dieselben aufmerksam zu machen, sich Jnvaliditäts- und Altersversicherungskarten zu lösen, da die etwa gezahlt werdende Rente immerhin eine Wohlthat bei vorgerücktem Alter oder bei Dienstunfähigkeit sein kann. So erhält der hiesige zwar noch active, aber das 70. Lebens« jahr überschritten habende Cultusdiener G. eine monatliche Rente von circa 15 Mk. seit dem 1. Januar e. Aus Mittelfranken. In unserer Gegend wird ein Büchlein kolportirt, das den Titel trägt: Der Antisemitismus. Ein Schandfleck des 19. Jahrhunderts. Cultur - historische Studie von Moritz Wessely. Preis 25 Pfennige. Der Titel ist unstreitig das Beste an dem Merkchen, da sein Inhalt dem Antisemitismus keinen Damm entgegensetzt, dem Judenthum aber durch Irrlehren gefährlich werden kann. Hier eine Probe: Auf Seite 5 ist zu lesen: „Mit dem Messias haben die Propheten des alten Testaments sicherlich nichts anderes als die Cultur gemeint; denn die Erlösung des Menschengeschlechtes ist nichts anderes als das Endprodukt der Eivilisatkon. „Der ungebildeten Volksklaffe gegenüber haben die Propheten absichtlich die Sache personifizirt, statt der Erlösung sprachen sie von einem Erlöser um nachdrücklicher, verständlicher und wirksamer zu werden." Wir warnen daher vor dem Ankauf desselben. Eppingen, 5. April. Unsere allgelicbte Landesfürstin, Ihre Königliche Hoheit die Großherzogin von Baden, durch das Blut der Verwandtschaft mit unserem hohen kaiserlichen Hause nahestehend verbunden, hat anläßlich des Aufenthalts bei einer hier ftattgefundenen Ausstellung weiblicher Schulhandarbeiten , verschiedene öffentliche Gebäude, darunter auch die Synagoge besucht und sich nach den Gemeinde- und Synagogenverhältnissen genaueftens erkundigt. Durch diesen hohen Besuch der Synagoge unserer kleinen israelitischen Gemeinde fühlt sich unsere Gemeinde mit Recht sehr geehrt.