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Der Israelit · 1891-04-09 · Heft 29 (9.4.1891) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
32 (1891)
Issue
Heft 29 (9.4.1891)
Date
1891-04-09
Page
– (sequence 2)
Language
German
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544 Quellenschriften erwähnten Einfall des Hyksos- Stammes in Egypten gedacht. Dieser König fand in Egypten eine dreifach gegliederte Bevölkerung vor. Sein heimischer, mit ihm eingedrungener Stamm — ivy —, die unterjochten Ur - Egypter — i»*ow — und die inzwischen zu einem ganzen Volk herangewachsenen Kinder Israels, 'n Dy. Die ganze Gliederung des egyptischen Volkes in gesonderte Kasten, von welchen die Höheren auf die niederer Stehenden verächtlich herabblickte, machte Egypten auch in normalen Zeiten zu einem rva D'-oy, zu einem Lande, in dem die Sklaverei wie nirgends sonst zu Hause war. Die Ur-Egypter, welche schon lange scheel auf die fremd eingewanderten Hebräer blickten, waren nun selber von einem fremden Eroberer unterjocht, während die Kinder Israel frei und unabhängig geblieben waren. Mehr bedurfte es nicht, um den lang verhaltenen Groll in hellen Flammen auflodern zu lassen. Das Hauptverbrechen der Juden in den Augen der Anti-Hebräer, daß sie nämlich fremde, heimathlose Menschen auf egyptischem Boden waren, konnte sie in den Augen des neuen Königs nicht discreditiren, denn er war selber fremd. Vielleicht war es gerade dieser Umstand, der den Hebräern das Wohlwollen des neuen Königs sicherte. Die Egypter höhnten und kränkten die Israeliten in ihrer Eigenschaft als Fremde und Eindringlinge, um damit den „neuen" König zu kränken, den seine Stellung allerdings vor einer unmittelbaren Bedrückung schützte. Dabei werden die Uregypter es auch sonst nicht versäumt haben, den König über die Juden in der bekannten Weise aufzuklären. Die Geschichte enthält hierüber keine positiven Angaben, aber man kann sie sich leicht aus den Verdächtigungen und Verleumdungen zusammenstellen, mit welchen Judenfeinde zu allen Zetten königliche Herzen für ihre schwarzen Pläne zu gewinnen suchten und leider auch oft gewannen. Dem fremden Könige waren die Kinder Israel so fremd, daß er nicht einmal von Josef etwas wußte, dessen Ruf doch weit über die Marken des Egypterlandes hinausgedrungen war. Die eingeborenen Egypter, welche schon zwei Generationen Hebräer in ihrem Lande aufwachsen sahen, haben daher sicherlich nicht verfehlt, die hebräische Gemeingefährlichkeit so lange und so nachdrücklich dem Könige vorzuführen, bis derselbe endlich für die Vergewaltigung der Israeliten gewonnen war. Was nun der König über die Juden Schlimmes vorzubringen hat, ist, da es wie die Erfahrung der Fürsten gewöhnlich nur auf Berichten beruht, die ihm Andere unterbreitet haben, nichts selbst Erfahrenes, sondern der treue Ausdruck dessen, was die eingeborenen Egypter den ihnen verhaßten Israeliten insinuirten. Den Egyptern kann also der neue König über die Juden nichts Neues sagen, er spricht daher zu seinem Volke ivy -idwi : Seht die Kinder Israel, die bei unserer Eroberung nur eine große Familie bildeten, sind inzwischen ein Volk geworden, dessen Größe und Macht unser Eigenthum ist. Das war die Denunciation der egyptischen Anti-Hebräer. Daraus zieht nun der König seine durch die Staatsraison gebotenen Schlüsse für seine noch neue Dynastie und sein Volk. Die neue Dynastie hat voraussichtlich noch Kämpfe mit ihren unterjochten Feinden, den Eingeborenen des Landes, zu bestehen. Zu diesen Feinden wird sich jetzt auch im Falle eines Krieges das Volk der Kinder Israel schlagen, denn dieses Land ist seine zweite Heimath, es ist ihm der Boden geworden, aus dem sich seine Bedeutsamkeit zu dieser gefürchteten Höhe entwickelte. Nicht einen Krieg von Außen, sondern einen Bürgerkrieg — ua arfcai — sieht Pharao voraus, in welchem das Volk Israel naturgemäß es mit den Feinden halten soll. So haßten die Egypter die Israeliten, weil sie ihnen als Fremde galten, und der neue König war denselben Israeliten gram, weil sie sich so heimisch in dem von ihm eroberten Lande fühlten, daß er die gegen ihn gerichtete Conspiration mit den Eingeborenen als selbstverständlich voraussetzte. Die Treue der Israeliten gegen den fremden König galt den Eingeborenen als ein Verrath an ihrem Vaterlande und die Pflege der guten Beziehungen zu dem Lande und seinen Bewohnern bestärkte den König in seiner gegen die Unglücklichen erhobenen Verdächtigung. Und doch lag allen diesen sich gegenseitig aufhebenden Verdächtigungen auch nicht der Schein einer Berechtigung zu Grunde. Wäre dieses der Fall gewesen, so hätte (man sich nicht auf diplomatische Kniffe beschränkt und wäre den Hoch- und Landesverrätern auf kürzerem Wege beigekommen. Deßhalb nahm die Lage der Unglücklichen später eine verhängnißvolle Wendung, als Moichch und Ahron eine dreitägige Entfernung aus dem Lande für ihr Volk forderten, um Gott in der Wüste ein Fest zu feiern. König und Volk brüteten dieses Verlangen als vollgiltigen Beweis ihrer bis dahin grundlosen Verdächtigung aus. Der König erblickt darin einen Versuch, sich seiner Botmäßigkeit zu entziehen, und das Volk findet darin den eklatanten Beweis, daß die Israeliten sich selber als Fremde in Egypten ansehen. Wie hätten sie sonst das Bedürfniß haben können, Egypten zu verlassen und die kahle, öde Wüste aufzusuchen, wenn sie sich einmal freuen und ein Fest feiern wollen! Angesichts eines solchen Verlangens, konnte die rohe

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