Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 32 (1891)
- Issue
- Heft 29 (9.4.1891)
- Date
- 1891-04-09
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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XXXII, Jahrgang. M. 29« Israelit «* Jeschurun. Bfitfdjcift W Fördems W. Geistes s»st W. ßedess ln Ass. 8mMe »»st Ztz»lr. Gentrak- Organ für das orLHodo.re ZudenLhum. Begründet von Dr. Lehmann in Mainz. Donnerstag, den S. April 5651 (1891)« Leitender Artikel. Kagaday fchek Weßach. Fünfte Serie. Mainz, 7. April. III. Die Entwickelung der egyptifchen „Judenfrage" ist in gedrungenen Zügen durch das Schriftwort gezeichnet, welches uns die Hagada schel Peßach hier zur Betrachtung herausgreift: „Es erhob sich ein neuer König über Miz- „rajim, der den Josef nicht gekannt hatte. Dieser „sprach zu seinem Volke: Seht, die Söhne Js- „raels bilden ein Volk, das von uns groß und „mächtig wurde. Wohlan, wir wollen ihm mit „List beikommen, damit es nicht größer werde „und auch es sich im Falle eines Krieges zu „unseren Feinden schlage, wir somit gegen uns „selber kämpften, denn aus diesem Lande hat es „sich zu seiner Höhe erhoben." (II. B. M., C. 1.) Im Gegensatz zu dieser Darstellung, welche den ersten Impuls zur egyptifchen Bedrückung als vom König ausgehend bezeichnet, schreibt ihn die Ueberlieferung unserer Weisen nicht dem Fürsten, sondern dem Volke zu und begründet diese Auffassung durch verschiedene, im Text selbst enthaltene Nüancirungen. Mit dem Druck, den die egyptifchen Frohnherren dem israelitischen Volke bereiteten, hätten sie Pharao selber einen Stein an den Hals gehängt, und ihn damit noch schmerzlicher verwundet, als die geächteten Israeliten selbst. Ja es wird geradezu die Absicht unterstellt, Pharao mit der an den Israeliten verübten Höhnung zu kränken. (Talmud Sotah, Fol. 11a. r\'b 'jno or6y ,ö’dd n» vby wtty }Vüb ,rrt> *ya 'v nmay »Drvfcaoa *nuy — (3fntra Dm^aoa nyitb Eine andere Ueberlieferung berichtet sogar, daß Pharao, als er noch nicht der „neue König" geworden war, sich so entschieden dem Ansinnen seines Volkes, die Unterdrückung Israels zu beschließen, widersetzte, daß dieser Widerstand ihm den Thron kostete und daß er erst, als er nach dreimonatlichem Schwanken sich gefügt hatte, wieder eingesetzt wurde. (Midrasch Rabba zur Stelle.) Aber selbst dann wandte er nicht sofort die brutalen Gewaltmaßregeln an, auf die seine Umgebung drängte, sondern suchte zunächst durch Politik das Ziel zu erreichen. (Talmud Sotah ibid: «in ,wn w iojw rfcnn nXJJS ^nnn.) Erst als diese Mittel sich fruchtlos erwiesen, erließ er, auf der abschüssigen Bahn, ans welche ihn die Verhältnisse getrieben, tiefer und tiefer sinkend, den Blutbefehl gegen die israelitischen Neugeborenen. Daß selbst dieser Befehl Pharaos mehr dem zwingenden Einfluß seiner Umgebung, als der eigenen Initiative zuzuschreiben ist, erhellt aus der Straflosigkeit, mit welcher die Hebammen ausgingen. Nur wenn Pharao diesen Befehl gegen seinen eigenen Willen, auf Drängen der ihn bestürmenden Feinde Israels erlassen hatte, ist es erklärlich, wie dem Könige eine Motivirung des Ungehorsams der Hebammen genügen konnte, die durch das bloße Vorhandensein der Hebammen Lügen gestraft wurde. Die hebräischen Hebammen erklären, bei der Lebenskräftigkeit der Hebräerinnen bedürfe es überhaupt keiner Hebammen! — Diese ursprünglich milde Gesinnung Pharaos gegen die Israeliten erklärt auch ihre Klage bei seinem Tode und die dadurch eingetretenc Verschlimmerung ihrer Lage. (II. B. M., 2, 23.) Von dem neuen König wird uns nun zunächst nicht seine Feindseligkeit gegen die Israeliten, sondern seine Unterwerfung der Egypter und die Ursurpirung des egyptifchen Königthums berichtet. Indem es hier nicht "|bD sondern op’i onsD by enn heißt, liegt in diesem Ausdruck die gewaltsame Ursurpirung ausgesprochen. (Vergl. B. d. Ehr. II. 21, 4. i'arr r^vv by cmrp opn 'oi jnm pmm.) Der König war in erster Reihe nicht den Hebräern, sondern den Egyptern neu, er war von Außen als Ursurpator mit seinem heimischen Volksstamm eingedrungen und hatte sich zum Könige Egyptens aufgeworfen. Man hat dabei, vielleicht nicht mit Unrecht, an den in außerjüdischen