Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 32 (1891)
- Issue
- Heft 28 (6.4.1891)
- Date
- 1891-04-06
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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habe ähnlichst den Tod herbeigewünscht, ohne indessen jemals Gründe anzugeben, warum sie von solchen melancholischen Stimmungen befallen wurde. Unter diesen Umständen wäre es auch gar nicht zu verwundern, wenn Rosa eines Tages ihre Selbstmordgedanken zur Ausführung brächte und mau ihre Leiche irgendwo auffinden würde. Ignatz Klein, der eine so hervorragende Rolle in dem Mordprozesse gespielt hat, ist dagegen bereit, vor Gericht zu beschwören, daß Rosa Kohlmann die Esther Solymosi sei, und auch Coroner Levy ist fest davon überzeugt. vermischtes. <4- Darmstadt, 26. März. Vorgestern Abend waren die in Darmstadt wohnenden Unterzeichner des Aufrufs zur Abwehr des Antisemitismus versammelt, um ein Mitglied aus ihrer Mitte als Vorstandsmitglied des Hauptvereins in Berlin zu wählen. Die Wahl fiel einstimmig auf Herrn Direktor Dr. Wulckow. Berlin. 10. März. Die Vertheilung der Zinsen aus der 1'/, Millionen-Erbfchaft, welche der jüdischen Gemeinde aus dem Nachlaß des Dr. Ephraim zugeflossen ist, hat nunmehr begonnen. Herr Justizrath Meyer hat Namens des Vorstandes der jüdischen Gemeinde denjenigen Vereinen, deren Gesuche berücksichtigt sind, eine Weisung zur Abhebung der überwiesenen Beträge zugehen lassen. Die jüdische Gemeinde ist nach dem Testament verpflichtet, aus den Zinsen der Erbschaft humanitäre Bestrebungen ohne Rücksicht aus Religion zu unterstützen. Berlin, 10. März. Eine „kleine Verwechslung" ist dem „Verein zur Bekehrung Israels" bei seinem gestrigen Jahresfest passirt. Der Verein hatte zum Festprediger den Domhilfsprediger Koch ausersehen, der gleich dem Verein den Juden gegenüber sehr versöhnlich denken soll. Durch ein Versehen kam jedoch die Einladung in die Hände des in der Elisabethgemeinde wirkenden Predigers Koch, der die Einladung annahm und zum Entsetzen der Vereinsmitglieder auf das „sich selbst für den Messias haltende Judenvolk" losdonnerte. Hamburg, 17. März. Die Beerdigungs-Brüderschaft der Deutsch-Israelitischen Gemeinde beging gestern im Central-Hotel ihr Stiftungsfest unter Theilnahme der Spitzen der Gemeinde des Synagogenverbandes, der „Neuen Beerdigungs-Gesellschaft", sowie der Portugiesisch- Israelitischen Gemeinde; außerdem war Herr Oberrabbiner Hirsch als Ehrenmitglied der Brüderschaft anwesend. Im Ganzen waren etwa 100 Personen erschienen. Bei Beginn der Tafel begrüßte der Vorsitzende der Beerdigungs-Brüderschaft, Gemeindevorsteher Louis Wolf, die Anwesenden. Alsdann ergriff unter allgemeiner Spannung Herr Oberrabbiner Hirsch das Wort, um die Verdienste der Brüderschaft zu schildern. Redner hob besonders hervor daß die Mitglieder der Brüderschaft unter Hintansetzung ihrer geschäftlichen Interessen sich unentgeltlich der Erweisung des letzten Liebesdienstes an den Verstorbenen weihen. Die Krone des Festes bildete jedoch die zweite Rede des Herrn Oberrabbiners. In derselben gab er eine kurze Uebersicht über die verschiedenen Perioden der Entwicklung des Gemeindelebens. Diese Rede hinterließ bei allen Anwesenden einen liefen Eindruck. Aus dem Reigen der übrigen Toaste sei noch der des Bürgerschaftsmitgliedes Dr. H. B. Levy hervorgehoben, der in seiner Ansprache darauf hinwies, daß die ersten Juden in Hamburg Portugiesen waren und auf das Wohl der Portugiesisch-Jüdischen Gemeinde trank, worauf I Herr Luria Namens der Gemeinde dankte. Alsdann sei noch des Toastes des Gemeindevorstehers Schönfeld Erwähnung gethan, der die großen Verdienste der „Beerdigungs- Gesellschaft israel. Frauen" hervorhob, die ebenfalls unentgeltlich ihres mühevollen Amtes walten. Erst in später Abendstunde fand die würdige Feier ihren Abschluß. 0. A. Gleiwih, 24. März. Die hiesige jüdische Gemeinde und die Stadt überhaupt ist von einem schweren Verlust betroffen worden. Stadtrath Hahn ist seinem Leiden erlegen. Am gestrigen Abend wurde er zu seinen Vätern versammelt. Angesehene Männer übernahmen die Wache bei dem Todten. Der Verstorbene war erster Vorsteher der Gemeinde und hat sich um ihre Organisation unvergeßliche Verdienste erworben. Unablässig war er wohlthätig, zumeist im Stillen. So erfreute er sich der Achtung der gesammten Bürgerschaft. Seine Pflichttreue, sein Wohlwollen und seine Opferwllligkeit waren allgemein anerkannt. 1879 wurde er an Stelle seines ältesten Bruders zum Stadtrath gewählt. Vor 8 Tagen feierte er seinen 69. Geburtstag. Schwer hat er in der letzten Zeit gelitten. Sein Andenken wird in Gleiwitz in Ehren gehalten werden als das eines musterhaften Bürgers und Menschen. Stadtrath Hahn war Vertreter großer Firmen in Stettin und der Zuckerfabrik zu Roswadze. — Neiße. Vorstand und Repräsentanten beschlossen in gemeinschaftlicher Sitzung den Umbau unserer Synagoge und bewilligten hiezu den Betrag von 36,000 Mk. Bis zum 3. October soll der Bau fertiggestellt sein. Wien. Die Zahl der Abgeordneten jüdischer konfession ist von 11 auf 12 gestiegen. Es sind dies die Herren: Dr. I. S. Bloch, Dr. Byk, Julius Ritter von Gomperz, Dr. Heinrich Jaques, Rafael Luzatto, Josef Neuwirth, Leopold Pollak, Heinrich Popper, Dr. Arnold von Rapoport, Dr. Moriz Rosen stock, Adolf Schwab, Heinrich Wagner. Petersburg, 21. März. Am Mittwoch nahm die Ministerkomission einen gemeinsamen Vorschlag des Ministers des Innern und des Finanzministers, betreffend die Reiseerlaubnitz ausländischer Juden nach Rußland an. Danach sollen die Verordnungen über diesen Punkte so erleichtert werden, daß das bestehende Gesetz seine Härte vollständig verliert. Washington, 5. März. In Begleitung des Staatssekretärs Blaine erschien heute William E. Blackstone von Chicago beim Präsidenten, um ihm eine von angesehenen Geschäftsleuten, Zeitungsherausgebern, Politikern w. aus allen Theilen des Landes Unterzeichnete Denkschrift vorzulegen. In derselben wird ersucht, die Regierung der Ver. Staaten möge ihren Einfluß bei den europäischen Regierungen dahin geltend machen, daß eine internationale Konferenz einberufen werde, aus welcher Schritte gethan werden sollen, den Kindern Israels das gelobte Land wieder zu geben, besonders im Hinblick auf die Judenverfolgungen in Rußland. Wie Herr Blackstone erläuterte, würde sich dieser Plan gut ausführen lassen, wenn einige jüdische Kapitalisten einen Theil der türkischen Nationalschuld als Bezahlung für das abzutretende Gebiet, das unter der Kontrole der Vertragsmächte stehen könne, übernahmen und damit der in argen Finanznöthen befindlichen türkischen Regierung unter die Arme griffen. Daß das erforderliche Geld sofort zur Stelle sein werde, sei nicht zu bezweifeln. Da die Ver. Staaten speziell mit Rußland auf gutem Fuß stehen und an der Lösung der orientalischen Frage nicht direkt interessirt sind, so sei die Regierung am besten dazu geeignet, die Frage in Fluß zu bringen und eine günstige Entscheidung herbeizusühren. Herr Harri so n hörte die Ausführungen des Redners aufmerksam an und versprach, den Vorschlag in Erwägung ziehen zu wollen.