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Der Israelit · 1891-04-06 · Heft 28 (6.4.1891) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
32 (1891)
Issue
Heft 28 (6.4.1891)
Date
1891-04-06
Page
– (sequence 3)
Language
German
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$29 deßhalb nicht abgelcynt, um den Vorwurf, die Juden seien Feiglinge, nicht aufkommen zu lassen. Angesichts dieses traurigen Falles mutz ein von einem Amtsgerichtsrath des betr. Gerichtes an Herrn I. Ziegel hier gerichtetes Kondolenz-Schreiben wohlthuend berühren, in welchem die seltene Pflichttreue des Verstorbenen, die hohe Achtung und Liebe, die er in allen Kreisen genossen, hervorgehoben und in dem die aufrichtigste Theilnahme ob des schweren Verlustes, der den Vater betroffen, ausgesprochen wird. Die Leiche wurde hierher überführt mtb ist am ome unter zahlreichem Gefolge, wobei alle Confessionen vertreten waren, bestattet worden. Von einer Leichenrede mußte mit Rücksicht auf Q'iis abgesehen werden; dagegen sprach ein Schwager des Verstorbenen, Herr Rechtsanwalt Stein aus Danzig im Trauerhause tiefergreisende Abschiedsworte und Schreiber dieses ein längeres, deutsches Gebet am Grabe. I. Nischkowoky. Aus Oberfchlesien. Zu Ihrem Feuilleton in Nr. 24 pw nwo rrfopo gestatten Sie mir auch einen kleinen Beitrag aus unserem Städtchen S . .. . u mitzutheilen. Als vor zwei Jahren die Spiritussteuer in Wirksamkeit trat und die Nachsteuer für habendes Lager nachgezahlt werden mußte, hatte ein früher gut situirter, ehrbarer Kaufmann nur noch zwei Füßchen Spiritus zum Handel, diese wurden ihm vom Beamten versiegelt, bis 1100 Mk. Steuer hiervon entrichtet worden, und wurde eine bestimmte Zeit zur Bezahlung bestimmt. Diese verlief; Herr H. wußte sich die Summe zur Nachsteuer nicht zu schaffen und schon sollte der Spiritus verauctionirt werden. Hiervon hörte unser edler, braver Vorsteher Herr S . .. ., der sofort von dem hochherzigen seligen P. nach Mittheilung 300 Mk. erhielt, er selbst aber, nachdem er noch 400 Mk. von einem Verwandten des H. in G. hierzu erhielt, den Rest von 400 Mk. auch dazu beisteuerte, die Nachsteuer bei der Behörde sofort bezahlte, so daß die zwei Faß Spiritus dem H. zur freien Verfügung gestellt wurden, ohne daß er wußte, wer ihm solche Hülfe geleistet hatte. Hier müssen wir sagen noN non n»n nr. — Eine solche npis und non r6*m, wofür '"w.-i den S.. . sicher segnen wird, verdient veröffentlicht zu werden. M. P. Pforzheim. Der Schriftsteller M. Müller dahier, hatte vor einigen Wochen ein Flugblatt zur Widerlegung der Unmasse falscher Citate und statistischen Angaben, welche die Flugblätter der Antisemiten im Namen von Autoritäten anführcn, erscheinen lassen. Gegen dasselbe wandte sich ein junger Mann, Namens Fritz Bösenberg zun., den nun Herr Müller in einem neuen Flugblatt: „Der Arier Fritz Bösenberg zun. als neues Pforzheimer Aufklärungslicht!" vollständig ad absurdum führt. Er sagt darin u. A.: Ich halte das Gebühren der Antisemiten nicht für daS wahrhaft religiöse, und meine, die Christen sollten vorerst besser vor ihrer eigenen Thür kehren, statt Judenhetzereien anzufangen. Würden die Juden wie die Antisemiten alle Woche die Sünden und Verbrechen von denen, welche sich Christen nennen, aus allen Welttheilen zusammensammeln und in einem Wochenblatte herausgeben, das gebe auch eine gräßliche Sammlung! Die statistischen Hinweise der Antisemiten auf die jüdischen Verbrechen berechtigen noch nicht zur Judenhetze. Einmal sind diese Berichte vielfach unrichtig, ja gefälscht, dann gehört, wenn dieselben auch richtig sind, ein philosophisch gebildeter Geist mit Gerechtigkeitssinn dazu, um ein richtiges Urtheil zu fällen. Hier nur ein Beispiel: Die Präsidentenschaft in Bombay hat über Indien eine Kriminalstatistik herausgegeben, nach dieser kommen auf 362 Verbrechen 50 Heiden und 312 Christen. Ist das ein Beweis, daß die Heiden bessere Menschen als die Christen sind und das Christenthum weniger werrh ist. als das Heidenthum? Und bei obiger Statistik, wenn sie noch so richtig wäre, was für ein Christenthum wurde jenen zum Verbrecherthum kommenden Menschen gelehrt? Wer übrigens lesen will, daß nicht einmal wir Deutsche uns groß brüsten dürfen, der lese I. Scherr's „Menschliche Tragikomödie". Kurz — die antisemitische Statistiksbeweisführung will gar nichts zu Gunsten ihrer Hetzerei besagen. Wer zwischen zwei Reden über die Judenfrage ein Urtheil fällen will, der lese doch einmal die vor 60 Jahren im englischen Parlament gehaltene Rede von dem Staatsmann und Historiker Th. V- Macaulah, und die jüngst in einer Berliner Versammlung gehaltene von Stöcker! Welcher Unterschied! Stöcker sagt unter anderem: „Die russische Regierung ist die einzige, welche die Judenfrage politisch und ftaatsmännisch mit Erfolg behandelt!" *) Sapienti sat! Was mich betrifft, so wünsche ich allerdings, daß die Juden sich Lessing's „Nathan den Weisen" etwas mehr zum Musterbilde nehmen möchten und den Christen, daß der abscheuliche Pfaffengeist, der in Lessing's Werk so treffend geschildert ist, von ihnen weit entfernt abweichen möge! — In meinem Flugblatte habe ich auch auf die Sammlung von Citaten hingewiesen, welche die Berechtigung des Antisemitismus beweisen sollen. Diese Sammlerei ist in meinen Augen geradezu kindisch! Ja, Goethe zum Antisemiten stempeln zu wollen, ist geradezu höherer Blödsinn!" Es wäre zu wünschen, daß die Müller'schen Flugblätter in antisemitischen Kreisen verbreitet werden. O e st c r r. - U n g a r. Monarchie. Wien, 12. März. Als vor sechs Jahren die Stadt Baden den Herrn Fiegl zu ihrem Vertreter im Reichsrathe erwählt hatte, da fühlte sich die damals in ihrer Mehrheit antisemitische Bürgerschaft der ehrsamen Schwefelstadt von einem förmlichen Freudentaumel erfaßt, der nur von dem Jubel übertroffen wird, welchen die nach einem sechsjährigen Katzenjammer weidlich ernüchterten Wähler jetzt darüber anftimmen, daß eben derselbe Fiegl bei der jüngsten Reichsrathswahl durchgefallen ist. Hatte Herr Fiegl, gemäß dem antisemitischen Volks» *) Anm. der Red. Die Protestanten werden, wie wir an anderer Stelle melden, in Rußland jetzt ebenso grausam wie die Juden behandelt. Glaubt nun Herr Stöcker, daß auch die Protestantenfrage in Rußland „politisch und ftaatsmännisch mir Erfolg" behandelt werde?

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