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Der Israelit · 1891-04-01 · Heft 26-27 (1.4.1891) · page 18

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Journal
Der Israelit
Volume
32 (1891)
Issue
Heft 26-27 (1.4.1891)
Date
1891-04-01
Page
– (sequence 18)
Language
German
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L16 b erg er Vl: stand ihm zur Seite, verschaffte ihm bei wohlthätigen Glaubensgenossen Kost und es ist erfreulich zu sehen, wie sich der junge Mann jetzt iirr» 1113 führt. Möge dieses gute Beispiel viele Nachahmung finden. F. > Vermischtes. -4- Berlin. Eine beachtenswerthe Kundgebung gegen den Antisemitismus hat dieser Tage im Hildesheimer liberalen Verein stattgefunden. Das Herrenhausmitglied Oberbürgermeister Struckmann und der frühere Abgeordnete Justizrath Vötting geißelten die „Schmach unseres Jahrhunderts" mit scharfen Worten, und voraussichtlich wird dieser Lage in den dortigen Blättern ein Aufruf mit den Namen der Genannten an der Spitze erscheinen, in welchem zum Beitritt in den Berliner Verein zur Bekämpfung des Antisemitismus und event. zur Gründung eines Zweigvereins aufgefordert werden wird. Dem Vernehmen nach will nun der famose Herr Liebermann v. Sonnenberg, dem es trotz zweier Besuche bis jetzt glücklicher Weise noch nicht gelungen ist, Haß und Mißtrauen in Hildesheim zu säen, noch einmal dorthin kommen. Er mag darum die Antwort, welche ihm die Hildesheimer liberale Bürgerschaft gibt, schon jetzt lesen. Hamburg. Sämmtliche 10 zum mündlichen Examen zugelassenen Prüflinge der hiesigen Talmud-Tora haben das Einjährigen-Examen bestanden. Mit einem englischen Dampfer trafen hier 23 mittellose Rückwanderer von London ein. Das hiesige israelitische HilfScomite befördert diese BedauernSwerthesten unter den Bedauernswerthen wieder in das Land zurück, das sie in blinder Verfolgungssucht von sich stieß. Wie«, 12. März. Nach der gestrigen Wahl in Graz wurden einigen Juden die Fenster eingeschlagen. Pretzburg, 16. März. Wie aus Legrad an der Drau geschrieben wird, wurde daselbst am 10. d. unter außerordentlicher Theilnahme der gesammten Bevölkerung einer der ältesten und geachtesten dortigen Bürger, Salomon Goldschmidt, zu Grabe getragen. Am Sarge des Verblichenen sprach der lutherische Seelsorger Julius Szilvckgy einen warmen Nachruf, in welchem er besonders den WohlthätigkeitSsinn und die Menschenliebe des Verstorbenen in schwungvollen Worten pries. Sodann sprach der katholische Pfarrer Mathias P a do ein Gebet, worauf sich unter Vorantritt der in corpore ausgerückten Feuerwehr der riesige Leichenkondukt zum israelitischen Friedhose in Bewegung setzte. Berbü, 9. März. Bei der hier jüngst stattgehabten Plenarversammlung der israelitischen Cultusgemeinde in Angelegenheit der Besetzung des durch die Berufung des Herrn Oberrabbiner Reich nach Budapest vacanten Rabbinerpostens, wurde mit großer Majorität dessen Schwager, Herr B. Duschinsky, Bezirksrabbiner in Nameszto candidirt. Derselbe, durch Frömmigkeit, edlen Character und Gelehrsamkeit ausgezeichnet, zählt zu den hervorragendsten prinzipientreuen Rabbinern und ist die Gemeinde ob dieser paffenden Acquisition nur zu beglückwünschen. New-Hork, 19. März. In einem großen fünfstöckigen Hause, an der Ecke der Allan- und Heffer Street, welches meistentheilS von jüdischen Schneiderfamilien bewohnt war, brach des Morgen» Feuer aus, wobei ein polnischer Jude u»d seine zwei Töchter verbrannten. Der Schneider Goldstetn Warf zurrst feine drei Kinder auf die Straße und sprang dann selbst herab; alle blieben unversehrt. Bonden Anderen, welche aus dem Fenster sprangen, sind viele schwer verletzt worden. Feuilleton. Ä® Eine Erzählung aus dem jüdischen Leben in Galizien vor fünfzig Jahren von Nathan Samuely. (Fortsetzung.) „Unser Goldele ist Dir ja wie aus dem Gesicht geschnitten," jauchzte Jankele. „Was Dir nicht einfällt!" widersprach Rachele. „Sie hat ja ganz Dein Gesicht, ganz Deine gutmüthigen, blauen Augen, sie ist ein weiblicher Jankele!" So wollte Jeder von ihnen, daß das Kind dem anderen ähnlich sehe, weil sie ja ineinander das Ideal alles Guten und Schönen erblickten. Mehr wie einmal sah ich Jankele vor der Wiege stehen, die Augen voll überquellender Vaterliebe auf das Kind gerichtet, während er mit tiefer Innigkeit leise sprach: „O, daß Dich Gott wie Deine Mutter werden lasse, daß Er Dir so viel Güte ins Herz schütte und so viel Anmuth und Lieblichkeit auf's Gesicht. Ja, ja, schön Goldele, gerathe nur ihr nach!" Jede Bewegung, jeder lallende Laut des Kindes erregte in dem Herzen der Eltern neue Freuden. „Jetzt bist Du mir noch ein kleines Engelchen," sagte Rachele oft, während sie das Kind in ihren Armen wiegte, „aber Du wirst wachsen, gedeihen, wirst immer größer, immer schöner, immer blühender werden, und dann geben wir Dir einen Bräutigam, nähen Dir schöne, seidene Kleidchen und führen Dich unter die Chuppe (Trauhimmel). Ha, wie wird es da lustig zugehen, getanzt und gehopst werden", und da faßte sie in ihrer überströmenden Freude das kleine Geschöpf, schwenkte es wie ein Fähnlein hoch über ihr Haupt und hüpfte damit im Zimmer herum. Und wenn Jankele eine Weile das entzückende Schauspiel mit angesehen, hob es ihn wie mit Flügeln vom Tische hinweg und mit seinen starken Armen umfing er Mutter und Kind und tanzte mit ihnen rund herum. Nicht selten fühlte Rachele ihr Herz beklommen und dann saß sie stille und mit gesenktem Haupte bei der Wiege. Diese Beklommenheit jedoch entfloß durchaus nicht dem Gefühle des Schmerzes, sondern glich vielmehr jenem Duftwölkchen, das aus den Blumen bisweilen emporsteigt, wenn sie in allzuüppiger Fülle nebeneinander stehen. In solchen Augenblicken klangen alle die seligen Gefühle, die

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