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Der Israelit · 1891-04-01 · Heft 26-27 (1.4.1891) · page 17

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Journal
Der Israelit
Volume
32 (1891)
Issue
Heft 26-27 (1.4.1891)
Date
1891-04-01
Page
– (sequence 17)
Language
German
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XXJUI. Jahrgang. Zweite jßrilnjefuJK26*27öts.Jsrneüt&lefdiitfun“ Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. (2.) Rybnik, O. S., 17. März. Wenn ich den geschätzten Lesern dieser Blätter von einem Gemeindefeste berichte, so geschieht dies, weil ich denke: Schmückt sich die Rose, schmückt sie auch den Garten, — ehrt sich eine Gemeinde Israels, ehrt fie ganz Israel. Die heute vor 26 Jahren begründete C h e b r a K a d i s ch a der hiesigen Gemeinde beging am 7. Adar, dem Todestage unseres großen Lehrers Moses, wieder in erhebender Weise ihr S t i f t u n g s f e st. Im vorigen Jahre weilte noch unser früherer, allverehrter Rabbiner, Herr Dr. Daniel Frankel in unserer Mitte, heute weilt derselbe im Reiche der Wahrheit, im Reiche der Glücklichen. Der Vorstand beschloß, Herrn Rabbiner Dr. Biumenthal aus Ratibor als Redner zum Festgottesdienste einzuladen. Derselbe fand Nachmittags 4 Uhr in der festlich erleuchteten Synagoge statt, wo sich die ganze jüdische Gemeinde und auch christliche Persönlichkeiten der Stadt einfanden. Nach dem Gesänge des Na tauvu vom Cantor und Chor, der Recitirung einiger Psal- > men, wurde das Minchagebet und in einem Gebete der im letzten Jahre Verstorbenen gedacht. Hierauf bestieg Herr Rabbiner Dr. Blumenthal die Kanzel, um in hochbegeisterter, eindrucksvoller Rede die menschenfreundlichen Tendenzen der Chewra zu beleuchten. Anknüpfend an die letzten Worte des 2. Buches der heiligen Schrift: „Und es lagerte über der Hütte bet Tage die Wolke des Ewigen, bei Nacht aber leuchtete ihnen die Feuersäule vor den Augen des ganzen Volkes Israels auf allen ihren Zügen" zeichnete der Redner die drei großen humanitären Aufgaben des Jndenthums, welche zugleich die Aufgabe des Vereins seien: das Gastrecht zu üben, die Kranken zu pflegen und die Todten zu bestatten. Die erste Pflicht gleiche dem ersten Theile, dem Vorhofe des Heiligthums, wo der Opferaltar stand, wo es nur gälte äußere Gaben zu spenden. Mit der Krankenpflege treten wir bereits in das Innere des Tempels, wo nicht das äußere Opfer allein genüge, sondern wo es leuchten, flammen müsse im Herzen, wo das gewöhnliche Opfer gefordert werde. In das Allerheiligste aber tritt der Mensch mit dem letzten Liebesdienste gegen den Todten, der keine Vergeltung finden könne oder dürfe. Mit der Lade Mose's gerüstet, zogen die Väter in den Krieg und siegten, und auch wir werden »siegreich bestehen, in den Kämpfen des Lebens, wenn uns die Bretterwand der Todten, wenn uns die Lade, in der die frommen Ahnen ruhen, durch das Leben begleitet. Tiefe Rührung ergriff die Gemeinde, als der Redner des verewigten Daniel Fränkel gedachte, der noch vor einem Jahre von der Kanzel herab zu seiner Gemeinde gesprochen. Mit einem heiß-innigen Gebete, daß Gott, der Herr, nur Frohsinn schicken möge in alle Häuser, schloß der Redner. Dem Gottesdienst reihte sich ein größeres Fest an, bei welchem Herr Dr. Blumenthal d en Kais ert 0 ast ausbrachte und in einer zweiten Ansprache die Gemeinde zum freudigen Ausharren im Glauben mit begeisterten Worten, mahnte. Der Vorsteher der Chebra, Herr Mannaberg toastete auch den Festredner, der Vorsteher der Gemeinde, Herr Fabrikbesitzer Prager auf die Chewra. Es war ein echt j üd i sches, schönes Fe st, und sein Verlauf bewies, daß unsere Religion in Oberschlesien neue Wurzeln zu schlagen beginnt. Afchasfenburg, 19. März. Folgender Fall, welcher in jüngster Zeit hier vorgekommen ist, verdient in weiten Kreisen bekannt zu werden. Vor mehreren Monaten suchte ein junger Mann als Spengler Arbeit. Da er nun schon allerwärts trotz vieler Mühe keinen jüdischen Meister finden konnte, entschloß er sich zwar ungern bei einem christlichen Meister (Eisschrankfabrikanten) Stellung zu nehmen und verleugnete seine Religion, um sein Dasein zu fristen. Eines Tages bekam der junge Mann eine Karte von seinen Geschwistern, er solle ja nicht vergessen am Montag Abend zu sagen, indem für den Vater ri"p Jahrzeit ist. Zufällig erhielt der junge Mann diese Karte erst am Dienstag Abend, er war nun sehr ergriffen,' die Jahrzeit seines Vater n"j/ versäumt zu haben und entschloß sich, bei Sr. Ehrw. Herrn Distriktsrabbiner »wj, eine mW zu machen, ob er die Jahrzeit einen Tag später halten darf. Als nun der junge Mann Herrn Distriktsrabbiner n seine Leidens- und Lebens- Geschichte erzählte, sagte ihm dieser, welchen großen Fehler er begangen habe, er ermahnte ihn, von jetzt an als nn* zu leben, seinem Meister zu zu sagen, daß er Israelit sei und ihm gestatten möge, am naty nicht zu arbeiten. Hierauf erklärte ihm der Meister, daß er in 8 Tagen gehen könne. Als Betreffender aber sein Arbeitsbuch abholen wollte, sagte ihm der Meister, daß er bereit sei, ihn weiter zu behalten und er am raer vom Arbeiten dispensirt sei. Herr Diftriktsrabbiner B a m-

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