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Der Israelit · 1891-04-01 · Heft 26-27 (1.4.1891) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
32 (1891)
Issue
Heft 26-27 (1.4.1891)
Date
1891-04-01
Page
– (sequence 10)
Language
German
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in nutzloser Unterhaltung verbringen, sondern die trockenen Berichte der Chronik läßt er sich vorlesen, die nur Dinge enthalten, die er selbst miterlebt, die Zeitgeschichte, die er sicherlich schon viele Mal gehört hatte. Aber er fand Wohl nichts Verwendbares, was den Haman compromittirte; wir haben früher schon auf die große Vorsicht des Haman hingewiesen. Doch etwas anderes findet sich; die Megillah sagt , es fand sich; was darauf schließen läßt, daß Etwas gesucht wurde. 6, 2. ’dtiö -pm -itvn mnu f*yzm „Da fand sich eingeschrieben, daß Mordechai u. s. w." Und der König fragt, welche Belohnung hat er erhalten und es wird ihm geantwortet: Keine. Es wäre hier sehr verfehlt, den König für dankbar zu halten; ein dankbarer Fürst hätte sofort seinen Retter belohnt, Achaschwerosch thut dies erst, als ihm diese Belohnung zufällig ein politisch brauchbares Mittel an die Hand gibt. Man könnte als Anerkennung für Mordechai das gefährliche Sviel des Haman negiren. Aber vielleicht ist das Spiel gar nicht gefährlich, vielleicht handelt Haman nur im Interesse des Königs, ist nach wie vor ein treuer, brauchbarer Diener, dessen Vorhandensein dem König nur zum Vortheil gereichen kann. Daß es ihn so sehr erfreute, daß sich Alles vor ihm niederwarf, war vielleicht eine kleinliche Eitelkeit, nicht ein verderblicher Ehrgeiz? Zwischen Vers 3 und Vers 4 ist scheinbar kein logischer Zusammenhang im Texte, cs wird in dieser lebhaften Erzählung, mitten in einer Sache, eine neue angefangen. Der Gedankcngang des Königs, der dazwischen liegt, wird von der Megillah nicht wtedergegeben, da diese nur offenbare Thatsachen berichtet. Dieser Gedanke aber war ein überaus kluger. — „Was brauche ich eine gefährliche Probe abzuwarten, da ich heute schon eine ungefährliche machen kann?" Wohlan, sofort sei eine Stichprobe auf den Charakter des Haman gemacht. Daß ich den Haman an mein Lager rufen lasse, nimmt er sicherlich als einen hohen Gunftbeweis auf. Ich will ihn dann fragen, „was ist zu thun mit einem Manne, den der König zu ehren verlangt." Sicherlich bezieht der eitle Mensch das auf sich und in der Antwort muß sich sein ganzer Charakter offenbaren. Ist Habsucht seine Leidenschaft, wird er sich Geld, Ländereien, Besitzthümer ausbitten, ist es Genußsucht, verlangt er Sklavinnen oder köstlichen Königswein — ist es aber, wie ich fürchte, Ehrgeiz, was wird er da verlangen? I Und Haman, ganz befangen von seiner Ein- | bildung, Haman, der, so klug er ist, die Größe nicht verträgt und von ihr verblendet wird, geht plump in die ihm gestellte Falle und verräth sofort seine innersteu Gedanken. In seinen ehrgeizigen Träumen mahlt er sich bereits seine eigene Krönung aus, er verlangt den Krönungsornat und das Krönungsroß. 6. 8. d*di “iSon n m mib 'X'I' •WNia “iro *tn: ikw -j^cn rty um „Das Kleid, das der König angelegt und das Roß, worauf er geritten ist, als die königliche Krone auf sein Haupt gesetzt worden." 9. „und einer der Fürsten des Königs soll ihm der Roßführer sein." So ist wiederum dem König sein Vorhaben geglückt, Haman ist durchschaut und sein Fall ist beschlossen. Man hört förmlich die hämische Freude des Königs über den gelungenen Streich aus seinen Worten: 6. 10. mm -uwo didh nxi tyn*?n n« np mo im len hx "Hv.i uw'.i um 'mirH p mffjn mm "iK/s Und der König sprach zu Haman: „Eile, nimm das Kleid und das Roß, so wie Du geredet und thue so Mordechai, dem Jeyudi, der im Thore des Königs weilt; laß Nichts ansfallen von allem, was Du geredet." Das plötzlich so sehr veränderte Benshmen des Königs gegen Haman, für das uns die Megillah einen direkten Grund nicht nennt, ist wohl nur auf die angegebene Weise erklärlich. Daß nun der Fall Hamans beschlossen ist, ist Niemanden zweifelhaft, und Seresch sagt 6. 13!nsn „fallen und fallen wirst Du." Hochinteressant ist dieser Vers, der uns von dem Scharfblick der Seresch Kunde gibt, nicht unberechtigt wird sie zusammeugenannt mit den Weisen: 6. 13. n« varvs ^>ubi tm?^;on ibd’*, □Hirrn ymo ox marx anti roan & noxi nip S'b: ’d Vt Sam Siwb n^nn p*no pi£n. „Und Haman erzählte Seresch, seinem Weibe, und all' seinen Freunden Alles, was ihm begegnet war. Da sprachen zu ihm seine Weisen und Seresch, sein Weib: Wenn aus dem Samen der Je hu d im Mordechai ist, vor dem du zu fallen angefangen, so wirst du Nichts gegen ihn vermögen, sondern fallen und fallen wirst du vor ihm." Dieser Vers wird stets als einer der dunkelsten bezeichnet, doch scheint mir seine Erklärung einfach. Seresch und die Weisen, die den Charakter des Königs kennen, haben mit Schrecken gesehen, welche Blößen sich Haman gegeben, daß er seine eigene Herrschsucht dem Könige verrathen hat. Wäre ein anderer Mann als Mordechai der Gegner, so könnte

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