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Der Israelit · 1891-04-01 · Heft 26-27 (1.4.1891) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
32 (1891)
Issue
Heft 26-27 (1.4.1891)
Date
1891-04-01
Page
– (sequence 9)
Language
German
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XXX11. Jahrgang. Erste Keil.;u M 2fi & 27 öps ..Israelit & Ieschurun" Leitender Artikel. Zur tzharakteristik des Königs Achaschwerosch. Von vr. I. Lehmann. V. Ein Mann, der 30 Tage lang nicht das Bedürfnis hat, seine Frau zu sehen, obgleich sie in seiner nächsten Nähe weilt und es ihn nur ein Wort kostet, sie zu sich zu bescheiden, besitzt keine allzugroße Liebe zu ihr. Als sie aber ungerufen erscheint, erinnert sich der König der Gründe, die ihn dazu bewogen, Esther, aus der Fülle der Mädchen heraus, sich zu erwählen. Ist es ihm nützlich, wenn er sie annimmt? Sie steht mit Mordechat in Verbindung, ist daher wohl eine Feindin des auch von dem Könige gefürchteten Haman; mit Freuden will er einem diesem nachtheiligen Einflüsse wieder sein Ohr öffnen. Da bittet die Königin Achaschwerosch und Haman sich zu Gaste. Es ist ein nicht seltenes Beispiel in der Geschichte des Despotenreiches, daß die Herrscherin sich mit den Feinden des Fürsten verbindet, diesen zu stürzen. Und im Innersten erschrickt der König. Auffallend ist die Hast, die abgebrochene Redeweise, in der er hier spricht und die auf große Erregtheit schließen läßt. 5, 5. nnox "Di ns pn ns nno „Eilet! Herbei den Haman! Daß das Wort Esther's geschehe!" Gewißheit. Klarheit will er haben, so schnell wie möglich. Und nach seiner von uns schon besprochenen Methode thut er dies, indem er den Dingen nicht allein den Lauf läßt, sondern dieselben noch möglichst beeilt. Conspirirte Haman auch mit Esther, die er für dessen Feindin gehalten, von der er verniuthet hatte, daß sie dem Mordechai nahe stand? War es doch Haman, dem Esther indirekt ihre Erhöhung zu verdanken hatte. Doch dies ist unmöglich, das kann nicht der warhafte Wunsch der Esther sein, sie muß noch etwas verborgen halten, sie soll frei sprechen, und deßhalb richtet er beim Gastmahle wiederum jene Frage an sie: „Was ist Deine Bitte, was ist Dein Gesuch?" Und Esther antwortet, der König und Haman mögen morgen wiederum zum Gastmahle kommen, „und morgen werde ich thun nach den Worten des Königs." Also morgen soll es zur Entscheidung kommen. Und der König sieht ergrimmten Herzens, daß „Haman an diesem Tage fröhlich und guten Muthes hinwegging." (Vers 9.) Der kluge Haman hätte es ja sicherlich durchschaut*), wenn Esther etwas gegen ihn Vorbringen würde, das war es also nicht, es mußte ein Einverständniß obwalten zwischen ihr und ihm. War dem Achaschwerosch in der Frau aus dem Volke eine zweite Waschti erstanden? Was wird morgen geschehen? 6, 1. *^on iw mu sinn nV’Va „Und in dieser Nacht floh der Schlaf die Augen des Königs." **) Wie oft mag er in dieser schlaflosen Nacht den Haman verwünscht haben, der alle diese Unruhe über ihn gebracht. Sicherlich hatte er seinem Günstling früher Vielerlei nachgesehen, was man vielleicht jetzt zu dessen Verderben benutzen konnte, oder ließe sich irgend eine seiner Regierungsmaßregeln verwenden, ihn zu stürzen? Dergleichen mußte in der Zeitgeschichte aufzufinden sein. Wenn er nur den Haman richtig kennen würde, wenn er ihm ln's Herz sehen könnte! Er will alle Vorgänge aus der jüngste» Zeit nocheinmal an seinem Auge vorübergehen lassen, vielleicht findet er die eine oder andere Thatsache, die ihm einen Einblick in das Innere dieses Mannes gewährt, und er bedarf dann der gefährlichen Probe nicht mehr. Ueberhaupt war es nöthig, daß er sich die Zeitverhältnisse vergegenwärtige, denn er hatte sich eben erst in der Stimmung des Volkes geirrt. 6, 1. B'D'n nm rvunsn nso ns Nrarb nvs'i ■jVon Dwpi vm. „Da gebot er, daß man bringe das Buch der Denkwürdigkeiten, der Zeitgeschichte und sie wurdrn gelesen vor dem Könige." Auch an diesem Zuge erkennen wir die Tüchtigkeit des Monarchen. Mancher andere orientalische Fürst würde sich in diesem Falle Weiber, Sänger, Tänzer, Gesellschaft zum Spielen oder Märchenerzähler bestellt haben, um sich die Zeit zu vertreiben. Bei ihm aber „ist kein Gedanke, der nicht Hoheit denkt", keine einzige Handlung, die der politischen Unterlage entbehrt. Er will nicht die Zeit *) Dies wäre auch der Fall gewesen, wenn Hamans Aufgeblasenheit, sein Größenwahn, wonach er meinte, Alles müsse ihm huldigen, ihn nicht daran verhindert hätte. **) Siehe Midrasch.

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