Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 32 (1891)
- Issue
- Heft 26-27 (1.4.1891)
- Date
- 1891-04-01
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2446951-2448122-2448149--31879-2479700- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
509 man vielleicht diesen ebenfalls als herrschsüchtig Nachweisen und ihn so zu Falle bringen. Die Juden aber pflegen nicht herrschsüchtig zu sein. In unserer Zeit haben die Antisemiten alles ausgeklügelt, was man den Juden zum Vorwurf machen kann. Ueberall ziehen sie her über die Gewinnsucht, die Genußsucht, die Eitelkeit und Vordringlichkeit der Juden; die Herrschsucht aber kann ihnen kein Feind zum Vorwurfe machen, denn niemals in der Geschichte haben Juden sich der Herrschsucht schuldig gemacht. Dies weiß Seresch sehr wohl nnd deßhalb sagt sie, zusammen mit den Weisen: Da Mordechai ein Jude ist, dir aber die Herrschsucht schon nachgewiesen, so ist bei dem Character des Königs Nichts mehr für dich zu hoffen, sondern fallen nnd fallen wirst du vor ihm. Jetzt wäre für Haman noch die Möglichkeit gewesen, sich durch die Flucht dem drohenden Verderben zu entziehen; der König sieht dies wohl ein und er läßt ihm dazu keine Zeit. 6. 14. ibrQ’i iy»an 'vnoi ivy onaiö miy inDN nn^y uw nnffon bt* pn n« vmab. „Noch redeten sie mit ihm und die Bedienten des Königs lnicht der Königin) kamen an und führten Haman s ch l e u n i g st zu dem Mahle, das Esther bereitet hatte." Man läßt ihn schon nicht mehr frei gehen, er wird von den Beamten des Königs geführt. Wohl hätte ihn der König sofort verhaften lassen können, aber er muß zuerst noch untersuchen, in welchem Verhältnisse Haman und Esther zueinander stehen; ob sie nicht verwickelt wird in seinen Fall; und wiederum befolgt er seine Methode, daß er die natürliche Entwicklung der Sache nicht hemmt, sondern beschleunigt, daher Haman „eiligst" geführt wird. (Schluß folgt.) Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Aus Oderhessen, 18. März. In der heutigen Sitzung der hessischen Ersten Kamnier legte der Prälat Habicht Verwahrung dagegen ein, daß in Hessen antisemitische Umtriebe von Geistlichen ausgingen. Die in der anderen Kammer vom Abg. Schröder erhobenen Beschuldigungen seien nicht berechtigt gewesen, seines Wissens habe sich kein evangelischer Geistlicher an der genannten Bewegung betheiligt. Staatsminister Finger konstatirte hierauf, es hätten sich allerdings einige Geistliche an der Bewegung betheiligt, dies müsse auch der Vorredner wissen. Mit Bezug auf die Behauptung des Herrn Prälaten können wir sofort mit einem Beispiele dienen. Der Pfarrer von Eckartshausen, Kreis Büdingen, hat sich sehr lebhaft an dem „judenreinen" Viehmarkt zu Lang-Göns betheiligt und zwar nicht mit dem Zwecke, Vieheinkäufe zu machen. Weiter hat er den Lehrer des Ortes veranlaßt, mit von der Paüei zu sein, was Veranlassung war, daß an zwei Tagen der Schulunterricht ausgesetzt werden mußte. Wie das der Herr Pfarrer mit seiner Eigenschaft als Lokalschulinspector vereinbaren konnte, ist nicht gut erklärlich. Die Vorgesetzte höhere Behörde ist von dem Faktum in Kenntniß gesetzt worden. (Fr. Ztg.) O e st c r r. - U n g a r. Monarchie. Triest. Vor wenigen Tagen wurde das höchst achtbare Mitglied unserer Gemeinde, Giacomo Maastro, vom Schlage gerührt und blieb er sofort todt. Zehn unmündige Kinder beweinten den plötzlichen Heimgang ihres Ernährers, der sie stets zu frommen Jehudim, wie er selbst ein solcher war, erzogen hatte. Es wurde sogleich eine Subscription für diese Unglücklichen eröffnet, an der sich unser Bischof mit 20 fl., der Bürgermeister mit 15 fl., die Chewra „Maskil El-Dal" mit 50 fl. k. betheiligten. Herr Zaccaria Cavaleri hatte auf eigene 300 fl. gesammelt. Durch freiwillige Spenden zahlreicher Mitglieder unserer Gemeinde ist es möglich geworden, den hiesigen alten Tempel, der schon sehr vernachlässigt daftand, zu restauriren und so wieder in Stand zu setzen._ Vermischtes. Budapest, 26. März. Rosa Kohlmann (nicht Kohlmeyer) wandte sich an den Miskolczer evangelischen Pfarrer um einen Geburtsschein. Ihr Vater, ein Deuffcher, war als Musiklehrer nach Miskolcz gekommen, hatte sich dort in Szensi magyarisirt und eine Ungarin Namens Solymossy geheirathet. Die Tochter, geboren 1864, nahm bei der Auswanderung den deutschen Vaternamen an. Ihre Nichtidentität mit Euer ist erwiesen. Homonnan, 22. März. In unserer Gemeinde hat sich mit gestrigem Tage ein bedeutendes und erfreuliches Ereigniß vollzogen. Unser Rabbinatsitz ist endlich nach vierjähriger Vakanz von Herrn Rabbiner Ignatz Salzer besetzt worden. Herr Rabbiner Salzer war 14 Jahre hindurch das würdige Oberhaupt der Batorkeszer Gemeinde; von dem ersprießlichen Erfolg seiner großen Thätigkeit legt der blühende Zustand der von ihm dirigirten Schule, dar gedeihliche Prosperiren der sämmtlichen Gemeindeinstitutionen, die seiner Leitung anvertraut waren, die allgemeine Hochachtung und Verehrung, die er von Seiten seiner Gemeinde im vollsten Matze genoß, vas beste Zeugniß ab. Zu seinem gestrigen Empfange war ihm eine Deputation nach S. A. Ujhely enigegengefahren, eine zweite Deputation und ein zahlreich erschienenes Publikum machte im Bahnhofe die Aufwartung. Die äußerst gediegene Antrittsrede unseres Rabbiners wurde mit großer Begeisterung ausgenommen. Nach Schluß des Gottesdienstes folgte eine Diner, bei welchem die Herren aus Batorkesz, welche ihren früheren Seelsorger begleiteten, den Gefühlen ihrer warmen Anhänglichkeit beredten Ausdruck gaben und dann thränenden Auges von ihrem geliebten Kreunde feierlichen Abschied nahmen.