Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 32 (1891)
- Issue
- Heft 26-27 (1.4.1891)
- Date
- 1891-04-01
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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»03 Firmen, die den Strafantrag unterzeichnet, seien hierzu nicht berechtigt. Der Gerichtshof ist nicht dieser Ansicht und verurtheilt die Angeklagten v. Mitzlaff und Lorenz nach dem Anträge des Staatsanwalts. In der Begründung des Urtheils wird gesagt, daß 193 nicht in Betracht komme; die Beleidigungen seien sehr schwer, denn es werde den Juden vorgeworfen, daß sie im Handel und Wandel betrügen; das sei die Quintessenz der Artikel. Das Bewußtsein, zu beleidigen, sei bei der Bildung der Angeklagten wohl vorhanden gewesen. Die Verurtheilung hat insofern eine prinzipielle Bedeutung, als cs das erstemal ist, daß Verbreiter antisemitischer Flugschriften bestraft worden sind. Leipzig. Ein harter, schmerzlicher Verlust hat den glaubenstreuen Kreis unserer Stadt betroffen. Herr Dr. A. Scheinin wurde in der Blüthe seiner Mannesjahre dahingerafft. Durch ausgiebige Talmud- und Universitätsstudien gebildet gehörte er dem Kaufmannsftande an und vertrat mit rastlosem Eifer die Interessen unserer heiligen Religion. Gastlich stand sein wie einst seines seligen Vaters Haus den gleichgesinnten Freunden von fern und nah offen, es war ein lyi rvn o’ddi-6, und es übte der Dahingegangene npny □non nach der unerschöpflichen Güte' seines Herzens. Möge Gott der tiefgebeugten Gattin und den zarten Kindern Trost spenden und möge das Vorbild des so früh Abberufenen in unserm Kreise segenstiftend fortwirken. rrasun Oester r. Ungar. Monarchie. Prag, 21. März. Dem Prager Tagblatt schreibt man: Der gegenwärtige Eultus-Minister Preußens gehört zu den Stammgästen Carlsbads. Gerade heute vor vier Jahren war der Verfasser dieser Zeilen, ein bescheidenes Glied einer Frühstückgesellschast daselbst im „Cafe Elephant", der der damalige Regierungs-Präsident von Posen als ge müthlicher Sprudelverehrer zu präsidiren pflegte. In der lebhaft angeregten und anregenden Persönlichkeit von beredter Jdeenfüüe und ausgeprägter philosophischer Neigung und Begabung sah mau einen gesinnungsfesten und würdigen Nachkommen jener Familie des preußischen Ministers von Zedlitz, dem die vom 29. März 1781 datirte Vorrede der „Kritik der reinen Vernunft" gewidmet ist, jenes Denkmals für alle Zeiten, das der neueren deutschen Philosophie deren Stammhalter Kant gestiftet hat und über dessen Tendenz sich Kant schon fünfzehn Jahre vor der Vollendung seines Werkes in seinem denkwürdigen Schreiben an seinen Freund Moses Mendelssohn geäußert hat. Und wie zu den Gaubensgenossen des letztgenannten Philosophen sich der neue Cultusminister in Preußen stellen dürfte — eine in der heutigen Zeit nicht unwichtige Frage — darauf sind wir gleichfalls in der Lage, mit einem die Sachlage illustrirenden Pröbchen Bescheid zu geben. Es war in jener Zeit in Carlsbad beschlossen worden, daß die Curgäste aus dem deutschen Reiche das Geburtsfest des deutschen Kaisers im Curhause feiern sollten. Ein Curgast aus Dresden, welcher die Sammelliste führte, hatte — wir sagen zufällig — die deutschen Reichsbürger mosaischen Glaubens übergangen und das fiel dem Regierungspräsidenten von Posen auf. Derselbe sagte: „Es verleihen viele von ihnen dem Leben einen höheren geistigen Inhalt. Ich mag auch nicht durch einen Laut das mittelalterliche Geschrei verstärken, welches die protestantisch-hierarchische Partei und die Stahl'sche Toleranz in unsren Tagen wieder modern gemacht hat". Und die Wirkung dieser am 21. März 1887 gesprochenen Worte war die, daß nachträglich die Sammelliste für das Fest des 22. März eine entsprechende Ergänzung erfuhr. Griechenland. Athen. Wir hatten vor Kurzem das gewiß seltene Vergnügen, Baron Rothschild aus Wien in unserer Mitte weilen zu sehen. Der Baron bereist nämlich jetzt Griechenland, um hier Antiquitäten und sonstige Kunstschätze zu erwerben und hat er zu diesem Behufe eigens den Lloyddampfer „Iris" gemiethet, der ihn von einer Hafenstadt zur anderen und von einer Insel zur anderen bringt. Aber nicht nur als Kunstliebhaber hat der Baron den Boden van Hellas betreten, sondern auch als Jude, denn überall, wohin er kommt, besucht er auch seine Glaubensgenossen, wenn solche sich nur vorsinden, und läßt ihnen dann auch, wenn sie eine solche benöthigen, eine entsprechende Spende zu wohlthätigen Zwecken zurück. In Korfu erschienen zu seiner Begrüßung der Oberrabbiner mit den Vorstehern der Gemeinde, die der Baron dann einzeln besuchte. Er hinterließ für die Armen 1200 Francs. Von Korfu ging er nach Zanta, wo er für die Armen wieder 500 Francs spendete. Hierauf besuchte er den Peloponnes, wo bekanntlich keine Juden wohnen und auch nie dort - solche gewohnt haben. Auch besuchte er von dort aus Korinth und besichtigte die Arbeiten an dem dortigen Schiffskanal. Von dort aus kam er hierher und fand auch bei seinen Glaubensgenossen eine freudige Aufnahme. Selbstverständlich hat der hohe Reisende auch unsere kleine Gemeinde mit einer ausgiebigen Unterstützung bedacht. Von hier aus machte der Baron dann Ausflüge in unsere Umgebung.