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Der Israelit · 1891-04-01 · Heft 26-27 (1.4.1891) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
32 (1891)
Issue
Heft 26-27 (1.4.1891)
Date
1891-04-01
Page
– (sequence 3)
Language
German
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501 7187 M., und da er die Leistungen der Waisen in der Schule stets überwacht, übt er auch einen erziehlichen Einfluß auf dieselben aus. Der Verein hat auf diese Weise schon viel Gutes gestiftet und kann mit Genugthuung auf die bisher erzielten Resultate blicken. Demselben gingen im vergangenen Jahre an außerordentlichen Gaben 2994 M. und an Mirgliederbeiträgen 3174 M. ein. Da aber gegenwärtig 46 Kinder, die höchste Zahl seit dem Bestehen des Vereins, zu versorgen sind, so werden sich im laufenden Jahre die Ausgaben steigern und daher es augezeigt ist, daß bei hiezu geeigneten Veranlassungen der Verein mit entsprechenden freiwilligen Spenden bedacht werde. Den Vorstand bilden die Herren Ge or ge Hi r sch, Carl O pp e nheim, Eduard Simon, Heinrich Ganz und Dr. B. Hesdörf fer. Berlin, 25. März. Eine Aeußerung des Herrn Stöcker über den Kaiser wird von dem Genfer Correspondenten der Münchener „Allgem. Ztg." mitgetheilt. Er schreibt: Nach Schluß der (bekanntlich sehr stürmisch verlaufenen) Versammlung hatten wir Gelegenheit, un engeren Kreise Herrn Stöcker's Meinung über manche schwebende Frage in Deutschland zu vernehmen. Unter Anderem wurde Herr Stöcker gefragt, wie der deutsche Kaiser Wilhem II. gegen die Jaden gesinnt sei? lieber diese etwas brüske Frage verdutzt, antwortete Stöcker nicht ohne Humor: „Ja, das weiß ich nicht; das müssen Sre den Kaiser selbst fragen; eines nur kann ich Ihnen mit Bestimmtheit sagen: wenn ich die Juden in Ruhe gelassen hätte, so wäre ich noch heute Hofprediger." Berlin, 10. März. Angeregt durch den Artikel „ein Uebelstand im eigenen Lager", sandle Ihnen Ihr Hamburger Correspondent eine längere Zuschrift, (Nr. 17), in der zunächst die aus der Schwierigkeit, Stellen in ll'"' ms:' geschlossenen Geschäften zu finden, sich ergebenden Consequenzen nach verschiedenen Richtungen hin beleuchtet werden, am Schlüße aber die Thätigkeit des rostf "iv^-Vereins, sowie der „Freien Vereinigung" einer zwar gutgemeinten, aber im Grunde doch ziemlich abfälligen Kritik unterworfen und'stndlich zur Gründung eines neuen, in den Tendenzen ähnlichen Vereines aufgefordert wird. Ist es an sich schon befremdend, daß eine derartige Kritik gerade von einem Herrn geübt wird, der, wie er selbst eingesteht, eben durch diesen Verein erst Stellung erhalten, und somit alle Veranlassung hatte, eher zu Gunsten des Vereins, als im entgegengesetzten Sinne zu wirken: so ist auch leicht einzusehen, daß die Gründe, die der Verfasser für die Gründung eines neuen Vereins geltend macht, hinfällig und durchaus nicht stichhaltig sind. Zunächst wird beispielsweise auf den „Verein für Handlungscommis vom Jahre 1858 in Hamburg als ein Muster hingewiesen, wie auch der ^"^-Verein die Stellenvermittelung handhaben sollte. Allein, es ist wohl selbstverständlich, daß der ^"^-Verein, der erst seit etwa 6 Jahren besteht, nicht den Vergleich aushalten kann mit einem Institut, welches bereits seit 33 Jahren existirt und sich überdies noch der Gunst und materiellen Mithilfe von kaufmännischen Corvorationea erfreut, von der bei unserem Verein gar nicht die Rede sein kann. Es wäre gewiß sehr dankenswerth, wenn sich die kaufmännischen Kreise auch für den L'"L?-Verein thatkräftiger interessiren würden, da dies nur zu ihrem Vortheile wäre; indetz solange dies noch nicht geschieht, ist es durchaus unbillig, der Leitung des Vereins irgend welchen Vorwurf zu machen. In zweiter Linie wird bemängelt, daß jedem Bewerber mitunter die sämmtlichen vorliegenden Vacanzen mitgetheilt werden, während dann das weitere der eigenen Initiative der Stellungsuchenden anheimgegeben wird, anstatt daß der Verein die vermittelnde Rolle zwischen diesen und den Inhabern der Geschäfte übernehmen sollte. Aber auch dieser Vorwurf hätte nur dann eine Berechtignng, wenn wirklich stets Hunderte von Vacanzen zur Besetzung vorlägen, so daß den Stellungsuchenden die Wahl unnöthig erschwert würde. In der That ist es aber auch dem Verfasser selbst bekannt, daß es in der Regel nur eine ganz .geringe Anzahl von Vacanzen gibt, über die der Verein verfügen kann; es wäre mithin völlig überflüssig, die Vacanzen — sobald dies nicht ausdrücklich vom Bewerber gewünscht wird — nach den einzelnen Branchen zu trennen. Ja, wir wissen genau, daß gerade in den meisten Fällen die Bewerber die Aufgabe von Vacanzen der verschiedensten Branchen verlangen. Denn zum Theil ist es ihnen, wie wir bereits in unserem Aussatz „ein Uebelstand im eigenen Lager" näher ausgeführt, durch die bewußten Contracte verboten, in einem Hause der gleichen Branche Stellung anzunehmen, andrerseits ist es den Stellungsuchenden jungen Leuten fast immer nur vor allen Dingen um die Erlangung einer Existenz zu thun, — so daß sie zumeist froh sind, Engagement in einem Hause zu finden, gleichviel welcher Branche dieses angehört. — Wir sind vielmehr der Ansicht, daß es weit gerechter und auch der Wirklichkeit mehr entsprechend gewesen wäre, die Schuld an den gerügten Mißständen den Inhabern der Geschäfte als der Verwaltung des L7"L'-Vereins beizumefien. Denn man muß anerkennen, daß dieser Verein eine großartige und — so weit es in seinen Kräften steht — segensreiche Thätigkeit entfaltet. Bedenken wir doch, daß die Leitung des Vereines in Händen solcher Herren liegt, die selbst tags über in ihrem Kreise angestrengt thätig waren, und nun ihre freie Zeit um im Dienste unserer Glaubensbrüder selbstlos und uneigennützig verwenden und kein Opfer an Zeit und auch an — Geld scheuen, ihren Berufsgenossen und somit unserm ganzen Volke zu nützen. Hat man da das Recht, die Thätigkeit des Vereines irgendwie herabzusetzen und muß man nicht zugeben, daß nur durch Befolgung der Rathschläge, die in unsrem ersten und zweiten Aufsätze angegeben waren, eine Aenderung und Besserung der Mißstände erwartet werden darf? Vor allem müffen wir nochmals betonen, daß es eben zur Förderung des Vereins unbedingt erforderlich ist, daß die Geschäftsinhaber jede eintretende Vacanz sofort dem Vereine anzeigen, so daß es diesen ermöglicht wird, über eine große Anzahl von Vacanzen unterrichtet zu sein. — Nun ist zwar nicht zu bestreiten, daß einen wesentlichen Theil der Schuld auch die Rabbiner und Gemeindevorstände zu tragen haben, die es sich doch auch recht angelegen sein lassen müßten, dieser für jede Gemeinde so wichtigen Frage näher zu treten und nach Kräften zu ihrer Lösung beizutragen. Allein, es ist leider ein wiederholter Apell, der seitens des Vereins an die Rabbiner nnd Gemeindevorstände ergangen ist, erfolglos geblieben, sei es, weil die Rabbiner mit anderen Angelegenheiten, die sie für dringlicher hielten, beschäftigt waren, sei es, daß ihnen vielleicht das richtige Verständniß für derartige kaufmännische Fragen mangelt. Genug, wenn erst den bestehenden Vereinen das genü-

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