Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 32 (1891)
- Issue
- Heft 26-27 (1.4.1891)
- Date
- 1891-04-01
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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500 Der Erfolg der neuen Bewegung sprach für dieselbe. Statt einer einzigen Provinz stand nun das ganze Land der Intelligenz und Thätigkeit der neuen Generation offen. Der auf das freiwillige Ghetto bisher beschränkten Regsamkeit bot sich nun das langgestreckte Nilland als reiches, lohnendes Versuchsfeld. Die freie Entfaltung der bisher eingezwängten Kräfte erfüllte reichlich alle an sie geknüpften Erwartungen, die erhöhte Thätigkeit machte ihre Unternehmer reich und groß, auf nrwsn folgte mi. Der Reichthum weckte das Selbstbewußtsein — idsp — in der eigenen und den Neid in der Brust der Egypler. Sie waren reich und mächtig und machten aus diesem ihrem Reichthum ebensowenig ein Geheimnis;, wie aus ihrer Thätigkeit, mit der sie ihn erwarben. Sie hatten sich ihres Reichthums nicht zu schämen, er war redlich verdient, es haftete ihm keinerlei Makel an. Ihr Reichthum vermehrte sich durch die Anlage ihres Capitals, ins nxoa nssjn, sie gewannen mit ihrem Vermögen anderes Vermögen. Wäre die Art und Weise ihres Erwerbs unlauter gewesen, so hätte man sich wahrlich nicht gescheut, es ihnen vorznhalten. So aber erhob man, als cs sich später um Motive für Ausnahmegesetze gegen die Inden handelte, nicht etwa einen Vorwurf gegen den Erwerb, sondern gegen den Besitz ihres Reichthums. Der damals schon alte, verleumderische Vorwurf, den der König der Philister bereits Jizchak entgegengcschleudert hatte, „die Juden saugen das Land aus", „geh' von uns fort, du bist v o n u n s reich geworden" (1. B. M., 26, 16), wurde von den Egyptern adoptirt. Das Losungswort lautete: hoti” ^a oy nar, uöd oisyi r-i „Seht das Judenvolk ist von uns, so groß und reich geworden!" Nicht weil sie es verdienten, sondern weil sie verdienten, haßte man damals schon die Juden. Selten vielleicht hat sich das Verlassen der von den Vätern eingchaltenen Weise schwerer gerächt als an der ersten, in Egypten geborenen, jüdischen Generation. Hätte der Tod der aus Kanaan eingewandertcn Väter nicht auch das Gedächtniß ihrer von Gottes sichtbarer Waltung getragenen Lebenserfahrungen abgeblaßt, diese verhängnißvolle Verirrung wäre unmöglich gewesen. Wohl mag es schwer sein, unverhohlener, niedriger Habsucht gegenüber, ans sein unbestrittenes Recht der redlichen Entfaltung aller von Gott verliehenen Kräfte verzichten zu müssen. Aber es wäre vielleicht weniger schwer gewesen, wenn das leuchtende Ahnenbeispiel in seiner vollen Frische ihnen gegenwärtig gewesen wäre. Wenn der philistäische Fürst das unbestreitbare Recht Jizchaks als Aussaugung verdächtigt, so verzichtet Jizchak, und überläßt es Gott diese Verleumdung zu entkräften. Wenn dann der Fürst erfährt, daß mitten in allgemeiner Hungersnot!) auf unfruchtbarem Boden Jizchak säet und hundertfach erntet, so sucht er den Beleidigten von selbst auf, erkennt im Anblick des von unfruchtbaren Feldern umgebenen Gottessegens sein Unrecht und bittet es ihm ab. „Wir haben nun wobl gesehen, daß Gott mit dir ist", und daß nicht Aussaugung deiner Umgebung die Quelle deines Wohlstandes bildet. Diese „Scheu vor dem Gotte Jizchaks" hatte seitdem auch nichtjüdische Kreise so tief ergriffen, daß als Laban und seine Söhne gegen Jakob denselben Vorwurf der Ausbeutung erhoben, diese Scheu es war, die Laban zurückhiclt aus dieser Verleumdung praktische Conscquenzen zu ziehen. (1. B. M., 31. V. 1. aind 42.) Diesen Gott seines Varers Jizchak prägte Jakob auf seiner Reise nach Egypten durch fehl letztes Opfer in der letzten Grenzstadt des heiligen Landes, seiner ganzen Umgebung noch einmal ein, und die Zukunft hat die Nothwendigkeit dieser eindringlichen Mahnung nur zu sehr bestätigt. (1. B. M., C. 46, V. 1.) Schon der dritten, auf Jakob folgenden Generation war nicht mehr der Gott Jizchaks, sondern das Streben nach Ausbreitung, Reichthum und Selbstständigkeit die Norm ihres Strebens, da wurde das Land voll bon ihnen! Nicht pNn dn iN/D’i, daß sie durch ihre numerische Srärke das Land gefüllt hatten, sondern □ms psn: Juden und ' jüdische Angelegenheiten, ihr Vermögen, ihre Fähigkeiten , ihr Einfluß, kurz die Stellung der Inden, bildete so lange Gegenstand allgemeiner Discussion, waren überall, „im Theater und im Circus", wie die Weisen anmerken, so lange Gegenstand der Beachtung und Unterhaltung, bis man glücklich eine „Judenfrage" zu Wege gebracht hatte. — Von da bis zur Ausnahmstellung war aber nur ein Schritt. (Fortsetzung folgt.) Zeitungsnachrichten und (Korrespondenzen. Deutschland. Mainz. Zu den vielen hiesigen Unterstützungs- Vereinen, welche eine besonders wohlthätige Wirksamkeit entfalten, zählt unstreitig auch der „Verein zur Unterstützung und Erziehung mittelloser Waisen der Israel. Religionsgemeinde." Wenn in armen Familien der Ernährer oder die Erzieherin oder beide Eltern mit Hinterlassung unerzogener Waisen sterben, da tritt dieser Verein helfend ein und sucht durch Unterstützung an Geld die Noth zu mildern. Im Jahre 1890 verwendete er zu diesem Zwecke