Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 32 (1891)
- Issue
- Heft 26-27 (1.4.1891)
- Date
- 1891-04-01
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Jahrgang m m & «7. Israelit««»Ieschurun. Zkttslhrifl Ml FörllrrillS jSd. Geiltes Md Ad. Kkdesr iü Aars. GkNkiMt Md Kchslk. Gentrak-Hrgan für das orthodoxe Iudenthum. Begründet von Dr. Lehmann in Mainz. Mittwoch, den 1. April 5651 (1^91) Leitender Artikel. Kagaday schel ^eßach. Fünfte Serie. Mainz, 30. März. II. Die Worte onson unw iyri, die Egypter machten uns schlecht, werden von anderen Erklären: auch in dem Sinne gefaßt, daß es sich hier nicht um eine bloße Verdächtigung des socialen und politischen Lebens, sondern thatsächlich darum handele, die Unglücklichen sittlich und moralisch zu verderben und zu schlechten Menschen zu machen. Wie man in späteren Zeiten „Judengesetze" ausklügelte, die geradezu darauf berechnet waren, uns der Entartung und dem Verbrechen in die Arme zu treiben, so ersannen auch die alten Egypter Veranstaltungen, die den Zweck hatten, unsere Väter moralisch schlecht zu machen. Es war dies die List, welche die Egypter ersonnen hatten und deren Ausführung in den Worten enthalten ist, an die wir nunmehr in der Hagada gelangen: muy D’DD np l’ty lö'tsn hod üujw DDDjn DN1 DtfVS DN HJDDtJ DUDDD ’">y p’l omtDDD ua nx onso mm "ionjw neu rwp moy u’5yt um •T)BD „Sie machten uns arm", denn so ist es gesagt: Sie setzten Steuerbeamte über es, um es durch ihre Lasten arm zu machen und es mußte Vorrathsstädte bauen, Pisom und Ramses. „S i e legten uns harte Arbeit auf", denn so ist es gesagt: Die Egypter knechteten die Kinder Israel mit Härte." Um diese Sätze richtig zu verstehen, muß man sie in Zusammenhang mit den ihnen am Anfang des Buches Schemoß vorangehenden Worten betrachten. Dort heißt es: mn itin bvi no’i M\-in, „als aber Joseph und seine Brüder und das ganze damalige Geschlecht gestorben war und die Kinder Israel fruchtbar geworden waren, da regten sie sich, wurden groß, gewannen Selbstbewußtsein und mit ihrem Vermögen anderes Vermögen, bis das Land ihrer voll wurde." Wir haben diese, die Geschichte des jüdischen Volkes einleitenden Worte schon in einem früheren Jahrgang eingehend besprochen, und geben hier das Resultat dieser Darstellung in Kürze wieder. Diese Worte zeichnen in wenigen, aber markanten Zügen die Entstehungsgeschichte des allerältesten Rischus und — des allerneuesten. So lange Jacob, Joseph nnd die nach Mizrajim Eingewanderten lebten, gab es vielleicht n’ytsn, aber kein myan in Mizrajim. Sie wußten, daß sie und wie sie als Fremde eingezogen waren. Dieses Bewußtsein ließ sie sich auf ihren Kreis beschränken und diese selbst auferlegte Einschränkung ließ keinen Neid bei ihrer egyptischen Umgebung aufkommen, sondern schuf und und erhielt das beste Einvernehmen zwischen dem eingesessenen egyptischen Volke und dem neu eingewanderten Stamm der Hebräer. Als aber die ursprünglich Eingewanderten gestorben und ihre bereits in Egypten geborene zahlreiche Nachkommenschaft an ihre Stelle getreten war, da trat das Bewußtsein, in einem fremden Lande zu leben, ganz in den Hintergrund. Im Vollgenuß aller bürgerlichen Rechte, befreundet und verbrüdert mit den Herren des Landes, begriffen sie die Mahnung der Heimgegangenen Alten nicht mehr, Egypten nicht als ihre eigentliche Heimath zu betrachten. Sie belächelten wohl die Eingezogenheit ihrer altmodischen Väter, die noch nicht wie sie, die fortgeschrittenen Jüngeren, auf der Höhe der Zeit gestanden, und sich daher auf die ihnen * in grauer, längst überwundener Vergangenheit einmal angewiesene Provinz Gosen beschränkten. Die Schranke, welche die Weisheit der Väter gezogen, dünkte ihnen eine drückende, unnütze Fessel, sie wollten die ihnen angebotene Freiheit voll und ganz genießen, es duldete sie nicht länger in ihrem Judenviertel, in dem exclusiven Gosen; sie regten sich; \nnm. *) *) lieber als Ausdruck selbstständiger Bewegung vergl. Hirsch's Pentateuch-Commentar I, Seite 25.