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Der Israelit · 1891-03-26 · Heft 25 (26.3.1891) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
32 (1891)
Issue
Heft 25 (26.3.1891)
Date
1891-03-26
Page
– (sequence 10)
Language
German
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sächsischen Wälder und Berge bereisen, um dort den Gesteinen, Gewürmev, Bäumen und Pflanzen das antisemitische Programm zu offeriren. — In Hainichen lebt nicht ein Jude — und Fritsch spricht dort über die Noth der Zeit! Antisemitenführer zu sein, ist doch eine mechanische Arbeit, ein ewiges Declamiren eines alten Liedes. Jnowrazlaw, im März. Jede neubegründete Fabrik von Seiten eines Israeliten ist eine thatkräftige Widerlegung der antisemitischen Anklagen, daß die Juden die Arbeit scheuen und sich ausschließlich dem „Geschäfte" widmen. Wir freuen uns daher Ihnen mittheilen zu können, daß unsere Glaubensgenossen K u rtz i g und S e g al l in Jnowrazlaw eine Dampf-Cichorien-Fabrik begründet haben, die weit und breit ein Unicum ist. In der Provinz Posen, Schleswig u. s. w. ist es die einzige Fabrik dieser Art. Für uns Israeliten hat diese Fabrik noch das besondere Interesse, daß für i-ivv bie Cichorie unter Aufsicht des hiesigen Rabbiners bereitet wird, und sie daher alle religiösen Jehudim tpm dw ’ba genießen können. Pflarrmbach (bei Nördlingen). Die hiesige Gemeinde, einst so blühend und bedeutend, — hierexistirten noch vor 40 Jahren viele n"n bei denen rfcvui min vereint waren, — ist leider nun so reduzirt, daß die Zahl der Mitglieder kaum das svwy pzv erreicht und die Beitragenden an den Fingern einer Hand gezählt werden können. *) — Wie schade ist es um die prachtvolle und geräumige, doch leer stehende Synagoge ma mvr j-d’n! Wer hätte bet ihrer Erbauung vor 40 Jahren gedacht, daß eine Zeit kommen könnte, wo man die religiösen Institutionen nicht mehr benützen wird? Und doch ist dieser traurige Moment sehr nahe gerückt und bald kann man kaum mehr von unserer Filialgemeinde sagen: nn*»y .12 mp, zumal vorige Woche nach langem, schweren Leiden der Vorstand unserer Gemeinde Herr Alexander Stern im 67. Lebensjahr verschied. Nicht blos die trauernde Familie empfindet diesen Schicksalsschlag, sondern ebenso die kleine Gemeinde. Der Verblichene war ein Biedermann in des Wortes strengster Bedeutung, und wie sehr er sich der allgemeinen Werthschätzung erfreute, zeugte die große Betheiligung beim Leichenbegängnisse von Seiten der Nachbargemeinden Oberdorf und Nördlingen. Herr Bezirksrabbiner Dr. Grün kam ncn maa^ und schilderte in kurzen, markigen Worten die Tugenden des Heimgegangenen, die er den Hinterbliebenen als leuchtendes Vorbild zur Nachahmung empfahl, ebenso richtete er an die Anwesenden die dringende Mahnung zur Versöhn¬ *) Wie Deggingen und Ederheim in Bayern, wo bis vor Kurzem Gemeinden existirten. lichkeit und Friedfertigkeit. — Vorsänger Hör Witz hielt darauf die Trauerrede, in welcher er das Lebensbild des Verstorbenen zeichnete und besonders dessen religiösen Sinn, die Opferwilligkeit gegen seine Angehörigen und seine Pflichttreue als Vorsteher hervorhob. Möge der Allmächtige die trauernden Hinterbliebenen stärken und aufrichten. n"asMn. Aus Mittelfranken. Vergangenen p"wy d'bpw wurde der 95jährige Lehrer Hirsch Wer! zu Grabe getragen. Derselbe wirkte 52 Jahre lang ununterbrochen in den Gemeinden Jochsberg- Kolmberg. * Sämmtliche Männer der Gemeinden Leutershausen, Jochsberg und Kolmberg, die siebenzigjährigen nicht ausgeschlossen, sind mit Ausnahmen von zweien dessen Schüler. An der rv^n betheiligten sich die zahlreichen Anverwandten und viele Schüler des Dahingeschiedenen. Der Verbl chene war ein p'mr p pnx, was auch Herr Lehrer Ros enstein bet der r~mp in Bechhofen unter Zugrundelegung sinnreicher D’tsmD hervorhob. rV'aiun. R u ß l a n d. Selbst den besten Freunden der Russen, den Franzosen, wird die schmähliche Verfolgung der Juden in Rußland zu arg. So sieht sich der Pariser „National" vom 9. März veranlaßt, wegen einer Verurteilung voll zehn Jüdinnen, Frauen von Arbeitern in Kiew, den Russen ins Gewissen zu reden. Diese Frauen sind nämlich, wie die „Kiewljänia" kurz meldete, jüngst aus Kiew ausgewiesen ivorden, weil sie Milch, Töpferwaaren und Brot verkauft hatten, ohne dazu berechtigt zu sein. „Da hat man", bemerkt zu der diesbezüglichen Mitteilung des KiewerBlaties der „National" entrüstet, „in wenigen Zeilen den willkürlichen und tyrannischen Charakter des russischen Antisemitismus." Das französische Blatt wundert sich darüber, daß man den Frauen ehrenhafter Arbeiter, welche selbst nicht genug zuni Unterhalt ihrer Familien verdienen können, verbiete, ihren Männern beizustehen, und dieselben ausweise, ohne ihnen vorher auch nur mitgetheilt zu haben, daß eine Bestimmung vorhanden sei, welche ihre Handlungen als strafbar erscheinen läßt. „Ein solches Verfahren", meint das französische Blatt, „seiunsinnig und unmenschlich. Und alles das", so schließt der „National" seine Ausführung, „geschieht in einem Land, welches von einem mächtigen und aufgeklärten Monarchen regiert wird. Sicher kennt der Zar solche Thatsachen, wie wir sie mitgetheilt haben, nicht und eben deshalb halten wir es für unsere Pflicht, dieselben anzuzeigen." Sehr schön vom „National", aber helfen wird es nichts, denn das sranzösiche Blatt irrt sich. Es gehen in Petersburg selbst noch ganz

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