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Der Israelit · 1891-03-26 · Heft 25 (26.3.1891) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
32 (1891)
Issue
Heft 25 (26.3.1891)
Date
1891-03-26
Page
– (sequence 11)
Language
German
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485 andere Dinge vor. So erzählt der dortige Korrespondent des „Daily Telegraph", daß jüngst ein Herr Graßmann, welcher mit glänzendem Erfolge im Justizministerium gearbeitet habe und, vom Justizminister Manassein befördert, dem Zaren vorgestellt worden sei, von diesem aber nicht nur kühl, sondern geradezu feindselig empfangen worden sei, doch habe Herr Graßmann geglaubt, daß alle Tschinovniks vom Zaren so empfangen würden. Am nächsten Tage sei Herr Manassein zum Kaiser berufen worden und dieser habe ihm gesagt: „Wie? der Mann, welchen ich gestern empfangen habe, der Graßmann, ist ja ein Jude!" — „Nein, Majestät, er ist Christ; er war ein Jude, ist aber vor einigen Jahren getauft worden." Der Zar habe den Kopf geschüttelt, die Achseln gezuckt und ansgerufen: „Nette Christen das und kein Mißverständniß!" Diese Worte hätten das Schicksal Großmanns besiegelt; derselbe könne nun ebensowenig wie andere getaufte Juden auf Beförderung im Standsdienfte rechnen. — Ein Herr Gnnsburg hat fünfzehn Jahre als Notar fungirt, die letzten neun im Bureau eines bekannten Petersburger Advokaten. Nun ist er ausgewiesen worden, obgleich der Stadthauptmann Gresser ihm günstig gesinnt zu sein schien. — Eine Ungerechtigkeit andererseits wird aus Krementschug gemeldet. Ein zehnjähriger jüdischer Knabe, Jankel Leiba war dort 1877 gestorben und auf dem jüdischen Friedhofe beerdigt. Zehn Jahre später wurde Jankel Leib zum Mililär berufen und da er natürlich nicht erscheinen konnte, sein Vater mit 300 Rubel gestraft. Letzterer appellirte gegen dieses unsinnige Urtheil, allein nach einem Jahre entschied das Gericht, daß er zahlen müsse, weil nur bewiesen sei, daß sein Sohn Jakow gestorben sei, Jankel daher erscheinen müsse. Dieses Unheil stützte sich auf die Aussage eines Zeugen, welcher in Betreff des Namens des Verstorbenen einen Jrrthnm begangen hatte! Italien. Rom, 15. März. In einer meiner letzten Correspondenzen habe ich gemeldet, daß der Papst von einem in der vaticanischen Bibliothek befindlichen lateinischen Bibel-Manuscripte, das aus dem Jahre 1209 stammt, einen photo-typischen Abdruck anfertigen läßt. Diese Meldung bedarf nun einiger Berichtigungen. Das genannte Manuscript ist nämlich kein lateinisches sondern ein griechisches (8optuaginta) und stammt nicht aus dem Jahre 1209, sondern trägt nur die Nummer 1209. Dasselbe wurde in Alexandrien angefertigt und zwar noch vor der Zerstörung des zweiten Tempels (r>'^ pnn ’jp) oder spätestens ein Jahrhundert nachher. Nach bcm päpstlichen „Osservatore Romano" sind sogar Anzeichen vorhanden, daß der große Schriftsteller Eusebius dieses Manuscript benützt hat. Dasselbe besteht gänzlich aus Antilopenfellen und ist die Schrift auf demselben klar und deutlich. Ich glaube nun, daß auch Moses und seine Nachfolger die Thora auf Antilopenfellen geschrieben haben, und meiner Ansicht nach dürfte auch das biblische ->iy mn Antilopenfelle bedeuten. Das Wort arnn ist wahrscheinlich egyptischen Ursprungs, und da sich auf der Sinaihalbinsel noch heute zahlreiche Antilopenheerden vorfinden, so war es den Israeliten ein leichtes, solche Thiere einzufangen. Auch aus Egypten dürften sie einen großen Vorrath von Antilopenfellen mitgenommen haben. > Vermischtes. < Berlin. Die von M. Halle gegründete Gesellschaft jüdischer Handwerker und Künstler hielt am Montag den 16. März unter zahlreicher Betheiligung ihrer Mitglieder ihre 47. General-Versammlung ab. Der Vorsitzende, Herr Hermann Landsberger eröffnete dieselbe mit einer das Andenken des verstorbenen langjährigen Vorstandsmitgliedes M. I. Bodenstein ehrenden Rede, welcher die Versammlung durch Erheben von den Sitzen beistimmte. Darauf wurde Bericht über die Wirksamkeit der Gesellschaft erstattet, welcher ergab, daß die Anzahl der Mitglieder ca. 750 beträgt, namhafte Geschenke derselben zu Theil geworden und verschiedene Stiftungen bedacht worden sind. Das Ergebniß der Wahl ergab die Wiederwahl des bisherigen Vorstands und wurde an Stelle des verstorbenen Cassiers dessen Sohn Herr Jul. Bodenstein einstimmig gewählt. Wien. Dar Staadtsbudget für 1891 enthält auch einer: Posten zur Subvention eines Rabbiner-Seminars. Duna-Szerdahely, im März. In der drei Stunden von hier entfernten Gemeinde Nagy-Megyer wurde Frau Wittwe Gitl Grünwald unter allgemeiner Betheiligung der isr. Gemeinde am 1. März zur ewigen Ruhe bestattet. Die Verblichene, welche von echt-religiöser Gestnnung und Frömmigkeit erfüllt war, war der Sprössling einer berühmten und gefeierten Rabbinerfamilie. Sie war die Tochter des gelehrten Rabbiners in Mattersdorf, Rabbi Bunem Eg er T'yi, der'.bekanntlich der Bruder des großen und berühmten Rabbi Akibä Eg er in Posen war. A. F-y. Wochen - Kalender. Freitag, 3. April, 24. Weadar. Sabbat-Änsang 6 Uhr — Min. (Mainzer Uhr.) Samstag, 4. April, 25. Weadar. sinnn nrrps n".“OD ,'^'vlv. Sabbat-Ausgang 7 Uhr 20 Min. (Mainzer Uhr). Briefkasten der Redaetion. Treuer Freund in W. Wir danken für Ihre freundl. Mittheilungen und werden Ihrem Wunsche zu entsprechen suchen. I. in Berlin. Ihr Vorschlag gefällt uns sehr; derselbe wird gewiß ein wirksames Mittel gegen den gegen uns geführten gehässigen Kampf bilden und wollen wir in einer der nächsten Nummern dieser Blätter unsere Leser mit Ihren Plänen bekannt machen. Abonnent aus Metz. Ja, wenn es der Rabb. in seinen: Attest ausdrücklich bemerkt und kein Mißbrauch zu befürchten ist. Für den folgenden Theil ist die Redaction nicht verantwortlich.

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