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Der Israelit · 1891-03-26 · Heft 25 (26.3.1891) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
32 (1891)
Issue
Heft 25 (26.3.1891)
Date
1891-03-26
Page
– (sequence 9)
Language
German
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XXXII. Jahrgang. Erste Beilage zu M 25 des „Israelit & Irschurun" Literarischer Bericht. B'TH YlK* Umfassendes bibliographisches und literar.-hiftorisches Wörterbuch des rabbinischen Schristthums, aus dem literar. Nachlasse Hei mann Joseph Michaels s. A., zum Druck befördert von dessen Söhnen. 8«. VIII und 617 S. Preis 6 M. Frankfurt a. M. 1891. I. Kausfmaun. 8. Mit der Herausgabe dieses Werkes haben die Söhne des Vers, nicht unreine pietätvolle That vollbracht, sie haben sich damit auch den Dank der Freunde der jüdischen Wissenschaft erworben. H. I. Michael y'm gehörte nicht zu den eifrigen Sammlern, welche all Einbänden und Rücken einer stattlichen Bibliothek Gefallen finden und mit nicht wenigem Stolze sie den Besuchern zeigen, ohne aber eine Ahnung zu haben, was denn eigentlich zwischen den Einbänden stecke und darum ohne Wahl und Einsicht Bücher auf Bücher häufen, wenn es eben nur Bücher sind; er war vielmehr, obwohl Kaufmann, ein feiner Kenner, ein Gelehrter und kritischer Kopf, und wer es aus seinen gelegentlichen Briefen und gelehrten Korrespondenzen bisher noch nicht gewußt, der erfährt es aus dem vorliegenden Werke. Was wir jetzt im Drucke vor uns haben, hat Zunz bereits im Mscr. gekannt. In seinem Werke „Zur Geschichte und Literatur" bemerkt er „Alle (Büchersammler) überragt H. I. Michael in Hamburg, dessen Bibliothek bereits mehrere hundert Manuscripte und über 5000 gedruckte Bücher reich ist und täglich vermehrt wird. Sein Katalog nebst dem von ihm angelegten alphabetischen Verzeichniß einer großen Anzahl jüdischer Autoren sind wichtige Beiträge zu der Bibliographie und Literaturgeschichte selbst." Dieses „alphabetische Verzeichniß", das der Altmeister Zunz so sehr rühmt, und das er selbst fleißig bei seinen Forschungen benutzt hat, wie in einem von Zunz hinterlasscnen Mscr. ausdrücklich gesagt wird, ist nun vorliegendes Werk. Da das Mscr. aus einzelnen Zetteln und Bogen bestand, war die Zusammenstellung sehr schwierig. Herr Oberrabb. Dr. Loeb in Altona überwand diese Schwierigkeiten glücklich und stellte das Werk, das er noch mit Anmerkungen bereicherte, zum größten Theile druckfertig her. Leider hinderte ihn seine geschwächte Gesundheit an der Vollendung, und so war es denn Herr Dr.> Berliner in Berlin, der von Seite 547 ab die Arbeit weiterführte, sie auch durch Anmerkungen, namentlich in Bezug auf Vatikanische Handschriften, bereichernd. Das Werk enthält nicht weniger als 1230 Nummern und ist mehr als ein encyklopädisches Werk. Es ist nicht eine Nomenklatur von Verfassern und deren Schriften, es ist reich an Nachweisen, wo die erwähnten Schriften anderweitig citirt werden, es gibt Nachricht über die Verfasser u. dgl. Manche Artikel sind zu tief kritischen Abhandlungen ausgewachsen, die mehrere Seiten um- *j fassen; man lese nur den über Aben Esra, der eine kritische Untersuchung über die Reihenfolge von j dessen Schriften enthält. Die Artikel über Rambam, j Raschi, Alphassi, R. Nissim, Maharam Rothenburg, Maier Abulasia, Dr. Sarua u. f. w. u. s. w. sind j umfassende Abhandlungen, in denen trotz der wei-! teren Forschungen der letzten 30 Jahre noch viel! Neues gesagt wird. Es ist eine wahre Fundgrube j für den Forscher', und es darf als für denselben unentbehrlich bezeichnet werden. Durch den billigen Preis von 6 M. bei einem so umfangreichen Werke und der trefflichen Ausstattung, wie wir sie ja an den Erzeugnissen des Kauffmannschen Verlages gewöhnt sind, hat die Buchhandlung die Anschaffung des! Werkes auch denen ermöglicht, die sich nicht zu den - Reichen zählen können. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Leipzig, 19. März. Am letzten Sonntag sprach der Techniker Fritsch in Hainichen, einer kleinen friedlichen Stadt unseres lieben Sachsens. Der dortige deutsch-sociale Reform-Verein, der aus ungefähr 20 Mitgliedern besteht und eigentlich zum! Freiberger Antiseinitcn-Vcrein gehört, hatte Herrn Fritsch, dessen großer Ruf auch endlich bis nach Hainichen gedrungen, zum Vortrage eingeladen. Es waren ungefähr 40 Personen erschienen, wovon 20 je 30 Pf. Eintrittsgeld zahlten, also rund 6 M. Einnahme — und es war doch Sonntag! Herr Fritsch sprach über das Thema: die Roth der Zeit! — und wälzte alle Schäden auf die Juden, woge-! gen sich das muntere Volk, die Jugend von Hainichen, in den Tanzsälen wälzte. Man schreibt mir, daß Herr Fritsch recht interessant gesprochen haben soll, und nur sein bester Freund aus Leipzig auch diesmal am lautesten „Bravo" rief. Die Furcht vor Herrn Fritsch in Hainichen ist übrigens originell zum Ausdruck gebracht worden. Ein Nattonalliberaler warnte in der dortigen Zeitung öffentlich, die Versammlung nicht zu besuchen, da er das Mandat des Bergraths Mehnert durch das Auftauchen des Antisemiten gefährdet glaubt. Herr Fritsch und seine Partei werden nächstens noch die

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