Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 32 (1891)
- Issue
- Heft 25 (26.3.1891)
- Date
- 1891-03-26
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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aufs Angelegentlichste empfohlen, da die Direktion und das Lehrer-Tollegium in gleicher Weise bestrebt sind, den Zöglingen alles das zu bieten, was sie zur erfolgreichen Ausübung ihres spätern Berufs befähigt. L. 8. Frankfurt a. M In Anbetracht des Umstandes, daß Gaben für Mazzos für unsere Brüder im heiligen Lande nur spärlich eingelaufen sind, erläßt das Comite zur Unterstützung unserer nothleidenden Brüder im heiligen Lande einen Aufruf, in welchem es dringend um Beiträge hierfür bittet. Ratibor, 25. Februar. Der am 20. hier zu Grabe getragene Rentier Siegmund Schlesinger hat sein am Ring gelegenes Grundstück, das einen Werth von 120,000 Mk. hat, der Stadt Ratibor testamentarisch mit der Verfügung hinterlasiru, daß die Zinsen jährlich an arme ndrr 60 Jahre alte Personen ohne Unterschied des Glaubens ganz nach dem Ermesien des Magistrats vertheilt werden. Obornik, 18. März. Von dem hier noch herrschenden religiösen Geiste zeugt das Fest, das in voriger Woche hier gefeiert wurde. Von nah und fern waren Gäste, unter ihnen auch Herr Rabbiner Dr. Rosenthal aus Rogasen herbeigeeilt, um an der Einweihungsfeier einer Thora-Rolle, welche vom hiesigen Humanitätsverein der Gemeinde geschenkt wurde, theilzunehmen. Unter den Klängen der Musik wurde die Rolle aus dem Hause des Vorstehers des Humanitäts-Vereins abgeholt und begleitet von einer nach Hunderten zählenden Menge ging es durch die mit Guirlanden bekränzten Straßen in das festlich geschmückte Gotteshaus. Den Mittelpunkt der hier stattfindenden Feierlichkeit bildete die Rede des Rabbiners Herrn Broh. Die wenigen aber mit Begeisterung gesprochenen Worte fanden begeisterten Widerhall im Herzen aller Zuhörer. Abends vereinigte ein Festessen die Gäste zum gemüthtlichen Beisammensein. Nürnberg, 6. März. Zu den vielen reichen Stiftungen, welche unsere Stadt bereits besitzt, ist neuerdings eine überaus nahmhafte hinzugekommen. Es haben nämlich die Herren Fabriksbesitzer Michael und Mar Kohn, Mittheilhaber der Firma EliaS Kohn (Leder- und Treibriemenfabrik dahier), welche sich von der technischen Leitung der Fabrik zurückziehen, mit je 100,000 Mark, also mit zusammen 200.000 Mark eine Stiftung errichtet, die zunächst den Zweck hat, den gegenwärtigen Arbeitern der Firma Elias Kohn für den Fall ihrer Erwerbungsunfähigkeit dauernd oder vorübergehend eine zur Bestreitung des nothwendigen Lebensunterhaltes für sich und ihre Familien ausreichende Unterstützung zu gewähren, die jedoch nicht den Charakter einer Armenunterstützung tragen und die politischen Rechte der Bedachten beeinträchtigen soll. Ferner ist damit eine reiche Stipentienvergebung für Studirende aller Berufsarten verbunden. DaS einzelne Stipendium soll nicht unter 600 Mark betragen. Das Stiftungsvermögen wird bei dem hiesigen Stadtmagistrat hinterlegt. Wien. Der Jahres-Bericht der Wiener öffentlichen israelitischen Vereins-Volks-Schule „Talmud-Thora" für das Schuljahr 1890 weist auch diesmal einen Ueberschuß von 841 fl. aus; die Schule hatte eine außerordentliche Einnahme von 790 fl., die isr. Cultusgemeinde hat ihren Beitrag auf 1300 fl. erhöht. Preßbnrg, (Ungarn), 11. März. Ein schönes Beispiel der Toleranz gaben gestern in Batorkeszi die Seelsorger der christlichen Confeffionen anläßlich des Abschiedes des in gleicher Eigenschaft in Homonnan erwählten Rabbiners Ignatz Salzer. Bei der Abschiedsfeier richtete zunächst der reformirte Seelsorger Göza Kovstcs eine warme Ansprache an den scheidenden Rabbi, die allgemeine Verehrung hervorhebend, welche derselbe seitens der gesammten Bevölkerung BLtorkeszi's genoß. Dann sprach in gleichem Sinne der katholische Pfarrer Ignatz Meisermann, worauf noch Joh. Kuglerim Namen des Schulstuhls, Fillig Finitzer und Moritz Tauber im Namen der israelitischen Kultusgemeinde ehrende Ansprachen an den Scheidenden richteten. Graz, 19. März. Die Wanderversammlung des Wiener deutschen Volksvereins, die hier unter dem Vorsitz Schönerer's tagen wollte, wurde behördlich geschlossen, weil unter den 500 Theilnehmern nur fünf Vereinsmitglieder waren. Schönerer kündigte schreiend an, daß er gegen das Verbot gesetzliche Mittel anwenden werde. Lille. Die hier seit dem Kriege 1670 neuentstandene jüdische Gemeinde der Sitz eines Oberrabbiners und eines Consistoriums, baut eine neue Synagoge. Die Baukosten betragen 100,000 Frcs. Die Stadt gab einen Bauplatz unentgeltlich, der Generalrath des Nordens (Nord) ein Subsid von 3000 Frcs. London. In der Garnison Aldershot hat Oberst Laye die Anordnung getroffen, daß die israelitischen Soldaten an jedem Samstag zum Gottesdienst in der Synagoge commandirt werden, geradeso wie es von jeher an Sonntagen mit den Soldaten der christlichen Confeffionen geschieht. — In neuerer Zeit ist das vor Jahren von der Gemeindeversammlung verworfene Project, die altehrwürdige portugiesische Synagoge in Bevis Marks niederzureißen, wieder aufgetaucht und hat zu heftigen Debatten innerhalb der Gemeinde Veranlassung gegeben. Jerusalem. Herr Chaim Hausdorff berichtet uns, daß unter seinem Vorsitze ein Verein zum Thorastudium für angehende Rabbiner gegründet wurde, der zu Ehren des verstorbenen Baron Salomon v. Rothschild, des Vaters von Baron Willy v. Rothschild in Frankfurt a. M., nti'D?."IN genannt wurde. Feuilleton. > K o ö e Kreise. Novelle von H. Berger. (Alle Rechte Vorbehalten.) (Fortsetzung.) Ein tiefer Seufzer entrang sich der Brust des jungen Mädchens. Sie schloß die müden Augen und legte ihren Kopf auf die Knie des alten Mannes. Nach einer Weile erhob sie sich und sprach: „Großpapa, ich bin müde, ich werde zu Bette gehen. Sprich' einmal das Nachtgebet mit mir, wie Du es betest." Der Großvater erfüllte ihren Wunsch und Wort für Wort sprach sie das Gebet nach. Und obwohl sie auch kein Wort verstand, so fand sie doch Beruhigung und Trost im Gebete. Sie küßte den Großvater und begab sich hinab in ihr Schlafzimmer und legte sich zur Ruhe. Aber sie konnte keine Ruhe finden und schlummerlos wälzte sie sich auf ihrem Lager. Inbrünstig betete sie zu Gott, Er möge ihr Hilfe spenden, sie erleuchten, das Rechte zu thun. Der Morgen graute schon; der Festeslärm war längst verstummt und noch immer lag sie flehend vor ihrem Gotte, noch immer blieb der Engel des Schlafs ihrem Lager fern. Sie hörte die Dienerschaft zu Bett gehen, vernahm, wie die Eltern sich zur Ruhe begaben, ohne erst einmal