Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 32 (1891)
- Issue
- Heft 25 (26.3.1891)
- Date
- 1891-03-26
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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479 heranbilden wollen, durch ansehnliche Unterstützung zu veranlassen, daß sie hiezu die Präparantie Burgpreppach und das Seminar Cöln oder Würzburg wählen, wo sie nebst dem profamen auch das jüdische Wissen bester als in dem württb. Seminar lernen u. als gute o'nrr herangezogen werden. Wenn man bedenkt, wie in unserm Württemberg unsere heil. Religion im Zerfall ist, dagegen erwägt, wie schon ein einziger echt religiöser Lehrer Hunderte von Kindern streng religiös erziehen kann, so dürste jeder, dem unsere Religion nicht gleichgültig ist, diesem Verein beitreten. Beitrittserklärungen/wozu wir auch Nichtwürttemberger dringend einladen, sind mit Angabe eines beliebigen jährlichen Beitrags an den Doresch Tow Verein in Baisingen in Württemburg zu richten. O e st e r r. - U n g a r. Monarchie. Lemberg, 19. März. Die von der Statthalterei einberusene Enquete zur Feststellung eines Musterstatuts für die jüdischen Cultusgeineinden hat heute ihre Verhandlung zum Abschlüsse gebracht. Die Enquete acceptirte im Großen und Ganzen den von den Repräsentanten des Lcmberger Cultusvorstandes vorgelegten Entwurf eines Musterstatutes und verwarf die Vorschläge der orthodoxen Judenschaft, deren Wortführer Herr Schreiber in Drohobycz war. Es wurde auch mittelst Resolution dem Unterrichts-Minister nahcgclegt, Schritte zur Errichtung eines jüdischen Rabbiner- Seminars in Galizien zu thun, damit die Rabbinats- Candidaten in die Lage kommen, den vom Gesetze hinsichtlich der Qualification ^bestimmten Erfordernissen gerecht zu werden. Herr I g n a z L. S ch r ei b e r in D ro h o b ycz richtete an die „N. Fr. Pr." eine Zuschrift, in der er bezüglich seiner Thätigkeit in dieser Angelegenheit schreibt: Um Mißverständnisse hintanzuhalten, erlaube ich mir den Sachverhalt dahin richtigzustellen, daß es wohl wahr ist, daß ich in meiner Eigenschaft als Präsident des jüdisch-orthodoxen Vereins Machsike Hadas, dessen Aufgabe es ist, die religiösen Interessen der orthodoxen Juden in Galizien wahrzunehmen und zu vertreten, ein Musterstatut für die jüdischen Cultusgemeinden Galiziens dem Ministerium für Cultus und Unterricht vorlegte, welches auch, wie mir mitgetheilt wurde, der Enquete zur Einsicht vorlag; es wurde mir aber leider die Möglichkeit nicht geboten, für diesen Entwurf eknzutreten, da ich zur Enquete keine Einladung erhielt, und konnte ich daher auch wicht der „Wortführer der orthodoxen Judenschaft" sein. Ob meine Theilnahme an den Berathungen der Enquete für be-! regtes Statut von Erfolg gewesen wäre, muß ich j in Berücksichtigung des Umstandes, daß die orthodoxen Mitglieder derselben eine kleine Minorität bildeten, dahingestellt sein lassen. Frankreich. Paris, 14. März. Die Antisemiten in zder Deputirtenkammer haben dieselbe Kampfesweise wie ihre Collegen in Deutschland: an allem und jedem Unglück sind die Juden schuld. In der heutigen Sitzung führte Laur zur Begründung einer Interpellation aus, die Regierung hätte der Societ® de Depots nicht helfen, sondern sie verfolgen sollen, denn sie habe sicher ihre Statuten verletzt, allein man verhafte nur kleine Bankiers; es gebe keine große Bank, die ihren Verbindlichkeiten Nachkommen könne. Man solle einen gerichtlichen Ausschuß zur Ueberwachung der großen Banken einsetzen. Es existire eine jüdische Verschwörung, alle arischen Banken zu vernichten. (Heiterkeit.) „Hütet Euch vor den Juden." Der Justizminister Fallieres antwortete, Dank dem Eingreifen der Banken seien die Rückzahlungen der Einlagen seitens der Societe de Depots gesichert; werde ein Vergehen nachgewiesen, so werde die Justiz einschreiten. Baron Soubeyrau weist mehrere Aeußernngcn Laurs zurück, welcher darauf entgegnet. R u ß l a n d. Petersburg, 9. März. Bekanntl. haben die Inden nicht das Recht, in den Ortschaften zu wohnen, die sich auf eine Entfernung von 50 Werst von der Grenze befinden. Der Jude Dr. jur. Rosenberg hatte sich in dem Städtchen Winnitzi niedergelassen, das sich etwas weniger als 50 Werst von der österreichischen Grenze befindet. Die Ortsverwaltung wies ihn ans Grund des bestehenden Gesetzes aus. Rosenberg appellirte gegen diese Verodnung an den Senat, welcher fand, daß da gesetzlich denjenigen Juden, welche den Universitätskursus absolvirt haben, das Recht zusteht, überall in Rußland zu wohnen, dem Dr. Rosenberg der Aufenthalt in Winnitzi zu gestatten und der Ausweisungsbefehl aufzuheben sei. Das Ministerium des Innern erklärte sich jedoch mit dieser Ansicht nicht einverstanden, so daß diese interessante Frage jetzt vor das Plenum des Senats kommt. Man ist auf den Ausgang dieser Angelegenheit sehr gespannt. — Vermischtes. Aus Hessen. Soeben gelangte der Jahresbericht des unter Leitung des Herrn Tr. Bar naß stehenden Lehru. Erziehungs-Instituts zu Pfungstadt zur Versendung, woraus eine fernere erfreuliche Steigerung der Frequenz zu ersehen ist. Es sei deßhatb die Anstalt allen denjenigen Ettern, denen eine gründliche wissenschaftliche Ausbildung neben streng religiöser Erziehung ihrer Kinder erwünscht ist.