Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 32 (1891)
- Issue
- Heft 25 (26.3.1891)
- Date
- 1891-03-26
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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478 ziehen sich unter Aufsicht des kgl. ProvinzialschulcoLegiums, das zu diesem Ende eines seiner Mitglieder an Ort und Stelle delegirt» Diesmal hat das kgl. Provinzialsclmlcolleaium zu Kassel, von dem ihm zustehenden Rechte Gebrauch machend, den Director der Realschule, Herrn Dr. M. Hirsch, zum kgl. Kommissar zur Abnahme der Prüfung ernannt und damit einen für weite Kreise bemerkenswerthen Beweis von dem hohen Vertrauen gegeben, das es Herrn Director Hirsch und der unter seiner Leitung stehenden Realschule der israelitischen Religionsgesellschaft entgegenbringt. Das Examen verlief, ganz den Erwartungen entsprechend, in befriedigendster Weise. Frankfurt a. M. Am verflossenen Mittwoch Abend sprach im Verein für jüdische Geschichte und Literatur Herr Sämy Jcrphet über „Lord Byrons hebräische Melodien und deren Einwirkung auf Heine." Ein Mann, sagte der Redner, der ein altes Vorurtheil überwunden und der Vergangenheit unseres Volkes seine dichterische Kraft in nicht geringem Maße zugewandt hat, muß unsere Aufmerksamkeit in hohem Grade fesseln. Lord Byron, einer altadeligen englischen Familie entsprossen, hatte schon in früher Jugend einen Ruf als Dichter. Da er ohne eine geregelte Erziehung und ohne jemals das Glück eines angenehmen Familienlebens zu genießen, aufwuchs, so entwickelte sich in ihm ein eigenartiger Charakter, der allen äußeren Einflüssen zugänglich war. Leidenschaftlich und wandelbar, war er bald ein Zweifler, ein Atheist, bald entlockte er seiner Leier Töne, wie sie nur die tiefste religiöse Empfindung hervorzubringen vermag. Der Redner ging nun nach der vielleicht etwas allzu ausführlichen Charakterisirung des Dichters dazu über, dasjenige seiner Werke zu besprechen, das uns am meisten interessirt, seine „hebräischen Melodien." Byron brachte einen großen Theil seines Lebens auf Reisen zu und empfand im Anfänge sehr den Mangel an Sprachkenntnisscn. Er erlernte deßhalb mehrere zugleich, darunter auch das Hebräische. In der hebräischen Literatur waren es besonders die Psalmen und das Buch Job, die auf seinen Geist einen mächtigen Eindruck machten. Durch das Bekanntwerden mit dem hebräischen Schriftthum angeregt und von einem Freunde, dem Dr. Kinnaird, aufgefordert, schrieb er dann seine „hebräischen Melodien", die zuerst mit einer von Braham und Nathan hiefür arrangirten Musik herausgegeben wurden. Die Innigkeit und die Gesühlstiefe, mit welcher der Dichter den Stoff behandelt, zeigen, wie sehr sich sein Geist in das Studium der jüdischen Literatur versenkt hatte. In meisterhafter Weise versteht er es, den milden und sanften Ton, der die jüdische Poesie durchzieht, wiederzugeben. Das erste Lied beklagt die Juden, die feru von ihrem Lande im Exile leben, dann verherrlicht, er in einer Reihe von Liedern die unzerstörbare Kraft und das unerschütterliche Pflichtgefühl, das unserem Volke innewohnt und es in den langen Jahren der Gefangenschaft und des Elends nicht hat uutergehen lassen. — Der Redner besprach hier auch ausführlich das sogenannte Mysterium „Kain", dessen Ursprung, Entstehungsgeschichte und Inhalt. Den Dichter hatte der Umstand, daß die Lehre vom Jenseits in der heiligen Schrift nicht ausdrücklich erwähnt ist, auf den Gedanken gebracht, die Quelle dieser Lehre aufzusuchen. Er forschte in der ganzen heiligen Schrift und hielt die Gestalt Kains für die geeignetste, um seine Ideen in ihr zu verkörpern. So entstand dieses Werk, das, wie Göthe sagt, in der Natur und ihrer Betrachtung seinen Ursprung hat. — das Stück stellt den Kampf dar zwischen Haß und Liebe, zwischen Tugend und moralischer Haltlosigkeit. In dem „Kain" hat der Dichter ein Bild seines eigenen Seelenlebens gezeichnet. Der Redner berührte hierauf noch kurz einige Gedichte, so diejenigen über die Leiden des Königs Saul, ferner „Jephtahs Tochter", „Herodes Klage und Marianne", „das heilige Land", wo Byron die Tochter Israels mit der Ceder des Libanon, den edlen Mannesstamm mit der mächtigen Palme vergleicht, die an den Felsabhängen der Thäler des heiligen Landes ihr majestätisches Haupt erhebt. Das letzte Gedicht in der Sammlung ist das Lied von der Vernichtung „Sanheribs". Dieses letztere sowie das Gedicht „Belschazzar" haben auf Heine den größten Eindruck gemacht. Diese Beeinflussung durch Byron zeigt sich in vielen Gedichten dieser Art. Der Redner nannte mehrere der Heine'schen Gedichte, die dem jüdischen Volksleben entnommen sind, so das gefühlvolle Gedicht „Prinzessin Sabbat", das die verklärende Weihe, welche der Sabbat auf das jüdische Familienleben ausgießt, in herrlicher Weise darstellt, ferner das Gedicht „der Rabbi von Bacharach" u. a. Nach dem Thema hätte man allerdings erwartet, daß der Redner hier einige greifbare Momente hervorheben würde, an denen sich eine Beeinflussung Heines durch Byron Nachweisen ließe, statt dessen beschränkte er sich auf die Inhaltsangabe der Gedichte und die Deklamation einiger Musterstellen. Doch das angenehme Organ des Redners ließ manche Mängel vergessen, an denen die Darstellung litt, und schließlich spendete das Publikum seinen Beifall mit Freigebigkeit. Baisingen i. Württ., 15. März. Der hies. Verein Doresch Tow hat sich zur Aufgabe gemacht, Knaben, die sich als Elementar-Lehrer für Württemberg