Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 32 (1891)
- Issue
- Heft 25 (26.3.1891)
- Date
- 1891-03-26
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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477 werden, weil sie es freiwillig nimmer verlassen hätten. Sie sehnten sich nach Egypten zurück, obwohl sie dort nur kärgliche Nahrung hatten, nur von Fischen leben und von Brot sich sättigen mußten. Die Fleischtöpfe Egyptens waren nur für die Egypter da. Unsere Väter saßen an den Fleischtöpfen der Egypter und tränkten ihr Brot mit dem Brodem, der den Töpfen entstieg und so dem Brot einen Fleischgeschmack beibrachte.**) Deßhalb kehrt so oft die Mahnung wieder, onso pnd ddhn ’nasiin ntp» 'n 'n ’jn , daß nicht Moscheh auf eigene Faust, sondern daß Gott es war, der Israel aus Egypten geführt hat. Mehr als die körperliche Mißhandlung mag unsere Väter diese grundlose Verdächtigung geschmerzt haben. Die Egypter mißhandelten daher unsere Väter, indem sie dieselben durch Unterstellung solcher landesverrätherischer Absichten als schlecht hinstellten, wodurch die doppelte Bedeutung des Wortes ijm sich vereinigen läßt. — Wir werden aber durch eingehende Betrachtung der uns hier beschäftigenden Sätze noch auf eine andere Auffassung geführt, die wir nun entwickeln wollen. (Fortsetzung folgt.) Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Berlin, 16. März. Ein imposanter Leichenzug bewegte sich heute von „Unter den Linden 11" nach dem alten Friedhofe in der Schönhauser Allee. Die Elite Berlins hatte sich eingefunden, um der irdischen Hülle des am Sonnabend verstorbenen Geheimen Commercienraths Meyer Cohn zu folgen. Der Verblichene zählte zu den Männern, welchen die jüdische Gemeinde Berlins mit Stolz zu den Ihren zählte. Ursprünglich Handwerker arbeitete sich derselbe durch fleißiges und redliches Mühen zu einer hochgeachteten Stellung in den besten Kreisen Berlins empor. Wohlthätigkeitsvereine und Private empfingen reichliche Geldunterstützungen von dem stets zuni Spenden bereiten edlen Herrn. Daß die Confession der Empfänger dabei nicht in Betracht kam, gilt als selbstredend. Geboren am Purim 1817 feierte der Verblichene diesen Tag als seinen Geburtstag, eine Thatsache, die darum bemerkenswerth ist, weil die Herren der hohen Aristokratie alljährlich der schönen jüdischen Königin beim gefüllten Pokale an der Tafel des nunmehr Verewigten gedachten. — Nicht unerwähnt bleibe auch, daß die Kranzspende von Krupp - Essen unter den **) R. Elieser Aschkenasi bemerkt, daß noch in seiner Zeit, als er Egypten bereiste, die Armen ihr Brot über die Fleischtöpfe der Reichen hielten, um so den Fleischgeschmack auf das Brot zu übertragen. 180 aus den verschiedensten Kreisen stammenden Blumenwidmungen sich durch ganz besondere Eleganz auszeichnete. — Zu den Personalien des Verstorbenen sei noch bemerkt, daß der Vater desselben Alexander Cohn, aus Amsterdam einwanderte und als Graveur in Bromberg arbeitete. Der Sohn, welcher sich einen ähnlichen Beruf erwählte, arbeitete in der hiesigen Lewent'schen Buchdruckerei 1834—1842, trat dann in das Bankhaus O. Feig, dessen Compagnon er später wurde. Im Jahre 1855 gründete der Verewigte das durch seine Solidität weithin, bekannt gewordene Bankhaus, dem er bis in den letzten Tagen selbst Vorstand. Daß sich die Geschäftsführung nicht allein strengstens innerhalb der Grenzen des gesetzlich Gestatteten hielt, sondern auch den höchsten Anforderungen sittlicher Ehrenhaftigkeit gerecht wurde, bewiesen die Anerkemplngen, welche dem Verewigten von Allerhöchster Stelle zu Theil wurden — derselbe war Inhaber des Kronenordens III. Classe und des Kronenordens IV. Classe am Errinnerungsbande — und bewies die Theilnahme an dem Leichenbegängnisse, zu dem alle Schichten der Berliner Gesellschaft ihr Contingent stellten. Aus dem zahlreichen Gefolge erwähnen wir von den Deputationen, deren wir ansichtig wurden, die National-Victoria-Stiftung, die Kaiser-Wilheim-Stiftung, die Gesellschaft der Freunde, der Brüderverein, das Gruson Werk, der Börsen-Handels Verein. Im Trauerhause erschienen ferner die Herren: Fürst Radolin, Fürst Blücher, die Grafen Gerh. und Carl Dönhoff, General Graf Lehndorf, Freiherr v. Reischach, Hof- Marschall der Kaiserin Friedrich, der Braunschweigische Gesandte Excellenz v. Kramm, Excellenz v. Jacob! Unterstaatssecretär a. D. und andere Herren der Aristokratie, der Director der Reichsbank Dr. Koch und sämmtliche Bankdirectoren, der Vorstand der Jüd. Gemeinde unter Führung des Justizrath S. Meyer, um dem Verewigten die letzte Ehre zu erweisen. Die Gedächtnißrede hielt vr. Apolant im Trauerhause. Unter den üblichen Grabgebeten wurde der prunklose Sarg in die kühle Gruft gesenkt. Tiefbewegt verließ die zahlreiche Trauer- Gesellschaft den Grabhügel, unter welchem die entseelte Hülle eines der Edelsten und Besten unserer Mitbürger ruht, rrnsun -i. Frankfurt a. M Vergangene Woche fand in der Realschule der israelitischen Religionsgesellschaft die Abiturientenprüfung statt. Diese Prüfung eröffnet bekanntlich Carrieren auf verschiedenen Verwaltungs-Gebieten, während die Berechtigung zum Einjährigendienst dem Schüler bereits im Vorjahre, beim Uebergang aus Sccunda in Prima resp. durch die bezeugte Reife für Prima, ohne weitere Examina zufällt. Diese Abiturientenprüfungen voll-