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Der Israelit · 1891-03-26 · Heft 25 (26.3.1891) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
32 (1891)
Issue
Heft 25 (26.3.1891)
Date
1891-03-26
Page
– (sequence 2)
Language
German
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470 welches die Ahnen nach Egypten wies. Den ersten Satz dieses Bekenntnisses und die Deutung der Erklärung, welche die Hagada schel Peßach dazu gibt, bildete die vierte Serie dieser Betrachtungen. — Mit den Worten, welche diese fünfte Serie eröffnen, beginnt der zweite Satz aus dem Bekenntniß bei Darbringung der Erstlingsfrüchte und die eigenthümliche Erklärung, welche die Hagadah schel Peßach dazu gibt. v'irwTi wm* ijrw. Man übersetzt diese Worte gewöhnlich: Es mißhandelten uns die Egypter. Aber die Deutung, welche die Hagadah diesen Worten gibt, scheint einen anderen Sinn vorauszusetzen. Sie bemerkt nämlich dazu: noa onson unm ip'i nor&D njs^pn »a na*v je lb nsannj nan pNn ntyi ua irtotf hy wn oj rpro „wie es gesagt ist: Wohlan, wir wollen ihm mit List begegnen, damit es nicht größer werde, es würde, wenn sich ein Krieg ereignete, sich auch zu unseren Feinden schlagen und gegen uns kämpfen, ist es doch von diesem Lande zu seiner Höhe gelangt." (II. B. M., 1, 10.) Es handelt sich also darum, zu beweisen, daß uns die Egypter mißhandelt haben, und als Beleg dafür wird uns eine Stelle angeführt, welche Vorgänge einer Zeit berührt, in welcher die Mißhandlung noch gar nicht begonnen hatte. Mit diesen Worten wird ja erst der Plan geschmiedet, welche die spätere Mißhandlung zum Scheine rechtfertigen sollte. An Belegen für die Thatsache, daß uns die Egypter mißhandelten, fehlt es ja nicht. Wenige Zeilen weiter wird uns berichtet: „sie verbitterten ihr Leben mit harter Arbeit mit Lehm und mit Ziegeln, mit jeder Arbeit auf dem Felde" u. s. w. Viele Erklärer fassen daher die Worte ly-n oninan wnw in dem Sinne: „Die Egypter stellten uns als schlechte Menschen hin." Sie sagten uns Dinge nach, von deren Wahrheitswidrigkeit Diejenigen, die sie ersonnen, selbst überzeugt waren. In Wirklichkeit hatte man unseren Vätern nichts vorzuwerfen. Man mußte seine Zuflucht zu einer List nehmen und ihnen eine Schlechtigkeit andichten, was gewiß nicht nöthtg gewesen wäre, wenn sie von Hause aus wirklich schlecht gewesen wären. Dann wäre der Hinweis auf die Stelle naannj nan durchaus zutreffend. Man stellte die Juden als staatsgefährlich, als Elemente hin, die mit dem Feinde conspiriren und wollte deren Verschlagenheit mit einer List zuvorkommen, ein Akt der Nothwehr, die eine staatserhaltende That sei! In der Geschichte unseres Volkes ist dieser Vorwurf oft gegen uns erhoben worden, er war, Gott sei Lob und Dank, immer unbegründet. Wenn wir an den Sedernächten mit unseren Kindern versammelt sind und einen neuen Knoten in dem Bande schürzen, das uns mit unserem Gott verbindet, dann mag uns freudige Genugthuung bei dem Gedanken erfüllen, daß die Anhänglichkeit an Gott und Sein Gesetz weit entfernt davon, uns unseren nichtjüdischen Brüdern, unseren staatlichen und bürgerlichen Pflichten zu entfernen, uns vielmehr immer wieder und wieder auf dieselben htnweist. Wir sind im Laufe der Jahrtausende mit allen Culturvölkern aller Zonen und Zeiten in Berührung gekommen, wie viel wir auch in den verschiedenen Staaten und Völkern erlitten haben, kein Volk hat uns unsere Ohnmacht so schmerzlich fühlen lassen, als das egyptische. Und doch lautet die göttliche Mahnung, nachdem wir längst Egypten verlassen hatten: „Verabscheue keinen Egypter, denn Du bist Fremdling in seinem Lande gewesen." Wenn uns diese Rücksichtnahme auf die Egypter noch, nachdem wir längst aus dem Hause der Knechtschaft m die Freiheit gezogen waren, unverletzliche Pflicht war, so bedarf es nicht erst der Versicherung, daß Israel in Egypten selbst gewiß sich nichts zu Schulden kommen ließ, was den Verdacht eines Landesverraths irgendwie rechtfertigte. Ist uns eine solche Denkweise aber selbst den eghptischen Tyrannen gegenüber geboten, wie ist es erst Pflicht, das Interesse des Staates zu fördern, der unsere Väter gastlich ausgenommen und uns selber mit allen anderen Staatsangehörigen vollkommen gleichgestellt hat. Diese Anhänglichkeit an den Boden, der uns trägt und erhält, ist daher den Juden zur zweiten Natur geworden, wir haben sie gerade von unseren Vätern in Egypten ererbt. Nur widerwillig ließen sie sich dazu bewegen, das Land zu verlassen, das ihnen die allerersten Menschenrechte doch in so unerhörter Weise verkümmerte. — Noch in der Wüste erhoben sie wiederholt gegen ihre Führer den Vorwurf, daß sie sie aus dem Lande Egypten geführt hätten. Wohl wußten sie, daß Gott cs war, der durch die Wunder, die in Mizrajim sich vollzogen, den harten Sinn des Zwingherrn gebrochen hatte. Gewiß sehnten sich unsere Väter darnach, aus der egyptischen Sklaverei befreit zu werden, aber sie dachten sich die Befreiung immer so, daß die Tyrannen gestürzt und unschädlich gemacht wurden, ohne daß sie Egypten, das ihnen ihr zweites Vaterland geworden war, verlassen mußten. Sie mochten sich nicht von der Stätte trennen, an welcher die Gebeine ihrer Eltern ruhten, und wiesen in der Wüste noch vorwurfsvoll auf die Gräber in Egypten hin, »von welchen sie nun auch im Tode nicht getrennt sein wollten, wenn sie der Untergang in der Wüste ereilte. Deßhalb mußten unsere Väter von ihren Frohnherren mit Gewalt aus dem Lande getrieben

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