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Der Israelit · 1891-03-23 · Heft 24 (23.3.1891) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
32 (1891)
Issue
Heft 24 (23.3.1891)
Date
1891-03-23
Page
– (sequence 10)
Language
German
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464 räumen. Vielleicht indessen sind die Stammesgenossen dieses Mannes nicht, wie er? Doch Haman weiß zu berichten: 3. 8. D'tpy 1-O7I ’m rw ny p.uw orrmi. Deren Gesetze sind unterschieden von denen jeglichen Volkes, aber nach den Gesetzen des Königs thun sie nicht." Sie alle sind so ungehorsam, wie Mordechai, ja, es giebt bei ihnen Gesetze, die denen des Königs entgegenstehen, es ist gleichsam ein Gesetz bei ihnen, unfolgsam gegen den König zu sein. Was könnte es für die Herrschsucht mißliebigeres geben, als ein Volk, das sich nicht beherrschen läßt? Und wenn sie noch beisammen wohnten, so daß man sie leicht überwachen und kontrolltren könnte. Aber sie sind: 3. 8. D'»yn *,p -nsoi tbö „Zerstreut und zersprengt unter die Völker, durch alle Landschaften deines Königreiches." Nicht allein, daß sie ungehorsam sind, sie geben auch noch allenthalben ein schlechtes Beispiel, das ganze Königreich, alle Landschaften sind durchseucht von ihnen. Ueberall werfen sich die Völker nieder vordem Willen dxs Königs, aber überall bleiben einige Mordechais aufrecht stehen und zeigen so, daß man sich dem König nicht unbedingt unterwerfen muß. Will Achaschwerosch herrschen, so muß er diesen störrigen Volksstamm vernichten. 3. 8. orm^ rw PN „Und dem König ist Nichts daran gelegen, sie zu belassen." Dem König als solchem, dem Herrscher kann Nichts an ihnen liegen, denn in mannichfacher Weise sind sie der Herrschaft des Königs hinderlich, viele Gründe sprechen gegen sie und keiner für sie. So stellt Haman dieses Volk dar, und in diplomatisch ausgeklügelter Weise zielte jedes Wort auf die Herrschsucht des Königs, die dessen Hauptleidenschaft, die gleichbedeutend mit seiner Freude am Dasein ist. Dieses Volk soll untergehen, damit die Herrschsucht des König befreit werde von der schweren Hemmung. So ist es die alles beargwöhnende Herrschsucht, die die Juden grausam dem Verderben weiht, aber aus derselben Leidenschaft, die auch den Haman beargwöhnt, erwachst ihnen die Rettung. So entstehen aus denselben Trieben unsere guten, wie unsere schlechten Thaten, je nachdem Gott durch Herbeiführung änßerer Umstände unsere Herzen leitet. Hier nun glaubt Achaschwerosch dem Haman, denn was er von Mordechai erfahren hat, scheint diese Angaben zu bestätigen. Da fährt Haman fort: 3. 9. d>d^>n mwjn d-pn^ aro» by dn -tj: Vn npr6 rPNbon r\wy n1 by pjdd iss „Wenn es dem König gefällt, werde ausgeschrieben sie zu vernichten und zehntausend Kikar Silber will ich darwägen in die Hände der Schaffner, sie zu bringen in die Schatzkammer des Königs." Achaschwerosch mag erschrocken sein bei diesem Angebote; zehntausend Kikar'Silber, nach unserem Gelde etwa 39 Millionen Mark, konnte Haman wegschenken, wieviel mußte er da wohl besitzen und wie leicht konnte er Söldnerheere werben! Und wenn Achaschwerosch das Geld annimmt, wird dann Haman nicht im Volke verbreiten können: Nicht zum Wohle der Völker opfert er das eine Volk, sondern des schnöden Gewinnes halber. Er durfte das Geld nicht annehmen, Haman war zu gefährlich; aber — die Juden sollten dennoch fallen. Zugleich war der Mordbefehl gegen die Juden für den Achaschwerosch eine erneute Prüfung des Haman und eventuell eine Reinigung der Volksmeinung. Es ist keine Erfindung der Neuzeit, daß man „Lockspitzel" aufstellt, an die sich alle Unzufriedenen im Lande herandrängen sollen, damit man sic erkenne und vernichte. An Unzufriedenen hat cs unter den unterjochten Völkern sicherlich nicht gefehlt, die sich dann alle um Haman geschaart haben würden; solche Verschwörungen heilen das Volk, ein solches Geschwür wird den Körper von allen krankhaften Stoffen befreien. Wir haben bei allen großen Eroberern und bei den bedeutendsten Staatsmännern vielfach Gelegenheit, sie als überaus kühne Spieler zu beobachten; so auch hier bei Achaschwerosch. 3. tO. mm nby® wjno rw id-i. „Und der König zog ab seinen Siegelring von seiner Hand und gab ihn au Haman". Somit hatte er diesem gefährlichen Menschen die höchste Macht übertragen, „zu verfahren, wie es gut ist in seinen Augen." Heimlich mag der König sich auf das Sorgfältigste gerüstet haben, aber er übertrumpft noch den Haman au Klugheit, und stellt sich ganz harmlos. 3. 15. nina^ de” jom ibni. „Und der König und Haman setzten sich zu einem Mahle." Den Tag der Vernichtung der Juden kann Haman, da er die höchste Macht besitzt, leicht zu einer allgemeinen Revolution benützen; hatte er doch allen Völkern befehlen lassen 3. 14, m"6 mn nvb o’rny, „daß sie gerüstet seien auf diesen Tag." Aber Achaschwerosch kann es erwarten, denn er ist wohl vorbereitet. Er weiß es noch nicht, ob Haman diese Absicht hat, er hofft, daß es nicht der Fall ist, und daß er ihm auch weiterhin ein brauchbarer und

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