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Der Israelit · 1891-03-23 · Heft 24 (23.3.1891) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
32 (1891)
Issue
Heft 24 (23.3.1891)
Date
1891-03-23
Page
– (sequence 9)
Language
German
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XXXII. Jahrgang. @*f»e KeUaige M M 24 des , jsrnriit & Jeschurun" Leitende Artikel. Zur HfiaraKteristiK des Königs Achaschwero sch. Bon Dr. I. Lehmann. IV. Achaschwerosch hatte den Haman als einen sehr fähigen und brauchbaren Menschen kennen gelernt und ihn deßhalb zu seinem allmächtigen Minister gemacht. Wird ein solcher Mensch auch treu sein und Untergebener bleiben wollen? Der Kaiser Justtnian ließ es sich angelegen sein, alle besonders fähigen Menschen zu vernichten, nachdem er erkannt, daß sie ihm gefährlich werden könnten. Denn er selbst war ein Emporkömmling und ein anderer, hochbeanlagter Mann hätte ihn verdrängen und sich dann mit dem gleichen Recht zum Herrscher aufschwingen können, wie Justinian. Auch Achaschwerosch war Emporkömmling, er mußte jeden Fähigen»' beargwöhnen und seine wichtigste Frage mußte sein: Wird er mir nicht verderblich werden? Deßhalb mußte Achaschwerosch den Character des Haman prüfen. Vielleicht besitzt er gar keinen Ehrgeiz, vielleicht ist seine Hauptleidenschaft Habsucht oder Genußsucht; dann wird er ein Werkzeug in der Hand des Königs sein, wie dieser es sich nur wünschen kann; denn derartige Wünsche des Haman werden der Herrschaft des Achaschwerosch nicht gefährlich. Und er erläßt einen für Hamann sehr verfänglichen Befehl: 3. 2. cry-o "j^on *iyt8Q nay bj) .■£on *6 ms p »3 rninntpoi „Und alle Diener des Königs, die im Thore des Königs, beugten das Knie und warfen sich nieder vor Haman, denn so hatte seinetwegen der König geboten." Dem König war es darum zu thuu, den Eharakter Hamans kennen zu lernen, und dieser Befehl war der Prüfstein. Wäre Haman bescheiden gewesen, er würde ersucht haben, daß solch', abgöttische Verehrung ihm nicht zu Theil werde, wäre Habsucht seine Leidenschaft, so hätte ihm dieser Befehl nichts gewährt. So aber war es gerade dieses, was dem Haman Freude machte und der König erkennt den gefährlichen Ehrgeiz und die Eitelkeit des Mannes. Auch erreicht der König durch diesen Befehl, daß Haman mißliebig wird bei den Hofleuten *) und daß alle Handlungen Haman's dem König hinterbracht werden; denn ein Diener, vor dem die andern Diener sich bücken müssen, das ist der bestgehaßteste Mann im Staate. Da schon Esther durch die Mädchen sowohl, als die Hofbedienten erfährt, was am Hose des Königs vorgeht (Kap. 4- 4), wie sollten dem Könige Vorgänge, die sich in seiner nächsten Nähe abspiegeln, vorenthalten bleiben? Und so hört er dann: 3, 5. yx w xti .nen;on 6 mnntwat SH3 »mo „Als Haman sah, daß Mordechat nicht das Knie beugte und sich nicht niederwarf vor ihm, da war Haman voller Wuth." Also weil, während die Anderen Alle ihm zu Füßen liegen, ein' Mann sich nicht niederwirft vor ihm, ist er voller Wuth; Achaschweroch ist ja auch e i n Mann, wird sich der Ehrgeiz, die Eitelkeit des Haman nicht auch leicht dahin versteigen können, daß er will, daß auch dieser eine unter ihm stehe, daß er darnach trachtet, ,den König zu stürzen und sich selbst zum ersten Manne des Staates zu machen? Doch einen solch' brauchbaren Menschen darf man nicht auf einen blosen Verdacht hin vernichten, man muß ihn weiterhin prüfen und das kann man nicht besser, als dadurch, daß man den Charakter ganz frei und ungehindert sich entwickeln läßt. 3. 6. pn ippzn n:6 wioa t rbvh vrya .'D7iD by amwriN niDbo bj2 -wx DHin’n rix -rö»r6 „Aber er achtete es gering, Hand anzulegen an Mordechäi allein, sondern Haman trachtete zu vertilgen alle die Jehudim im ganzen Königreiche des Achaschweroch, das Volk Mordechais." Von einem so ungeheuren Größenwahn ist dieser Mensch besessen, daß es ihm nicht genügt, den einen Beleidiger zu tödten, sondern dessen ganzes Volk soll dafür büßen, sie alle sollen dafür sterben; ein solcher Mann wird sich im Geiste oft und gern als den Beherrscher des ganzen Reiches sehen. Aber mit dem Wunsche, die Juden zu vernichten, kommt er dem Willen des Königs entgegen-). Warum hatte sich Mordeachai nicht niedergeworfen vor Haman? Es muß ein unbeugsamer, nicht zu beherrschender Mann sein; die Herrschsucht des Königs aber verlangt unbedingte Unterwerfung und muß jeden Widerspenstigen aus dem Wege 1) Siehe die verschiedenen Erklärungen über die Handlungsweise des Eharwonah. 2) Vergleiche im Traktat Megillah das jGleichniß vom Besitzer des Sandhaufens und dem Besitzer des Grabens, die sich in ihren^Wünschen begegnen.

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