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Der Israelit · 1891-03-23 · Heft 24 (23.3.1891) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
32 (1891)
Issue
Heft 24 (23.3.1891)
Date
1891-03-23
Page
– (sequence 6)
Language
German
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460 bezweckt zweifellos, Moskau sein rein russisches Gepräge wtederzugeben. Dolgoruki's kosmopolitische Anschauungen sind den Nationalen längst ein Dorn im Auge. Da Moskau auch einen neuen Polizeimeister erhalten soll, so ist voranszuschen, daß die Judenausweisung bald große Dimensionen annehmen wird. Sergeis Gemahlin, Elisabeth Feodorowna, tritt demnächst zum orthodoxen Glauben über. Hofkreise behaupten, dieselbe, eine geborene Prinzessin von Hessen, habe den Entschluß aus eigenem Antriebe gefaßt, bevor noch von der Ernennung ihres Gemahls die Rede war. (Wir können nicht glauben -daß die Gemahlin Sergeis, die Tochter unseres allgeliebten Großherzogs, mit den antisemitischen Ansichten des russischen Hofes sympathisirt und versprechen uns von ihrem Einfluß auf ihren Gemahl für unsere" Glaubensgenossen das Günstigste. Red.) Indien. Bombay, im Februar. Wir hatten vor wenigen Tagen das Vergnügen einen Sendboten (n^wo) aus der heil. Stadt xran in unserenIMauern begrüßen zu können. Es war dies der bekannte Rabbi David Nachmaß t^Nsn’: m V'nio o^n Dann ider ausgerüstet mit Empfehlungsschreiben vom Ehacham Baschi und anderen Rabbinern Jerusalems über Arabien nach Indien kam, um hier milde Gaben für unsere armen Glaubensbrüder im gelobten Lande zu sammeln. Rabbi David Nachmaß fand hier eine recht freundliche Aufnahme und zugleich auch die gewünschte pccuniäre Unterstützung. Von hier hat sich derselbe dann per Bahn nach Allahabad und Kalkutta begegeben, um auch die dortigen Gemeinden zu besuchen, hvvnb -f>\ Es wird gewiß manche unserer Glaubensbrüder im Abendlande interessiren zu vernehmen, daß unsere Glaubensbrüder in der hinterindischen Stadt Mulm e in kürzlich eine Collecte zu Gunsten des jüd.Friedhofes (D"nn ira) in Bagdad, der schon sehr stark einer Renovirung bedarf, veranstaltet haben, die ein ziemlich schönes Erträgniß lieferte. Unter den Spenden figurirte auch Frau Masol Tow, Gattin des Kaufmannes Mordechei Zalech in Mulmein. In Mulmein existirt eigentlich keine jüdische Gemeinde, sondern nur eine kleine jüdische Colonie, die aber groß genug ist, um ein Minjan zu bilden. Aber dennoch unterlassen es die wenigen dortigen Juden nicht, von Zeit zu Zeit eine Collecte zu irgend einem frommen Zwecke zu veranstalten, deren Erträgniß sie dann nach Kalkutta zur Weiterbeförderung senden. > Vermischtes. < Berlin, 9. März. Auf dem jüdifchenFriedhofe in Weißenfee fand gestern Mittag um 12 Uhr die Beerdigung des in den weitesten Kreisen bekannten früheren Direktors der jüdischen Erziehungs-Anstalt in Pankow, des Herrn N. Lewinski statt. Der am Gehirnschlag Verschiedene hat lange Jrhre hindurch die Anstalt mit großem Erfolge geleitet. Eine große Anzahl Leidtragender, darunter viele frühere Pfleglinge des Verstorbenen, hatten sich in dem Trauerhause Krausnickstraße 15 eingefunden, um die irdirschen Ueberreste ihres Freundes und Lehrers zur letzten Ruhestätte zu geleiten. Berlin, Nach einer Meldung des „Temps" aus Tunis ist in Menzel bei Gabes die Synagoge eingestürzt, wobei eine größere Anzahl Kinder verschüttet wurde Bisher wurden vier Leichen unter den Trümmern aufgefunden. Altona. Von der hochdeutschen Jsraelitengemeinde. Der auf die Dauer von sieben Jahren zum Mitglied des Vorstandes der hochdeutschen Jsraelitengemeinde wieoergewählte Regierungsrath Dr. Pieck hat die Wahl abgelehnt und muß daher innerhalb sechs Wochen eine Neuwahl stattfinden. Hanau, 10. März, Dr. Boeckel, der am Sonntag in Windecken bei Hanau eine Antisemiten-Versammlung abhalten wollte, erregte durch seine Erklärung, daß nur Gesinnungsgenossen Einlaß haben sollten, einen derartigen Tumult, daß die Versammlung nicht stattfinden konnte. Als nun von antisemitischer Seite der Ruf „diese Bande" ertönte, erfolgten stürmische Auftritte. Boeckel wurde von Gendarmen aus dem Saal geleitet. Als es zu thätlichen Zwistigkeiten kam, sah sich schließlich der Bürgermeister genöthigt, militärischen Schutz zu requiriren. Von Hanau kam Militär in einem Extrazuge an und 40 Mann blieben bis Montag Vormittag im Orte. Dr. Boeckel hatte inzwischen einen fluchtartigen Rückzug angetreten. Münster, 23. Februar. Der Zimmcrmann Jandrich, welcher die Gebete bei einem jüdischen Begräbniß durch wüstes Geschrei störte, ist wegen Störung des Gottesdienstes von der Strafkammer des hiesigen Landgerichts zu zwei Monaten Gefängnis; verurtheilt worden. Jena, 1. März. Auf Anordnung der Berliner Staatsanwaltschaft ist das 5. Heft der antisemitischen Monatsschrift „Das zwanzigste Jahrhundert" confiscirt worden. Herausgeber ist der hier ansässige russische Unterthan Erwin Bauer. Wien, 9. März. In Kolomea und Umgebung ist die jüdische Bevölkerung fortgesetzt infolge der Wahl Bl och's an Leben und Vermögen bedroht. In Sloboda wurden die Wohnungen der Juden geplündert, und drei Juden schwer verwundet. Gras Taaffe wurde um Entsendung von Truppen und um Verhängung des Standrechtß ersucht. -- Wien. Das Staatsbudget für 1891 enthält auch einen Posten zur Subvention eines Rabbiner-Seminars. Prag, 2. März. Im Verein zur Verbreitung der Wissenschaft des Judenthums „Afike Jehuda" fand Samstag den 14. d. M. ein Vortrag des Hrn. Rabbiner M. Stark über „Die Rabbinen" statt. Nach dem Vortrage wurde die Generalversammlung des Vereines abgehalten. Zürich. Frau Dr. Susanne Landau, Gattin unseres Predigers Herrn Dr. E. Landau, ist den 5. d. im Alter von 46 Jahren ihren langen unsäglichen Leiden erlegen. Die Verklärte, von einer gelehrten Familie aus Berlin abstammend, wirkte früher als Lehrerin an der Töchterschule der jüdischen Gemeinde in Berlin und war auch nachher ihrem Gatten nicht nur eine treue Gefährtin, sondern stand demselben auch als begeisterte Lehrerin zur Seite. Sie verstand es die jugendlichen Herzen ihrer Schüler für das wahre Juden--

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