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Der Israelit · 1891-03-23 · Heft 24 (23.3.1891) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
32 (1891)
Issue
Heft 24 (23.3.1891)
Date
1891-03-23
Page
– (sequence 5)
Language
German
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459 seine Person, aber auch des Dankes gegen den Lenker der Geschicke des Einzelnen wie ganzer Staaten beherrschte alle; das ganze Volk glich wahrhaft einer einzelnen Familie, die mit dem 12. März ihr schönstes, weichevollstes Fest feierte. Und wenn wir in diesem Gefühle alle Unterschiede des Standes wie der Gesinnung, des religiösen, wie des politischen Bekenntnisses ausgeglichen sahen, dann braucht sicher nicht erwähnt werden, welch innigen aufrichtigen Antheil unsere Glaubensgenossen an dieser Laudesfeier nahmen. Und warum auch nichts Erfreuen sich ja auch unsere Glaubensgenossen der gleichen landcSväterlichen Liebe und des gleichen landesherrlichen Schutzes mit allen übrigen Staatsbürgern, wird ja der jüdischen Religion die gleiche staatliche Fürsorge und Förderung zugewendet wie den übrigen Bekenntnissen und hat in unserem geliebten Bayerlande kein Jude seiner Religion wegen eine Zurückketzuug oder Benachtheiliguug zu erfahren, man kennt hier keinen Antisemitismus, lieber solche Zeitauswüchse hoch erhaben, war es schon bei Anbeginn des letzteren der ausgesprochene Wille des höchstseligen Ludwig II., daß diesem Gistkraut jeder Boden in Bayern entzogen werde und zeigte unsere allgeliebter Prinz-Regent in zahllosen Beispielen, wie vor seinem Throne alle Landeskinder gleiche Rechte haben. Darum bedurfte es nicht erst einer Anregung zu dieser Theiluahme, war es nicht etwa eine von oben anbesohlene Huldigung, die dem hochgeseierten Jubilar auch von der jüdischen Bevölkerung entgegen gebracht wurde, sondern das tiefiunigste Daukgesühl, die aufrichtigste Verehrung und Liebe, die die Synagogen an diesem Tage füllte, die heißesten Gebete dem vollen Herzen entströmen ließ und die in den begeistertsten Worten von din dazu Berufenen den lebhaftesten Ansdruck fand. Diese Wahrnehmung konnten wir auch bei der hiesigen Synagogen-Feier machen, welche Donnerstag von 10—11 Uhr in festlich geschmücktem Hause unter ungewöhnlich zahlreicher Betheiligung stattfand. Dieselbe wurde durch einen hübschen Choral des Ps. 100 cingeleitet, hieraus wurden die Ps. 21,25 u. 72 rezitativ zwischen Cantor und Gemeinde abwechselnd vorgetragen, dann folgte die Festpredigt des Herrn Rabbiner Bamberg er Bon der fröhlichen Jahreszeit -vw ausgehend, begründete er die Festesfreude und beleuchtete die Feier vom religiösen und bürgerlichen Standpunkte; galt sie ja dem besten, edelsten Fürsten, der alle Bürger gleich in sein edles Herz schließet, der das Wohl Aller in Allem stets zu fördern sucht. Berechtigt uns daher schon Bürgerpflicht und Bürgersinn zu dieser Feier, so sind wir um so mehr dazu unveranlaßt als Israeliten und als Bewohner Würzburgs, in dessen Mauern der hochedle Fürst heute vor 70 % Jahren unserem Volke geschenkt worden. Mit Zugrundelegung des Verses Ps. 21,6. „Groß ist seine Ehre durch deine Hilfe, Majestät und Wurde vereinigst du in ihm," entwickelte der ehrw. Redner ein herrliches Lebensbild des allerhöchsten Jubilars und hob dabet namentlich drei Glanzpunkte seiner Staats- Handlungen hervor: seine Mitwirkung an der Wiederaufrichtung des deutschen Reiches, die Uebernahme der Regierung unter so schwierigen Umständen und in so vorgerücktem Alter und die Stütze, die er dem jungen deutschen Kaiser bei dessen Regierungsantritt durch sein persönliches Erscheinen in Berlin und das Beispiel der Friedensliebe gewährte. Aus all diesen Handlungen leuchte die kostbarste Perle seiner Tugendkrone, die Bescheidenheit hervor. Wie sehr hätten wir daher Ursache, beni Allgütigen zu danken, daß er uns ein solch theueres Leben rüstig und thatkräftig bisher erhalten und wie innig müßten wir ihn anrufen um fernere Erhaltung und Beschützung desselben. — Daran schloß der Redner das Königsgebet an. Es folgten noch einige Psalmen und es schloß die Feier mit der Absingung des Ps. 150 durch den Synagogen-Chor unter Mitwirkung der Zöglinge des isr. Seminars. Jacob Weißbart. O e st e r r. - U n g a r. Monarchie. Budapest, 13. März. Die Meldungen des „Rewyork Herald" von der Auffindung der Esther Solymossy ist dadurch entstanden, daß die dortige Polizei ein Mädchen wegen Diebstahls verhaftete, das die Auskunft über seine Person verweigerte. Bei der Durchsuchung der Wohnung fand die Polizei ein Wäschestück mit dem eingestickten Namen Solymossy. Dies erweckte die Erinnerung an den Tisza- Eszlärer Prozeß. Der Coroner Ferdinand Levy in Newyork richtete an den Rechtsanwalt Friedmauu, seinerzeit Vertheidiger in diesem Prozesse, ein Schreiben, worin er gegen Erlag der Kosten um weitere Recherchen und die Einsendung der Photographie der Solymossy ersuchte. Der Anwalt antwortete, daß Recherchen vergeblich wären und die Photographie nicht auftreibar. Seine tiefste Ueberzeugung sei aber, daß Esther in dem Fluthen der Theiß umgekommen und ihr Leichnahm bei Tisza-Dadaaus aus dem Wasser gezogen worden sei. — Der Reichstagsabgeordnete Eötvös, Hauptvertheidiger um Eszlarer Prozesse, erklärte einem Jnterwiewer seine unerschütterliche Ueberzeugung, daß Esther tobt sei. Er werde die Geschichte des Eszlarer Prozesses veröffentlichen. R u tz l a n d. Rußland. Die Ernennung des Großfürsten Sergei zum Generalgouverneur von Moskau erfüllt die Antisemiten mit großem Jubel. Die Ernennung

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