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Der Israelit · 1891-03-19 · Heft 23 (19.3.1891) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
32 (1891)
Issue
Heft 23 (19.3.1891)
Date
1891-03-19
Page
– (sequence 6)
Language
German
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des ganzen Ernstes und der Gewissenhaftigkeit dieser Mizwoh bewußt war, ist es unsere Religionsgesellschaft, die mit minutiöser Sorgfalt die Zubereitung der ungesäuerten Kuchen vom Augenblicke des Halmschneidens an bis zum Backeu der Mazzauß überwachte. — Daß diese Aufgabe in früheren Zeiten, wo der Kreis der Neligionsgesellschaft noch ein kleiner, leichter als jetzt war, wo sich dieselbe n"3 einer so großen Mitgliederzahl erfreut, liegt auf der Hand. Es war noch eine der letzten Wünsche unseres unvergeßlichen SamsonRaphacl Hirsch y's; für unsere Gemeinde eine geräumige, der Mitgliederzahl derselben entsprechende Maz;o- Halle zu errichten, ein Vorhaben, das zur Verwirklichung zu führen, ihm nicht mehr vergönnt war. In Würdigung dessen hat unser Rabbiner Herr Dr. Breuer ’"j in seiner letzten Predigt am Schabbos Schekol.m seine Gemeinde an diesen letzten Wunsch seines 'großen Vorgängers erinnert. und den Mitgliedern unserer Gesellschast die Errichtung einer solchen Mazzo-Halle warm ans Herz gelegt. — Nach solch wiederholter Anregung dürfte unsere Gemeinde in Bälde wohl auch dieses schöne Werk beginnen und zu dem reichen Kranz ihrer Einrichtungen ein weiteres Blatt hinzugesellen. Hannover, 16. März. An Stelle des verstorbenen, greisen Geh. Sanitätsrath Dr. Eohen, welcher lange Jahre das Amt eines ersten Vorstehers der hiesigen Synagogen-Gemeinde bekleidete, wurde unter sehr zahlreicher Betheiligung der stimmberechtigten Gemeindemitglieder Herr Julius Kauffmann mit großer Stimmenmehrheit gewählt. Die obrigkeitliche Bestätigung dieser Wahl ist nunmehr erfolgt. Herr Kauffmann gehört bereits seit einem viertel Jahrhundert der Gemeindevertretung und Verwaltung an und hat namentlich als zweiter Vorsteher in höchst ersprießlicher Weise für die religiösen Institute und das Armenwesen gewirkt. Er zählt zu den verdienstvollsten Männern unserer Gemeinde und zeichnet sich ebensowohl durch Intelligenz und allgemeine Bildung, wie durch ernste Frömmigkeit aus. Möge es ihm vergönnt sein, auch in seiner neuen Stellung zum Heile der wahren Gemeindeinteressen lange Jahre thätig zu sein. Oesterr.-Ungar. Monarchie. Pesth, 1. März. Der Pesther Lloyd schreibt: „Ein Kongreß von Vertretern der europäischen Regierungen muß entscheiden, was mit den russischen Juden gethan werden, wo man ihnen einen Platz zum Wohnsitze anweisen, und auf welchen Grundlagen und unter wessen Protektorate man ihre Existenz gründen soll. Der Erdkreis ist groß, und freien Platz gibt es auf ihm genug. Mittel für das Hiuübertransportiren und Ansiedeln derselben am neuen Orte wird Europa um so eher finden, als dieselben einerseits als eine für lange Zeit zu gewährende Anleihe, andererseits als eine unabwendbare Ausgabe zur Zeit irgend eines allgemein menschlichen Unglücks angesehen werden müssen. Von Rußland, als dem Lande, welches die Juden los werden will, muß natürlich die Initiative in dieser Beziehung ausgehen. An anderer Stelle haben wir auf die Nutz- und Zwecklosigkeit der Einzel-Emigration hingewkesen, welche jetzt praktizirt und sogar von der Regierung gefördert wird. Wenn jedoch die Emigration nach irgend einem Orte auf breiter Grundlage mit einem streng berechneten jährlichen Maximum und Minimum der Auswandernden organisirt, gleichsam durch Reglements geordnet werden wird, wenn die Auswanderer der vom Kongresse sestgestellten Disziplin sich unterwerfen und mit den nöthigen Mitteln versehen, vor sich ein bestimmtes Ziel schauen werden, so darf man kühn behaupten, daß innerhalb einer bestimmten Frist (entsprechend den Dimensionen der Emigration und der Menge der Mittel kann die Zeit genau berechnet werden, welche für eine solche Uebersiedlung nothwendig ist) Rußland von den Juden befreit werden wird und die letzteren endlich einen Zufluchtsort finden und aufhören werden, Ausländer zu seiu. (Das ist ein Vorschlag, der schwerlich je ausgeführt werden wird.) > Vermischtes. «4- Berlin, 1. März. Die Nachricht über die Charlottenburger Studentenversammlung ist dahin zu berichtigen, daß beschlossen wurde, die Petition an den Minister betreffs Ausschlusses ausländischer Juden vom Studium an technischen Hochschulen doch abzusenden. Etwa 150 Stutzenden hatten vorher protestirend den Saal verlassen. Ein Deutscher Jude Herr stud. Schiss, der für seine russ. Brüder das Wort ergriff, hat mehrere Fordernngcn annehmen müssen. (Jsr. Wchschr.) Constantinopel, 27. Februar. Se. Masestät derlSnltan hat für die durch den strengen Winter nothleidenden Juden in Palästina 100 türk. Pf. (ca. 1800 Mk.) aus seiner Privat- Schatulle gespendet. Feuilleton. -> Ko he Kreise. Novelle von H. Berger. (Alle Rechte Vorbehalten.) (Fortsetzung.) „Ich kann nicht, Papa, ich bin nicht wohl und möchte oben bleiben", sprach Bella zitternd. „Du gehst sofort hinab", rief zürnend der Commerzienrath. „Oder soll ich der Laune meiner

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