Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 32 (1891)
- Issue
- Heft 23 (19.3.1891)
- Date
- 1891-03-19
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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485 im Lichte jener Zeit betrachtet, — einer allgemeinen Beliebtheit auf viele Jahre hinaus. Was ist nun natürlicher, als daß der König den Urheber zweier solch fein ersonnenen Rathschläge, einen so verschlagenen und brauchbaren Menschen herausgreifen O) und zu seinem allmächtigen Minister machen ttrirb? n« 'btw r6sn Dnmn im bj ^VD 1XDD m DEH instm ’JJNH unon p ]DH .;nx *\m ont»r, (3, 1). Rach diesen Begebenheiten machte der Achaschwerosch groß den Haman . . . und erhob ihn und setzte seinen Stuhl über alle Fürsten, die um ihn. Ein solcher Mann muß ausgenutzt werden; das ist ja gerade eine der vorzüglichsten Herrschertugendeu, daß man die fähigsten Köpfe auszuwählen und sie an der passendsten Stelle zu verwenden versteht. Ein König kann nicht alles allein thun, fähige und treue Diener sind die Grundvesten seines Thrones. So haben wir denn in allen Lagen, in denen wir bis jetzt den Achaschwerosch gesehen, ihn als einen ebenso klugen") und tüchtigen, als auch ganz gewissenlosen Menschen kennen gelernt, und wir können nun seinen Eharakter bestimmen. Wir erkannten ihn als einen Verstaudsmenschen. Die Verstandsmenschcn unterscheiden sich in zwei Hauptklassen'). In solche, die nach den Rechtsgrundsätzen handeln, die ihr Verstand als wahr, schön und gut erkannte — es sind die Weisen — und in solche, die nach den Regeln handeln, die ihr Verstand als nützlich, als das Eigenwohl fördernd auf Kosten des Gemeinwohls, erkannte — es sind die großen Egoisten, die Opportunitätsmenschcn. Sic haben den Verstand und das Gewissen dazu, die ganze Welt ihrer Eigensucht zu opfern; solche Menschen waren Richard III. und Napoleon I. Dem aufmerksamen Leser dieser Aussätze brauchen wir nicht mehr auseinanderzusetzen, daß der Mörder der Waschti nicht zu den „Weisen", sondern zu den „großen Egoisten" gehörte. Diese Egoisten zerfallen in eine lange Reihe von Stämmen, je nach der Art der Hanptleideuschaft, der sie dienen und die mit ihrem ganzen Wesen identisch ift 3) 'CH n* piEE. Dar Menuchan und Hawaii identisch sind, wird uns im Talmud berichtet, ebenso existirt eine 'JUtfiassung, die auch den zweiten Rath von Menuchan-Haman . stammen läßt. 4) Auch in.Mes. Meg. wird der srönig als klug bezeichnet. rrn Dsn 5) Für den Fachgelehrten: Die Erörterung der „Spontanität" würde uns zu weit führen. 6) Hierher gehört die rasfinirte Genußsucht der ältesten Epikuräeer. Tie Hauptleidenschaft war hier die Genußsucht d der Verstand mußte peinlich über alle anderen Triebe Am häufigsten aber ist die allein herrschende Leidenschaft, deren Diener ein umfassender, starker Verstand ist: Die Herrschsucht. So bei Richard III., so bei Napoleon I., so auch bei Achaschwerosch. Alle Handlungen, die begangen werden sollen, müssen erst die Kontrolle des Verstandes passiren; werden sie dort als der Herrschsucht dienlich, oder als für die Herrschsucht verwendbar gefunden, so werden sie mit dem Verstände ansgeführt, wenn nicht, werden sie durch den Verstand verhindert. Achaschwerosch gibt das Gastmahl im Dienste seiner Herrschsucht, um seine Herrschsucht zu befestigen, er tödtet die Waschti, damit sie seine Herrschaft nicht gefährde, er nimmt sich eine Frau aus dem Volke, um populär zu werden und so seine Herrschaft zu befestigen, und darum erwählte er auch den Haman zu seinem ersten Diener, damit ein solch fähiger Mensch der Herrschsucht des Königs dienlich sei, und weil er der Herrschsucht des Königs gefährlich wird, darum muß Haman später fallen. Nur ein so beschaffener Mensch konnte ein Reich von 127 Provinzen, ohne daß er ein Recht dazu hatte, sich erringen, und ohne daß das Erbrecht aus seiner Seite war, sich erhalten. Und alle Handlungen, die er gegen die Juden begangen im Bösen wie im Guten, hatten, wie wir nun Nachweisen werden, nur das eine Motiv: Die Herrschsucht. Auf einen solchen Mann paßt der Ausspruch des Talmuds *sio “ijn *nVnna rrn jjan. „Achaschwerosch war ein Löscwicht von Anfang bts zum Ende." Er hat auch bei den scheinbar besten Thaten nicht ansgehört aus der verdammeuswerthen Ursache der Herrschsucht heraus zu handeln, denn sein Eharakter war ansgebildet und immer eonscgnent, immer sieb selber treu. (Fortsetzung folgt.) Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Frankfurt a. M., 16. März. Die Zeit, in welcher der Winter zur Neige geht und der Wald und die Flur sich zu neuen! Leben anschickt, bringt uns alljährlich eine der wichtigsten jtsd, nämlich die nsD nvsö, und wo immer ein Jude mit dem Ernste seiner Persönlichkeit sich als solcher begreift, ist es sein heiligstes Anliegen die Mazzauß nach der genauen Vorschrift des Religionsgesetzes sich zu bereiten. — Wenn es einen Kreis giebt, der sich von jeher wachen, daß keiner so mächtig werden konnte, den fröhlichen Genuß des irdischen Daseins zu stören. Hierher gehört die rasfinirte Habsucht, die das Glück vieler Menschen opfert, sich zu bereichern, hierher gehört die verderbiche Ruhmsucht, die einen Herostratus im Jahre 356 veranlaßte, den herrlichen Tempel in Ephesus in Brand zu stecken, nur damit er berühmt werde.