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Der Israelit · 1891-03-19 · Heft 23 (19.3.1891) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
32 (1891)
Issue
Heft 23 (19.3.1891)
Date
1891-03-19
Page
– (sequence 7)
Language
German
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437 Tochter halber zum Svotte der ganzen Stadt werden, auf lang vorbereitete Pläne verzichtend Du hast mich bis heute nur als liebenden Vater kennen gelernt; ich warne Dich, meine Strenge herauszufordern." Bebend, doch furchtlos, sah Bella dem Vater, den sie noch nie so böse gesehen, in's Auge; sie konnte diesen Ton, in dem ihr Vater mit ihr sprach, nicht ertragen und cntgcgnete: „Vater, ich bin kein Kind mehr, das man ans diese Weise dahinschickt, wohin es aus freiem Willen nicht gehen mag. Ich bin nicht wohl und werde bei Großpapa bleiben, und selbst wenn ich wohl wäre, brächte mich keine Macht der Welt in jene Gesellschaft zurück, die meine Mutter und mich beleidigt hat." „Ist das Dein letztes Wort?" „Es ist mein fester Entschluß, und ich bitte Dich, mir dcßhalb nicht zu zürnen." „Ein ungehorsames Kind verdient den Fluch der Eltern und so möge —" „Halt, nicht ein Wort weiter", unterbrach ihn der Großvater, indem er sich erhob und auf seinen Sohn zuschritt. Es war eine imponirende Gestalt, noch ungebeugt trotz der Last der Jahre. Ein langer, weißer Bart umrahmte sein freundliches Antlitz, in welchem die hellblauen Augen sich blitzend auf den Sohn richteten. Er ergriff die Hand des Zürnenden und sprach, ihn an sich ziehend, leise: „Ein ungehorsames Kind verdient den Fluch der Eltern, sagst Du. Du hast Recht. Ich kenne jedoch einen Sohn, der sehr ungehorsam war, und dem seine Eltern trotzdem nicht fluchten. Du kennst ihn auch; soll ich Dir seinen Namen nennend" Der Eommerzienrath schlug vor dem durchbohrenden Blick seines Vaters die Augen nieder. Dann sprach er: „Wenn Du willst, daß Bella bleibe, so soll es mir recht sein, obschon —" „Ja", unterbrach ihn sein Vater, „ich wünsche es; ich bcdaif ihrer." „So mag sie bleiben; doch Sie, Herr Referendar, bitte ich, mir einige Minuten Gehör zu schenken." „Ich stehe zu Diensten", versetzte der junge Mann, und folgte, nachdem er sich von Bella und ihrem Großvater verabschiedet hatte, dem Eommerzienrath." * * * Als die beiden Herren sich entfernt hatten, löste sich der Bann, der auf Bella lag. Sie umarmte ihren Großvater, küßte ihm Hände und Augen und gab ihm die zärtlichsten Namen. „Dank, tausendfacher Dank, mein geliebter, innigst geliebter Großpapa!" ries sie in Extase aus; „Du hast mich vor einem Abgrund gerettet, in den meine eigenen Eltern mich stürzen wollten", und im Uebermaß ihrer Gefühle sank sie vor dem Greis auf die Knie. Doch dieser hob sie auf und sprach sanft: „Nicht so, meine Bella; man darf seine Knie nur vor jenem Vater beugen, der in den ewigen Höhen thronend, die Schicksale der Menschen und Völker lenkt. Stehe auf und laß' uns ruhig das, was sich soeben ereignet, besprechen." Bella erhob sich. Ihr Antlitz war bleich, ihre Augen vom Weinen geröthet. Der heutige Abend hatte die sorglose Jungfrau iu ein denkendes Weib verwandelt, und wie sie nun dastand, das schöne Haupt gesenkt, die Ansprache des Großvaters erwartend, hätte man in ihr nicht die Energie vermuthet, die sie soeben gezeigt. „Erzähle mir, mein Kind", forderte sie der Greis aus, nachdem er sich gesetzt und Bella auf einem Schemel zu seinen Füßen Platz genommen hatte. Bella erzählte nochmals die Ereignisse des Abends und der Großvater hörte genau zu. Als sie geendet hatte, dachte er eine Weile ruhig nach, dann sprach er: „Was gedenkst Du nun zu thun? Deine Mama gibt ein Projekt, das ihr gefällt, nicht so leicht auf, und sie wird alles daransetzen, den Plan, der die Erfüllung ihrer ehrgeizigen Wünsche mit sich bringen sollte, zu verwirklichen." „Es wird ihr nicht gelingen; in dieser Hinsicht werde ich stark bleiben, und kann ich mich nicht ferner retten, so komme ich herauf zu Dir, Großpapa, bleibe bei Dir und führe Deinen Haushalt." „Das geht nicht, mein Kind", erwiderte der Greis lächelnd; „wir wollen der Welt nicht den Unterhaltungsstoff für müßige Stunden liefern. Auch wäre meine Minna damit nicht zufrieden." „C, das wollte ich schon in Ordnung bringen. Die alte Minna und ich sind gute Freunde. Du weißt ja, ich soll das Koschermachen und die koschere Küche bei ihr erlernen." „Bei Deiner Mutter kannst Du es leider nicht erlernen; kann ich doch am Tische meines Sohnes keinen Löffel Suppe genießen!" „Du bist auch gar zu fromm, Großpapa; siehst Du, darin finde ich nun keine Sünde, Fleisch und Milch zusammen zu genießen. Freilich, Schweinefleisch könnte ich auch nicht essen; aber Rehbraten schmeckt doch recht gut, auch wenn das Reh nicht koscher geschächtet ist." „Nicht alles, was gut schmeckt, ist heilsam und dem Körper zuträglich, und nicht alles, was heilsam und dem Körper zuträglich ist, schmeckt gut," erwiderte ernst der Greis. „Das sind die Ansichten Deiner Eltern, die Du eben ausgesprochen hast.

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