Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 32 (1891)
- Issue
- Heft 23 (19.3.1891)
- Date
- 1891-03-19
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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434 versteckten Zwecke zu errathen vermag, und ob man auch gewillt ist, ein willfähriges Werkzeug in seiner Hand zu sein. Und nun kömmt die Rede des Memuchan, (1. 16—22) die ein Muster diplomatischer Klugheit ist. Er kennt die Verhältnisse im Königshause, ersieht ein, was der König will, aber er bemerkt auch die Klippe, an der ein solcher Rath scheitern kann. Das Verbrechen Waschtis durfte weder als gegen die Politik, noch als gegen die Person des Königs aufgesaßt werden, denn das wäre für diesen schädigend und beleidigend gewesen. Memuchan stellt die Sache als eine Vergehung wider das Eherecht dar, und der König fühlt sich gern berufen die häusliche Herrschaft der persischmedischen Familienväter durch die Eonstatirung eines strengen Exempcls zu ui.tei’fiftfcen nW wv "imoi W33 vw (l, 22). „. . . Damit jeder Mann der Herr sei in seinem Hause, wie er auch rede nach der Sprache seines Volkes." Wie harmlos ist doch die Bestrafung einer Lantippe, wobei der König noch den Dank aller Eheherrn sich erringt. Es ist köstlich, wie Memuchan aus der politisch conspirirenden, gefahrdrohenden und zu beseitigenden Waschti eine widerspänstige Hausfrau zu machen versteht. — Und der König gedenkt wieder zu heirathcn; mit der Fürstentochter war die Ehe nicht gelungen. (2, 1) nrwy rw twi m vi „er gedachte der Waschti und was sie gethan." Jetzt sollte cs eine Tochter aus dem Volke sein; der König strebt ja nach Popularität; was könnte ihn populärer machen, als wenn er ein Kind des Volkes zu seiner Gemahlin erheben wird. Doch welches Volk? Er darf weder die Perser noch die Meder, noch ein anderes seiner vielen Völker bevorzugen, er darf in keiner Weise bei seiner Wiederverhetrathung auf Adel, Geburt oder Abstammung sehen. Und wieder ist es Memuchan2), der einen guten Rath ertheilt. 2) Ter Rath des Memuchan ist ein doppelter: 1. „Daß Waschti nicht mehr komme vor den König", 2. .ihre Königowürde gebe der Köniz einer änderet:, die besser ist, als sie. (1, 21.) „Und die Rede gefiel in den Augen des Königs und der Fürsten und der König that nach der Rede M emu ch ans. (2, 1.) n^Nn Dnam IHN. Rach diesen Worten gedachte der König der Waschti. . . . Er gedachte, daß die Hälfte des Rathes gethan sei, die andere Hälfte noch ausstehe uird er erkundigt sich, wie denn Memuchan gemeint habe, daß diese noch übrige Handlung ausgeführt werden solle. (2, 2.) Da sprechen die Knaben des Königs :e. Wäre dieser Rath ein neuer gewesen und hätte ihn ein anderer als Wenn der König irgend einen Volksftamm auserwählt und aus diesem ein Weib nimmt, so wird das die anderen Völker beleidigen, die sich für gleich vornehm halten und glauben, daß aus ihnen ebensogut die Königin gewählt werden könne. Wenn aber der König lediglich auf das Weib sieht, nur darnach fragt, ob sie ihm gefällt, ja es sogar vermeldet, sich darnach zu erkundigen, welchem Volke seine Frau angehört, so kann kein Volk sich darüber gekränkt fühlen. Darum sollen alle Mädchen zusamcngebracht werden und werde die ausgewählt, die gefällt in den Augen des Königs. Aber auch die ganze Veranstaltung schon war geeignet, den König populär zu machen und ihm die Popularität zu erhalten. Vers 2, 3 und 4, 3 sagen uns, daß nur die schönsten Mädchen auserwählt wurden; es war also für jedes Mädchen eine Ehre in diese Schönheitsgallerie zu kommen. Und er ließ nicht etwa die Jungfrauen Spalier bilden und suchte so aus, sondern jeder Einzelnen wurde es gestattet, viele Stunden mit ihrem Könige zusammen zu sein; er lernte sie und sie lernte ihn kennen. Während dieser Zeit spielte wohl Achaschwerosch den liebenswürdigen, herzgewinnenden Mann, und wenn auch das Mädchen nicht auscrwählt wurde zur Königin — dieser Schmerz war nach kurzer Zeit verwunden. Achaschwerosch kennt die Menschen; wenn das Mädchen etwa zurückkehrt in sein Vaterhaus, wird es erzählen von der Güte und Freundlichkeit des Königs rb -jny -iösti -wn bD rw — alles was sie verlangte, war ihr gegeben worden (2. 13.) lind itod) fTiubcvit und Enkeln wird davon berichtet, welcher Ehre das Mädchen theilhaftig geworden war. Die Menschen vergessen schnell, was ihnen peinlich ist und erinnern sich stets einer Sache, derer sie sich vor minder Glücklichen rühmen können. Sicherlich haben viele der Damen zu Hause erzählt, daß der König sie gewiß zur Frau genommen hätte, wenn nicht zufällig dieser oder jener Umstand hinderlich dazwischen getreten wäre. Und siebewahrten dem König ein liebevolles Angedenken — wie ja stets Diejenigen die Werke berühmter Leute uni meisten loben, die nachher ansügcn können: und ich fcmie ihn persönlich. So versicherte sich Achaschwervsch, natürlicher Weise — diese Handlung Memuchan: gegeben, so würde das Buch Esther, daS ja sonst alle Einzelheilcn genanesienS berichtet, diesen Ralhgeber genannt haben, so aber war cs nur die Detailliruug des früheren Nathes und es wird gesagt: „Tie Knaben, die Diener", die gerade bei ihn: waren, berichteten die Sache nach den: Gedächtniß.