Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 32 (1891)
- Issue
- Heft 23 (19.3.1891)
- Date
- 1891-03-19
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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- Vashti 4× ep/1007377
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433 Ehe er zu der That schreitet, prüft er genau die Umstände, die das Gelingen derselben zu Wege bringen. 187 Tage lang hat er die Großen und das Volk um sich, und zwar in einer Weinlaune, in der man seine Gesinnung nicht zu verbergen, sondern klar an den Tag zu legen Pflegt. Wird ihm der Tod der legitimen Königin schaden, nachdem er schon drei Jahre lang den Thron inne hat? Es ist wohl nicht zufällig, daß sich „der Fall Wascht!" erst am letzten Tage des Festes abspielt. Vielleicht schon oft hatte der König die Sache provociren wollen und die Stimmung nicht günstig dafür gefunden; jetzt aber, am letzten Tage, konnte nicht länger gewartet werden. Und wenn es mißlingt, so schadet das nichts, die Sache ist nur aufgeschoben, der König wird sich in der Affaire keine Blöße geben. Nicht er selbst richtet über sie, sondern die Fürsten des ganzen Reiches sollen es thuu. Werden sie, wie erwünscht , das Todesurtheil fällen, so hat nicht der König, sondern das Reich, alle Fürsten haben sie verurtheilt und der König wird gern bereit sein, später des guten Weibes zu gedenken, das leider durch einen Fehltrilt ihr Leben verlieren mußte. 2, 1. rvte "iuj uw riN* nrwy nxi tut. ns -dt. Der König Achaschwerosch gedachte der Waschti — und „was über sie verhängt worden war". Nicht, „was er über sie verhängt hatte." Er will nur eine ganz passive, dulderhafte Rolle bei der Sache gespielt haben. So ist der Plan des Königs angelegt, der sich auf dem ihm nur zu wohl bekannten Stolze der Waschti gründet. Die Sache sollte scheinbar einer guten Laune entspringen. 1, 1. *jten 2b 310s >y'2&n dvs. „Am siebten Tage, als das Herz des Königs fröhlich war beim Weine, gebot er . . . ." Der Anstrich der Weinlaune hatte noch eine brauchbare Seite; denn mißlingt die Sache und verfällt der König dem Tadel, so ist gleich die Entschuldigung bei der Hand, „es geschah in der Trunkenheit." Diese selbst aber wird damals dem Herrscher nicht so übel genommen. (Kambyses, Alexander 2c. 2c. sind dem Trünke ergeben.) Als also der König fröhlich war beim Weine, schickt er nicht einen Mann, sondern seine eigenen sämmtliche -zte.i \jd nx D\n*wcn D'onDn nyst? «mipnx (1, 10) „sieben Hofbediente, die den Dienst hatten vor dem Angesicht des Königs Achaschwerosch" als eine Ehrengesandtschaft zur Waschti. Es fehlt nichts, was die Volksmeinung irre leiten kann und in jeder Weise wird es verdeckt und beschönigt, daß es für die orientalische Frau ein schweres Opfer sein muß, sich öffentlich zur Schau zu stellen. Achaschwerosch will, daß Waschti glänzen soll^, vor allen Völkern. (1, 11.) UD3 *jten nsten 7W1 HX XDH^ 'iDi mx-ir6 niste, „geschmückt mit der königlichen Krone, um zu zeigen den Völkern und Fürsten ihre Schönheit, denn schön von Ansehen war sie." Was kann es für ein schönes Weib Verlockenderes geben, als, angethan mit dem königlichen Schmuck, vor den Völkern und Fürsten ihre Schönheit strahlen und sich bewundern zu lassen? Ist es nicht eine hohe Ehre für das Weib, wenn der Gatte, nachdem er 187 Tage lang mit seinen Kostbarkeiten geprahlt, als das höchste Gut sein Weib bezeichnet und als den austönenden Akkord sich mit nichts Höherem zu brüsten vermag, als mit der Schönheit seines Weibes? Fürwahr, wenn Waschti auf solche Bezeugung der Liebe und Ehre mit Ungehorsam und Hochmuth antwortet, hat sie den Tod verdient; die Völker und Fürsten wissen ja nicht, wie es in dem Herzen des stolzen, unglücklichen Weibes aussieht, das gewärtigt sein kann, vom Könige vor allen Fürsten beschämt zu werden, um sie zu öffentlichem Widerstande gegen die Krone zu reizen; sie wissen ja nicht, was Waschti wohl herausfühlt, daß sie verloren ist, wie sie auch handeln wird. (1, 12.) „Aber es weigerte sich die Königin Waschti zu kommen auf das Wort des Königs durch die Hosbedienten. Da erzürnte der König sehr und 12 mjn morn sein Grimm brannte in ihm." Der König hatte den Stolz der Waschti nicht zu hoch berechnet, der Streich ist geglückt gleich auf auf den ersten Hieb, sie gehorcht nicht. Da fingirt der König einen großen Zorn; er könnte nun sofort das Todesurtheil aussprechen, doch er verfährt klüger und darum sicherer. „Und fein Grimm brannte in ihm." Er läßt sehen, wie in ihm der Grimm brennt, äußerlich aber trägt er eine edle Selbstbeherrschung zur Schau. Er will nicht über sie entscheiden, die Fürsten und Gesetzeskundigen sollen es thun, nach seinem Willen. Die Megillah bemerkt hier: -jten -in p d (1, 13.) .y-,i m ’jrp te „Denn so geschehen die Angelegenheiten des Königs vor allen Kundigen des Gesetzes und des Rechtes." Er machte es immer so, verging sich niemals gegen Gesetz und Recht, sondern gebrauchte, wie Heinrich VIII. von England das Parlament, in schlauer Weise das Gesetz zur Erreichung seines ungesetzlichen Wollens, (1,15) „was nach dem Gesetze zu thun mit der Königin Waschti." Zugleich ist ihm das Urtheil jedes Einzelnen der Fürsten ein Gradmesser der Brauchbarkeit und Anhänglichkeit desselben an ihn; er wird sehen, ob man seine