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Der Israelit · 1891-03-16 · Heft 22 (16.3.1891) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
32 (1891)
Issue
Heft 22 (16.3.1891)
Date
1891-03-16
Page
– (sequence 10)
Language
German
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420 sondern lediglich für die Fürsten und Diener, das Heer 2c. Die Fürsten, Diener, Soldaten k. sollten belohnt werden für die treuen Dienste und sollten dem Könige verbunden werden durch das Gastmahl. Jenes Gastmahl nahm für ihn etwa die Stelle der heutigen Ordensverleihungen ein; es war nicht Selbstzweck, sondern ein Mittel zu seinen Zwecken; die Fürsten, die er mit Gewalt überwunden, wollte er sich durch Wohlthaten geneigt machen, die Herzen erobern, nachdem er die Länder erobert hatte. Damit geht Hand in Hand ein, später auch oft zu bemerkendes, Streben nach Popularität. Während die Fürsten mfö Offiziere gezecht hatten, mußte das Volk von Schuschan mitzusehen. Das hätte leicht Neid und Mißstimmung gegen den König beim gemeinen Manne erregt; er aber wollte, daß auch das Volk ihn lieben solle. o'xaDjn Dyn b2b -^nn rwy ,-6xn ü’D’h nxiboai nyrD d»d' nyzw nnro 'Dp iyi rwan iwisa (1, 5.) .“^on ]rpa rrn „Und als diese Tage um waren, machte der König für alles Volk, das sich vorfand in Schuschan, der Hauptstadt, von Groß bis Klein ein Mahl von 7 Tagen im Hofe des Schloßgartens des Königs." Warum nicht für das ganze Volk des Landes; warum nur für die Schuschan lten? Die Schuschaniten hatten eben vorher mitzugesehen und ihnen war der Mund wässerig geworden; deßhalb gab man auch ihnen ein Almosen. Nachdem die hohen Herren 180 Tage durchjubelt, wird auch jenen ein Mahl von 7 Tagen bereitet. Die Volksstimme der Hauptstadt ist oft ausschlaggebend für die Landbewohner; diese mußte daher beruhigt und zugleich gewonnen werden. König Ächaschwerosch verschwendet Nichts; das ganze Land zu speisen, wäre zu theuer gekommen, man nimmt daher die Herren und die ausschlaggebende Bevölkerung heraus, und sind diese erst gewonnen, so verbreitet sich die Liebe für den König kostenlos weiter über das ganze Volk. Ächaschwerosch kennt die Menschen. Daher auch die große Prachtentfaltung, die den Orientalen imponirt. Der König hatte, nach den jüdischen Traditionen, das Reich eben erst erobert, und ruhte nun von seinen Kriegen ans. Die überwundenen Völker werden nun Furcht haben, daß sie der König mit Steuern und Abgaben schwer bedrücke. Er aber zeigt seinen ungeheuren Reichthum: Ich brauche Euer Geld nicht, ich habe schon genug. Und um dies noch mehr zu bekräftigen, bewilligt er sogar noch einen Nachlaß der gewöhnlichen Stenern. Das ist ein ebenso reicher, als liebenswürdiger Fürst, der sein Volk bewirthet und ihm sogar noch die Steuern nachläßt (2, 18); von dem ist keine Erpressung zu befürchten. (Das böse Ende kömmt allerdings nach, zum Schluß wird die Steuerschraube angezogen (10, 1), aber das ist zehn Jahre später, da ist die Herrschaft des Königs schon befestigt, da braucht er seine Absichten nicht mehr zu verhüllen.) Keine Genußsucht, keine Prunksucht, sondern Politik allüberall, sobald wir die Handlungen des Königs untersuchen. Im ersten Kapitel wiesen wir darauf hin, daß das endlose Trinkgelage zur Qual werden mußte; sicherlich fanden sich auch dazumal Leute dieser Stimmung, und der Menschenkenner auf dem Throne berücksichtigte dies sehr wohl: 21 b2 bv iVcn id' p '3 djx |’X n-D rvntwn (1, 8.) .tsrxi »’N pira nwsh vro „Und das Trinken nach Vorschrift war nicht Zwang; denn also hatte der König verordnet jedem Vorgesetzten seines Hauses, zu thun nach dem Willen eines Jeglichen." Da wurde nicht genöthigt! Es sollte sich Niemand den Magen verderben und dann in seiner verstörten Stimmung dem König gram werden, daß er ihn zum vielen Essen oder Trinken veranlaßt. Da gab es keine Courtoisie und Etignette, wonach inan essen und trinken muß, wann der König ißt und trinkt, da gab es keinen maxister didendi, kein strenges Präsidium, das die Mitglieder der Kneiptafel zuni Trinken zwingt und sie so für den kommenden Tag krank macht. Ganz zwanglos war Alles, und paßte es Einem besser, an einem Tag einmal nicht zu kommen, so blieb er fort, ohne daß ihn Jemand darum behelligte. Auf diese Weise erst war cs möglich, ein so langes Fest auch zu einem langen Vergnügen zu gestalten. Und den Vorgesetzten des königlichen Hauses, jedem einzelnen maitre de plaisir wird es noch ganz besonders eingeschärft, daß man ja Niemanden nöthigen soll! Wir sehen bis jetzt, wie Ächaschwerosch alle Umstände genau vorher erwog, wie er den individuellen Neigungen *) Rechnung trug und wie planvoll er die Sache durchführte. *) Auch im Vers 1, 22 berücksichtigt der König die Sonder Verhältnisse der . einzelnen Völker. iTJ”D Px D'*1DD cy* ny Px* mrou. „Und er sandte Briefe. in jegliche Landschaft nach ihrer Schrift und an jegliches Volk nach seiner Sprache." Wer aber die Empfindungen eines Anderen so feinfühlig in Betracht zu ziehen versteht, beweist dadurch, daß er sich in die Lage desselben zu denken vermag. Rohen Menschen ist das unmöglich; ein solches Sichversetzen in die Seele eines Anderen bezeugt Menschenkenntniß und Menschenverständniß.

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