Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 32 (1891)
- Issue
- Heft 22 (16.3.1891)
- Date
- 1891-03-16
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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416 gestellten vortrefflichen akademischen Vortrages „Die Juden in Europa" sowie der Aussprüche berühmter Männer der Jetztzeit über den Antisemitismus verwendet werden. Linz, am 22. Februar 1891. Dr. Carl v. Kißling." Agram, 18. Februar. In seinem jüngsten Fasten-Hirtenbriefe bringt Bischof S t r o ß m e y e r seine Ansichten über das Judenthum in folgender Weise zum Ausdruck: „Dieses zweite Wort indessen, das Wort unermeßlicher Liebe und Barmherzigkeit, welches Gott zum Menschengeschlechte gesprochen, wäre ganz verfälscht worden, ja es wäre verfallen und verschwunden, wenn es Gott in seiner unermeßlichen Güte und Weisheit nicht über jeden Leichtsinn, über jede Leidenschaft und Bosheit der Menschen erhoben und auf wunderbare Weise im Volke der Juden und durch dasselbe erhalten und bewahrt hätte. Dies bezeugt auf augenscheinliche, unzweifelhafte Weise das ganze Volk der Juden. Dies bezeugt und bedeutet dessen ganzes politisches und religiöses System; dies bezeugt und bedeutet dessen ganzer Gottesdienst, jedes Gebet und jedes Opfer, das es Gott darbringt; das beweisen alle dessen wunderbaren Bücher, besonders aber dessen Propheten, denen sowohl hinsichtlich der höheren Inspiration, als auch hinsichtlich der literarischen Schönheit und Vorzüge nichts an die Seite gestellt werden kann. .. . Eine übernatürliche Bedeutung dem jüdischen Volke absprechen zu wollen, hieße willkürlich die ganze Geschichte und alle Ereignisse dieses Volkes in undurchdringliche Nacht hüllen und in ein unlösbares Räthsel verwandeln; ja, das hieße sogar die Geschichte des ganzen Menschengeschlechts absichtlich fälschen, denn Gott wollte es, daß sein erstes, zweites und drittes Wort, das er zum menschlichen Geschlechte sprach, und in das er alle seine Wahrheit und Gerechtigkeit, allen Glauben, alles Leben und Heil des Menschengeschlechtes für immer gelegt, eine äußerliche That und ein sichtbares Ereigniß sei, um das sich Himmel und Erde und die ganze Geschichte aller Zeiten und Völker auf unzweifelhafte und unwiderstehliche Weise drehe". Frankreich. Nizza, 1. März. Wie der „Secolo" mittheilt, ist die Villa, die dem Vater Gambetta's gehörte, vom Baron Rothschild gekauft worden, der dieselbe zu einem Spital für israelitische Kranke bestimmen will. Italien. Garr Remo, 5. März. Baron Hirsch, der eben im benachbarten Monte Carlo (Monaco) weilt, ist dort an einer Lungencougestion nicht unbedenklich erkrankt. Indessen geht es ihm jetzt schon besser, und hat er auch schon das Bett verlassen können. Rußland. Petersburg, 5. März. Die Nachricht, daß der Kardinal Lavigerie einen Brief an den Zaren über die Lage der Juden in Rußland geschrieben habe, beruht auf Erfindung. > Vermischtes. < Göttingen. Die Mittheilung, daß Herr Rabbiner Dr. D e u t ch -Brüx die Berufung nach Göttingen abgelehnt habe, ist nicht ganz richtig; derselbe hat vielmehr seine Entscheidung bis Mitte März sich Vorbehalten. Feuilleton. Eine Erzählung aus dem jüdischen Leben in Galizivn vor fünfzig Jahren von Nathan Samuely. < Fortsetzung.) Ach Les Kapitel. Gebeugt, gebrochen und völlig vernichtet erreichte ich die Thüre meines Hauses. O, dieser Raum, in welchem so viele stille Glückseligkeit geherrscht hatte, war jetzt eine Stätte des Jammers. Meine Frau und Rachele saßen trauernd nebeneinander, sie sprachen nicht, ja sie weinten nicht einmal, aber auf ihren Gesichtern drückte sich so viel Verzweiflung aus, daß ich meinen eigenen Jammer vergaß und nach Worten des Trostes suchte, um die Unglücklichen auszurichten. Allein aus einem gebrochenen Herzen fließt nur sehr schlechter Trost. „Glaubet mir", fing ich au, verlegen nach Worte ringerid. „Glaubet mir, was der liebe Gott thut, das ist gut' gethan!" „Gut gethan!" wiederholte Rachele mit bebenden Lippen. „Ist es also gut, daß man mir meinen Mann, mein Leben, mein Augenlicht geraubt hat?" Meine Frau fing an laut zu schluchzen, Rachele weinte still in sich hinein, und auch ich konnte dem Laufe der Thräneu nicht Einhalt thun. Ich sah es ein, daß in so verzweifelten Augenblicken ein derartiger Trost nur wenig geeignet war, das verwundete Herz zu heilen. Die Nachbarinnen kamen, eine nach der anderen, und suchten den Unglücklichen Trost zuzusprechen, allein auch sie fanden nicht das rechte Wort zur rechten Zeit. „Sind Sie doch nicht die Einzigen," sagten sie, „die von einem so harten Loos betroffen worden." „Aber Jankele ist ja unser einziges Kind", erwiderte meine Frau, „unsere Freude, unsere Stütze, unser Leben, unser Alles." Da kam noch an demselben Tage ein viel besserer Tröster, der das rechte Zauberwörtchen kannte, mit welchem der große Schmerz gebannt wird: kein Anderer als unser Jankele. Er erschien bereits als Soldat gekleidet, doch merkwürdig, nicht gebeugt, wie ich ihn heute Morgens gesehen,