Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 32 (1891)
- Issue
- Heft 22 (16.3.1891)
- Date
- 1891-03-16
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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417 sondern stolz aufgerichtet, und ich muß gestehen, daß seine schöne, schlanke Gestalt sich gar vortheilhaft in diesen knapp anliegenden Gewändern ausnahm. „Jankele!" so rang es sich uns Allen bei seinem Anblicke von den bebenden Lippen, und der Nus klang wie Ueberraschung über etwas Wiedergefundenes, das man verloren gegeben. „Jankele!" wiederholte er mit munterem Tone. „Freilich bin ich das, was ich war; nicht um ein Haar weniger. Eure Thränen, und Eure Verzweiflung, liebe Eltern, lassen mich schier an Eure Gottergebenheit zweifeln, die Ihr alle Zeit so glänzend bewährt habt. Ich bin derselbe, der ich war, und werde es stets bleiben. Als Soldat werde ich meine Pflicht erfüllen, meinem Kaiser und Herrn dienen, dann kann mir gar nichts Arges geschehen. Dir, lieber Vater, schwebt immer jenes Bild des Soldaten vor, der unter mörderlichen Spießruthen so gräßlich mißhandelt wurde. Wer seine Pflicht erfüllt, ist solcher Strafe nicht ausgesetzt, der wird vielmehr von seinem Vorgesetzten ausgezeichnet. „Fürchtet Ihr vielleicht, daß ich als Soldat nicht mehr die frommen Bräuche unserer Religion üben werde, dann irrt Ihr Euch nicht wenig. Ich werde wie bisher die frommen Lehren, die Ihr mir seit meiner Kindheit eingeflößt habt, nicht außer Acht lassen, sie werden mir überall, wohin ich auch immer gehen werde, wie Leitsterne voranleuchten. Oder meinet Ihr, liebe Eltern, daß es eine gar so unvertilgbare Schmach sei, ein Kind unter den Soldaten zu haben, dann ist es von Euch noch weniger gerecht, — heißt es ja auch von Gott, Er sei ein Herr des Krieges. Bleibet also, liebe Eltern, heiter und wohlgelaunt, suchet wie immer Euere Lebensfreude in der Arbeit und es wird sich noch Alles zum Guten fügen." — Ohne den Eindruck seiner Worte abzuwarten, wandte er sich hierauf zu seiner Rachele, hob sie wie ein Kind zu sich empor, legte ihren Kopf an seine Brust und küßte ihr die Thränen aus den Augen. „Du beweinst mich ja. herzliebes Rachele", scherzte er, während die zurückgehaltenen Thränen ihm schier die Kehle zusammenschnürten. „Du beweinst mich ja, wie wenn ich gestorben wäre. Schau mich einmal an, süßes Kind, da steh ich ja vor Dir mit ganzen, heilen Gliedern. Freilich stecken sie in militärischer Gewandung; aber das beweist ja nur, daß ich einige Jahre dienen werde, und hat nicht auch Jakob um seine Rachel sieben Jahre gedient? Ich brauche mir ja nur einzureden', daß ich um Dich diene und die sieben Jahre werden kaum wie Tage in meinen Augen sein, ganz, wie es bei Jakob heißt. Weißt Du aber auch, mein Herzlieb, warum Jakob seine Rachel so sehr liebte? weil sie so gut, so fromm, so gottergeben war und weil sie so schöne Augen hatte. Bleibe daher auch Du mir ein gutes, frommes Rachele und trübe Dir nicht durch Thränen die schönen, lieben Augen. Wie schnell werden die Paar Dienstjahre verschwinden und dann sitzen wir wieder am Nähtischchen und arbeiten und kosen und scherzen und singen, so frei, wie die Vöglein im Walde!" So verstand mein Jankele zu sprechen; es waren nicht blos Worte, sondern auch heilender Balsam, der ihm von den Lippen floß. Als er uns verließ, war uns wunderbar zu Muthe; wir wußten selber nicht, was wir empfanden, etwas Süßes, Wonnigliches, Ueberraschendes! Meine gottselige Frau war die Erste, die das Schweigen brach. „Die wahre Lebensfreude", sagte sie, „liegt in der Arbeit — wie recht hat unser Jankel!" „Ja", erwiderte ich, „wir können alle zu ihm in die Lehre gehen, sowohl was frommes Denken, als was frommes Handeln betrifft." Rachele jedoch sprach kein Wort, aber wie ein Lichtbote aus ihrem heilen Herzen erschien ein gar seliges Lächeln auf ihren Lippen. Schweigend und vor sich hinlächelnd, zog sie sich in ihr Stübchen zurück, und als sie dasselbe eine Viertelstunde später verließ, war alles darin schmuck und sauber, der Fußboden gescheuert und die Fensterscheiben spiegelbank geputzt. Uns legte sie auf dem Rähtischchen alles zurecht, gleichsam, als wollte sie sagen: „Liebe Eltern, zur Arbeit!" (Fortsetzung in der nächsten Montags-Nummer.) GTT ID T .nnyr nirotr Dntot^iö *rg dt?. tD'ttnn n&y vpik d# rp'y?iNT ab nn# W iDtp ripsn Dyy in# b#p? riK? pyy npTirn ,i'^ Diipn *insn ,nT£g; ngtpD d.t>5 n# d^ib Wp "Tg. DA n&Bp Tig : THfö W A.7. 'AP 7p. ,n;n