Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 32 (1891)
- Issue
- Heft 21 (12.3.1891)
- Date
- 1891-03-12
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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396 Haft funktionirenden, ganz unentgeltlichen Schulen der englischen Mission besuchen, in die neugeschaffene israelitische hinüberzuleiten. Doch beträgt die Zahl der Schülerinnen schon jetzt über 160 und erhalten sie Unterricht von Fräulein Jliowicz (Directorin) und Lö bl, sowie im Hebräischen von Herrn Lichtig. Bei der Einweihung war auch der Bürgermeister Protopopescu-Paka zugegen, der in seiner Ansprache die schöne Initiative des Schulvereins lobte, bemerkend, daß die Stadt von ihren Einkünften „nicht Alles" (? natürlich für Juden!) machen könne und darum die Privaten sich zu Bildungs- und Wohlthätigkeitszwecken vereinigen müssen. Als Zeichen seines persönlichen Wohlwollens spendete er 100 Frcs. aus seiner Privatkasse. Es war längst ein dringendes Bedürfniß nach einer israelitischen Mädchenschule, denn von den ganz ohne Unterricht Gebliebenen absehend, ist durch den viele Jahrzehnte dauernden Einfluß der englischen Missionsschulen eine Generation herangewachsen, die zwar die Taufe nicht genommen, aber nicht Juden und nicht Christen, sich für „freigeistig" ausgibt und darum den am Judenthum Festhaltenden desto schädlicher sind. — lieber das im Auslande sicher lächerlich erscheinende, in Rumänien Leib und Leben besitzende Erforderniß seit 1879, daß Inländer erst noch ihre Naturalisirung nachsuchen müssen, äußerten sich jüngst mehrere unserer großen Tageszeitungen in scharf kritisirender und das Verhalten der Kammern verurtheilender Weise. Der „Constitutionalul", Organ des uns geneigten ehemaligen Ministerpräsidenten Petru Carp kommt zu dem Schluß, daß da die eingeborenen Israeliten, unbarmherzig zurückgewiesen, ja gar nicht in Debatte genommen werden, so müssen die Abgeordneten den Artikel VII wohl so verstehen, daß „nur Russen, Bulgaren und Serben das Recht haben das Jndigenat zu verlangen". Letzteres ist in der That sehr wahr, dem am meisten erhalten es solche und zw. weil sie „orthodoxer" d. h. griechisch-orientalischer Religion sind, wie die Rumänen. Und da sage man noch, daß die rumänische Judenfrage keine religiöse sei! Bis jetzt liegen mehr als 2500 Naturalisationsgesuche in den Kammern, manche schon seit 11—12 Jahren! Aber als Jude kommt man gar nicht einmal auf die Tagesordnung. — Unter den verschiedenen unnöthigerweisc importtrten Gesetzen haben wir auch ein Lotteriegesetz, welches das Spielen in auswärtigen Lotterien, als Solche, das Anpreisen derartiger Loose rc. verbietet — was bei uns um so weniger Sinn hat, als in Rumänien eine Staatslotterie nicht vorhanden, daher ein fiskalisches Interesse nicht zu schützen ist. Ich brauche wohl nicht noch zu sagen, daß das Gesetz nur auf die Juden gemünzt ist, die sich mit dem Verkauf befaßten. Um dies noch greller zu zeigen, wurde in Folge minister. Circulars sogar einer Anzahl Banquiers der Prozeß gemacht, wegen Verkaufs verloosbarer Börseneffekten, was im Gesetz gar nicht steht und nicht „Lotterte" ist. Bei uns geht eben Alles darauf den Juden das Brod wegzunehmeu, wenn nicht durch Gesetz, dann durch ministerielles Circular. ' Palästina. Jerusalem, 13. Febr. „Habazeleth" drückt sein tiefstes Bedauern aus und tadelt es mit ernsten Worten, daß viele israelitische Kranken immer noch die Aerzte der englischen Missionäre consultiren, obgleich jetzt zwei jüdische Armenärzte mit größter Aufopferung unentgeltlich oder in einzelnen Fällen für ein nur ganz geringes Entgelt ihres schweren Amtes walten. Es wäre in der That höchst traurig, wenn, nachdem die deutschen Inden den langjährigen Klagen aus der h. Stadt durch Entsendung zweier jüdischer Aerzte Abhilfe gethan, die tsrael. Bevölkerung diese Wohlthat zurückweisen würde. Wir hoffen, daß der oben geschilderte Mißstand sofort aufhören werde. Feuilleton. -> Koöe Kreise. Novelle von H. Berger. (Alle Rechte Vorbehalten.) (Fortsetzung.) Bella hatte sich wieder zu ihrer Freundin gewandt, und als diese sie mit dem schönen Neiteroffizier neckte, wurde Bella böse und sprach: „Das geht über den Scherz; das ist eine Beleidigung; merke Dir, ich bin Jüdin, und nie, nie werde ich einem Nichtjuden meine Hand fürs Leben reichen." „Aber wenn Deine Eltern es wünschen?" „Ich habe meinen Eltern noch nie den kindlichen Gehorsam verweigert; sollten sie aber von mir verlangen, daß ich einem Nichtjuden mich vermähle, so würden sie eine ungehorsame Tochter finden." „Hat nicht Ella B. den Baron Pgeheirathet, und ist sie nicht glücklich? Kommt sie jetzt nicht in die höchsten Kreise?" „Ella B. hat den Baron P. geheiratheit und kommt freilich in die höchsten Kreise. Daß sie aber glücklich ist, möchte ich bezweifeln. Uebrigens ist der Begriff glücklich individuell." Die Unterhaltung der Damen wurde hierdurch einen Diener unterbrochen, der Bella zu ihrer