Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 32 (1891)
- Issue
- Heft 21 (12.3.1891)
- Date
- 1891-03-12
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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399 J. M. Gronau. In unserer Nachbargemeinde Elze beging am verflossenen Mittwoch der in unserer Provinz und über dieselbe hinaus wohlbekannte und allgemein geachtete Herr Samuel Wolfes den Tag seines 70. Geburtstages, wozn ihm von Nah und Fern Beweise herzlichster Theilnahme erbracht wurden. Er ist langjähriger Vorstehex der Gemeinde Elze und erfreut sich besonders-Megen seiner Thätigkeit als fcr.ö allgemeiner Beliebtheit. Trotz seines hohen Alters erfüllt er in uneigennützigster Weise sein heiliges Amt; keine Kosten und Mühe scheuend, ist er die heil, ross rein ncvb D”po. Wir wünschen ihm vd» 'n. Oberhausen. Vor der Strafkammer des kgl. Landgerichts wurde am Donnerstag, 5. d. M., folgender Fall, der viele Leser des „Israelit" interessiren dürfte, verhandelt. Als im Oktober v. I. die Beerdigung des in Wesel verstorbenen Kaufmanns Platen stattfand, wurde der betreffende Lehrer, während er die Leichenrede hielt, durch die Worte: „Es ist wieder ein Jnd' kaput! Hurrah!" unterbrochen. Allerdings währte die Störung nicht lange und die Beerdigung fand nach ritueller Weise statt. Der Vorstand der Gemeinde zu Wesel erstattete Anzeige und es entpuppten sich als Thäter zwei halbwüchsige Burschen von 17 und 14 Jahren. Auf der Anklagebank versuchten dieselben zu leugnen, allein cs nutzte wenig, denn durch Zeugen wurde nachgewiesen, daß solche nicht nur gelacht hatten, sondern daß auch factisch obenerwähnter Ausdruck gefallen ist. Einer dieser Angeklagten wurde zu drei Wochen Haft verurtheilt, während der 14jährige mit einem strengen Verweis davonkam. Der Gerichtspräsident tadelte auf's Schärfste diesen Ausdruck und setzte auseinander, daß man alle Confessionen achten und schätzen müsse. Besonders finde er es für roh, da, wo Leidtragende versammelt sind und eine gottesdienstliche Handlung ausüben, solche zu stören. Auch bemerkte der Gerichtspräsident dem Angeklagten, der der katholischen Religion angehört, daß, falls die Beerdigung eines Katholiken stattfände und ein Jude würde rufen: „Wieder ist ein Katholik kaput! Hurrah!" wie würde man da gegen die Juden loshetzen. Der Verthcidiger der Angeklagten erkannte den Ausdruck auch als roh an, beantragte aber Freisprechung, was ihm indeß nicht gelang. Oldenburg. Eine große „D i s h a r m o n i e" wurde durch das Harmonium hier hervorgerufen. Für das Großh. Oldenburg, Landesrabbinat, sind ca. 40 Bewerbungen eingelaufen, von denen aber nur drei Berücksichtigung fanden. So sprach am Sabbat Schekalim Herr Rabb. Dr. M a anheim er aus Lauen bürg, der anfangs durch seine conseguente Frömmigkeit zwar mißfiel, aber doch sehr imponirte. Nach seiner Probepredigt herrschte aber eine solche allgemeine Begeisterung, daß er ohne Zweifel e i n st i m m i g gewählt würde, wenn er nicht die Bedingung, daß an den hohen Feiertagen ein Harmonium in der Synagoge spiele, refüsirt hätte. Herr Dr. Mannheimer sprach in der Sitzung vor dcnl gesummten Landgemeinderath sein streng orthodoxes Prinzip ans, mit der Bemerkung, daß er sich um das hiesige Landesrabbinat beworben habe, weil er sich berufen fühle, dem so gesunkenen Judenthum im Lande Oldenburg wieder Ansehen zu verschaffen, damit auf dem Rabbinate, wo einstens Samson Raphael Hirsch und der Großrabbiner Adler aus London gethronet, wieder ein frommer Rabbiner Platz finde. Das Harmonium und sonstige Reforme dulde er unter keiner Bedingung, und er fühle sich verpflichtet dies vorher mitzntheilen, damit später Zwistigkeiten erspart blieben. Seine Offenheit fand allgemeinen Beifall; es ist nur fraglich, ob er damit durchdringen wird. Die Zukunft wird cs lehren. R u m ä n i e n. vr. C. Bukarest, 4. März. Ich habe schon in früheren Jahren darauf hingewiesen, daß die aschkenasischen Israeliten unserer Hauptstadt unter den Institutionen, die einem Gemeinwesen unserer Konfession nöthig sind, eine Mädchenschule nicht zählte. Diesem Mangel ist erst vor Kurzem abgeholfen worden, indem der Verein „Fraternitäten Zion" mit Hilfe verschiedener Mittel eine solche ins Leben rief, und zw. schenkte die Tempelgemeinde den Bauplatz, im Hofe des Tempels gelegen, die „Zion"-Loge gab 13.918 Frcs., die sie langsam angesammelt hatte, der Damen- Verein „Karoline Löbel" 2,443.15 Frcs. n. s. w. Dazu wurde noch eine von der Regierung autorisirte Geldlotterie veranstaltet, die aber leider nicht so viel Interesse hervorrief, wie die zu christlichen Kirchenbauten und zu anderen christlichen Zwecken, so daß sie nicht viel eingebracht haben kann zu den Schulunterhaltnngsfonds, für welchen Zweck sie bestimmt war. Der Bau kostete incl. Möblirung rc. 34,685.05 Frcs.; er enthält 5 große Klassensäle und einen für die Sitzungen des „Zionvereins", sowie Wohnung für die Direktorin und den Hausbesorger, alles sehr geräumig, hygienisch und nach den modernen Erfordernissen für Schulbauten. Vorläufig sind nur .zwei Klassen eingerichtet, da es bei der Kürze der Zeit und auch wegen der Unterhaltskosten, namentlich des Lehrpersonals, noch nicht möglich ist die Mädchen, die ganz ohne Schule sind, und noch weniger diejenigen, welche die — man muß es anerkennen — ausgezeichneten und muster-