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Der Israelit · 1891-03-12 · Heft 21 (12.3.1891) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
32 (1891)
Issue
Heft 21 (12.3.1891)
Date
1891-03-12
Page
– (sequence 3)
Language
German
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m den will, zufällig identisch sind, konnte dem Achaschwerosch wohl peinlich sein, doch diese Möglichkeit war ja von vornherein durchaus nicht ausgeschlossen, er konnte darauf nicht so vollständig unvorbereitet sein. Wäre dies letztere aber wirklich der Fall gewesen, so hätten wir hier wiederum einen Beweis von der Kurzsichtigkeit des Mannes, der die Tragweite seiner Handlungen und Verfügungen absolut nicht zu beurtheilen versteht. Wenn Hamann nun von den Persern gesprochen und der König sein eigenes Todesurtheil unterschrieben Härte? Er ist ein so leichtsinniger und unvorsichtiger Herrscher, daß er den geringsten Anforderungen, die man an einen Politiker, ja die man an jeden vernunftbegabten Menschen stellen muß, nicht entspricht, ein nach der moralischen, wie nach der intellectuellen Seite hin gleich unfähiges, defektes Geschöpf. Doch es kömmt noch besser. .nrn jnn pn a"ixi t» p*x *wdn nown (7. 6) „Und Esther sprach: Ein Mann, ein Dränger, ein Feind, dieser böse Haman, da erschrack Haman sehr vor dem König und der Königin." Der König läuft im höchsten Zorne hinweg, Haman stürzt vor Esther nieder; seine Hinrichtung scheint ihm gewiß, er fällt in der letzten, höchsten Noth seiner erbitterten Feindin zu Füßen, der Engel des Todes schwebt bereits über ihm. Da kömmt der König zurück und sieht Haman in dieser Stellung rix djh -jVon naxn rvaa »»y na^on. (7. 8) „Da sprach der König: auch noch der Königin Gewalt anthun wollen bei mir im Hause!" Meinte Achaschwerosch wirklich, daß in dem Augenblick, da der Todesstoß nach deni Herzen Hamans zuckt, da der König im hellen Zorn hinauslief und im nächsten Augenblick wieder kommen muß, daß Haman in diesem für ihn höchst gefährlichen, kritischen Moment, der über sein Dasein entscheidet, von einer weinseligen Wollust angewandelt wurde? Daß Haman so wahnsinnig sei, in solcher Lage, und dazu unter den Augen des Königs, diesem sein Weib rauben zu wollen; daß er ein übermüthiges Späßchen begehen will, da er an der Schwelle des Todes steht? Wie lächerlich, wie ganz dumm und thöricht ist eine solche Meinung! Fürwahr, Achaschwerosch muß ein Narr, ein ganz unzurechnungsfähiger, geistig defekter Mensch gewesen sein, wenn ein solch' verschrobener Gedanke in seinem Gehirne Platz greifen konnte. In der That ist das im Volke weit verbreitete Urtheil über den Perserkönig kein günstigeres, als wir es eben ausgesprochen. Wie aber ist es möglich, daß ein solcher Mensch ein Reich von 127 Provinzen zu beherrschen vermag? Man muß nicht meinen, daß es im Alterthume leichter gewesen sei, zu herrschen als heute. Auch damals wüthete der Kampf um's Dasein, der Klügere überwand den weniger Klugen, der Schwächere mußte dem Stärkeren den Platz räumen. War es nicht eine ungeheure Aufgabe, ein weltumfassendes, aus den heterogensten Elementen zusammengesetztes Reich mit einer kräftigen Faust zu umschließen, erforderte das Zusammenhalten dieser Monarchie nicht einen eminent politischen Kopf? Das Reich Alexanders des Großen fällt sofort auseinander, nachdem die es belebende Seele des großen Griechenfürsten entflohen ist. Jeder einzelne Theil strebt centrifugal vom Ganzen weg, will sich von der fremden Tyrannei befreien und muß stets von Neuem durch Lift und Gewalt zurückgebracht und wieder angcfeffelt werden. Aber nehmen wir sogar an, das Weltreich sei im tiefsten Frieden gewesen, würde ein solch unvernünftiger, plan- und gedankenloser Mensch, wofür wir bis hierher den Achaschwerosch gehalten haben, nicht sehr bald einer Palastrevolution unterlegen sein, wie wir solche stets im Alterthum (und noch in diesem Jahrhundert in Rußland) finden, wenn der Herrscher unfähig ist? Wenn wirklich Achaschwerosch so ganz der Sklave seiner Leidenschaften war, so hätte irgend ein Fähigerer täglich die Gelegenheit gehabt, die Leidenschaften des Königs zu überreizen und zu dessen Vernichtung zu gebrauchen. AberdiejüdischenWeisen erzählen unssogardieihnen mündlich überkommene Tradition, daß Achaschwerosch nicht der legitime Monarch, sondern ein Usurpator gewesen sei, der sich durch Klugheit, Verschlagenheit, List und Gewalt zum Herrscher über dieses Weltreich emporgeschwungen habe*). Der Eroberer, Stifter und Beherrscher dieses Weltreiches — der ein seif made man — kann unmöglich eine so geringe geistige Beanlagung besessen haben, wie es auf den ersten Blick erscheinen will. Viel eher müssen wir zugestehen. daß wir die verschlungenen Wege seiner hohen Politik nicht zu überschauen vermögen. Je widerspruchsvoller, je scheinbar unbegreiflicher ein Character, desto interessanter und zu seiner Erforschung anreizender ist derselbe. Vielleicht gelingt es uns, die Dunkelheit zu lichten und den Schlüssel zu dem Character des persischen Herrschers zu finden. Wie eine Geheimschrift uns eine Fülle wüster und scheinbar sinnloser Zeichen barbieret und wir plötzlich den tiefen und versteckten Sinn erkennen, sobald wir den Schlüssel gefunden, so auch die *) Raschi nach Mid. Esih. Rabah zu I, 1. .nai^on yno n\n xh lDsyo "i^dV ,^cn

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