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Der Israelit · 1891-03-12 · Heft 21 (12.3.1891) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
32 (1891)
Issue
Heft 21 (12.3.1891)
Date
1891-03-12
Page
– (sequence 2)
Language
German
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392 Leitender Artikel. Zur WaraKteristiK des Königs Achaschwerosch. Von Dr. I. Lehmann. I. Betrachten wir jene Reihe Non Thatsachen, die uns das Buch Esther in seiner schmuck- und kritiklosen, rein geschichtlichen, lediglich Geschehnisse berichtenden Weise von dem Könige Achaschwerosch erzählt, so stehen wir vor einer Fülle von Rätbseln, vor einem undurchdringlichen Wald von Widersprüchen. ‘po, einen schwanken, unsteten Menschen nennt ihn Rabon Gamliel im Traktat Megilah. Man fühlt sich zu noch härterem llrthcil geneigt, wenn man sich die Handlungen dieses Mannes, denen oftmals jeder Sinn zu fehlen scheint, vergegenwärtigt. Er gibt ein 187 Tage dauerndes Trinkgelage. Man bedenke nur, in welchem Zustande geistiger Bersumpftheit sich ein Mensch befinden muß, dem cs Freude macht, 187 Tage lang hintereinander zu zechen, der selbst die Gelegenheit hierzu gibt, indem er ein Fest von so langer Dauer veranstaltet. Und in seiner tollen Weinlaune am Ende des Festes verlangt er, daß die Königin aus den abgeschlossenen Gemächern ihres Fronenhauses hervorkomme und vor den trunkenen Gästen sich zur Schau stelle. Sie verweigert es, ihrer königlichen Würde bewußt, und er läßt sie tödten, weil sic seinem übermüthigen Verlangen nicht zu willen war. Nachher sehnt er sich wieder nach einem Weibe; nicht nach Geburt, Adel oder Geist, wie es wohl einem Herrscher geziemt, will er wählen, nicht die Tochter eines seiner großen Fürsten, nicht ein Mädchen, das durch Eharaktcr hervorragt; nein, die Jungfrauen ans seinem ganzen Reiche läßt er zusammentreiben, wie eine Heerde, und da will er sich die Schönste heranssuchen. Nur dem Gelüste seiner Augen will er fröhnen. hnd N’n mjn. Y>cn dn nsn myjn nm ."ftun Y.y Ni2n sw D’Eon rva bx rau (K. 2, V. 13, 14.) „Und so kam das Mädchen zum König. . . . Am Abend kam sie und am Morgen kehrte sie zurück in das Frauenhaus ... sie kam nicht mehr zum König . . Wir sind starr über die rohen Thaten des zügel- und vernunftlosen Thieres, das ans dem Throne von Persien sitzt. Später beansprucht ein Günstling, daß Alles vor ihm niederkniee und der König erniedrigt sich so weit, diesen Wunsch zum Befehl zu machen. Derselbe Günstling erbittet sich nachher ein Volk zum Umbringen, und der König gestattet ihm gern diese Kleinigkeit; er hält cs noch nicht einmal der Mühe werth, zu fragen, was dies für ein Volk ist. Er ertheilt ihm seinen Siegelring und gibt ihm unbeschränkte Vollmacht, zu handeln in des Königs Namen. Einige Zeit darauf fragt er, im höchsten Grade erstaunt und entrüstet die Esther bei dem Gastnmhle nwjp ivb inVd ->b*n nih w n; nin 'v p. Wer ist das und wo ist der, der die Frechheit hat, also zu thun?" (7, 5). Und als Esther nun gar den Haman nennt, da wird der König so wüthend, daß er an der Tafel nicht mehr zu bleiben vermag, und im höchsten Grimme eilt er in den Garten. Woher diese Entrüstung, woher das Erstaunen? Sollte er vergessen haben, daß er dem Haman unumschränkte Vollmacht gegeben? Er mußte sich doch wenigstens erinnern, daß er seinen Siegelring nicht mehr besaß und hiermit die Befugniß der höchsten Gewalt dem Haman anvcrtraut? Und wenn er das Gedächtnis; eines Idioten gehabt hätte, er würde doch wohl nicht vergessen haben, daß er seine Macht dem Haman übertragen; sein Erstaunen und sein Zornesausbruch, als der Name Hamans genannt wird, bleiben vollständig unerklärt. Eines erimen laesae majestatis, eines Verbrechens gegen die Person des Königs oder der Königin hatte sich Hanlan bewußter Weise nicht schuldig gemacht. Vom Standpunkt der Gerechtigkeit, wie der Menschlichkeit ist Haman zweifellos ein Verbrecher, ein Vergehen gegen das bestehende Gesetz aber hatte er nicht begangen. Er hatte in keiner Weise die ihm vom König gegebene Vollmacht überschritten, im Gegenthcil, er ist so vorsichtig, daß er noch um die besondere Erlaubniß zur Tödtung Mordechais bitten will, während schon das ganze Volk ausnahmelos in seine Gewalt gegeben war. Achaschwerosch hatte kein Recht, den Haman dafür hinzurichten, daß er das thun wollte, was er ihm selbst gestattet hatte. Man könnte hier einwenden, daß der König deßhalb so zornig geworden, weil er jetzt erfahren, daß das zum Tode bestimmte Volk die Verwandtschaft der Königin sei. Aber was war hierbei wunderbares? Hatte doch die Königin ihre Abstammung verheimlicht und Achaschwerosch nicht nach dem Namen des dem Tode geweihten Volkes gefragt. Daß das unbekannte Volk der Königin und das dem König unbekannte Volk, das Haman mor-

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