Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 32 (1891)
- Issue
- Heft 21 (12.3.1891)
- Date
- 1891-03-12
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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XXXII. Jahrgans. J|o AI. Israelit Jeschurun. Beitröjiift Ml JFöcöerung D. Gkljtes sitz jStz. ßrbess in gm. Gmklstzt sstz Zlyslk. Aentrat-Hrgan für das orthodore Iudentßum. Begründet von Dr. Lehmann in Mainz. Donnerstag, den 12. März 5651 (1891). Au Bayern s Iuüeltag. Mainz, 12. März. Wohl selten hat ein Herrscher unter so schwierigen Verhältnissen die Regierung eines Landes übernommen, wie S. K. H. Prinz Luitpold, der Prinz-Regent von Bayern, der heute seinen siebzigsten Geburtstag begeht. Roch lebhaft steht uns die Krisis vom 13. Juni 1886 vor Augen. Welche Aufregung im ganzen Bayernlande und namentlich in München. Auf allen Straßen und freien Plätzen hatte sich das Volk szusammengerottet und einzelne Aufwiegler suchten durch unwahre und ungerechtfertigte Behauptungen Unruhe zu verbreiten. Doch kraftvoll stellte sich der Fürstensohn an den ihm von Gott angewiesenen Platz und alle niederen Leidenschaften mußten in die Finsterniß zurückziehen. Auch die Juden Bayerns waren, wie ihre Mitbürger anderer Confessionen, sehr betrübt über den frühen Tod Ludwigs II. War dieser ihnen doch stets ein liebevoller und wohlwollender Monarch gewesen; den Prinzen Luitpold aber kannte man noch nicht in seiner Eigenschaft als Herrscher. Da wurde das finstere Gewölk von Sonnenstrahlen durchbrochen, und alles rings umher erhellte. Welch' eine frohe Botschaft brachte damals „der Israelit" den bayrischen Juden, als er das huldvolle Dankschreiben veröffentlichte, das Bayerns Regent an den Redakteur dieser Blätter gerichtet. Es war dazumal eine der ersten Kundgebungen vom Wittelsbacher Throne, dem noch viele Bezeugungen der Gnade folgten. Alle Juden Bayerns jubelten dem neuen Herrscher zu, denn er hatte dargethan, daß er ihnen ein liebevoller und gerechter Herr sein werde. Und in der That: Die Herrschaft Luitpolds ist zu einer Musterregierung geworden für alle Zeiten. Ein kraftvolles und entschiedenes Wesen zeichnet ihn aus und daneben besitzt er eine Liebe, Güte und Milde, wie sie nur wahrhaft großen Seelen eigen ist. Schreiber dieser Zeilen hatte vor einigen Monaten Gelegenheit sich von der Größe dieser letzteren Eigenschaften zu überzeugen. Es war bei jenem Unglücksfall, da der Wagen des Regenten von der Dampfstraßenbahn umgeworfen wurde. Alles jubelte auf, als man den geliebten Fürsten unverletzt sah. Nur der Lokomotivführer war traurig. „Man wird mich aus meinem Brode jagen wollen", sagte er, „aber ich mache eine Eingabe an den Prinz-Regenten, der wird es gewiß nicht erlauben." So sicher zählte auch der Geringe aus dem Volke, der soeben erst den hohen Herrn, allerdings ohne jede Schuld, geschädigt hatte, auf die unendliche Güte seines Landesvaters. Der Trambahnführer hatte übrigens nicht nöthig, eine solche Eingabe zu machen, denn Luitpold ließ sogleich die Trambahndirektton ersuchen, es möge Keinem der betheiligten Beamten durch diesen Unfall eine Unannehmlichkeit widerfahren. Bayern nicht allein, Alldeutschland kann stolz sein auf den Prinz-Regenten Luitpold.