Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 32 (1891)
- Issue
- Heft 20 (9.3.1891)
- Date
- 1891-03-09
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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388 Wien, 3. März. mpN w» In Nr. 5 des „Israelit" habe ich bekanntlich die Leidensgeschichte einer armen hiesigen Wittwe, der ehemaligen Branntweinverschleißerin Rosa Wasser, deren Gatte auf dem Meere verunglückt ist, erzählt. Daraufhin ließ mir ganz unaufgefordert ta-i»» D’jDm ’ja Doam, Herr Zimmer in Fürth durch die Redaction des „Israelit" einen kleinen Beitrag mit der Bitte zukommeu, denselben der genannten Wittwe zu übergeben. Nach langem Umhersuchen gelang es mir endlich Frau Rosa Wasser in der Leopoldstadt, Floßgasse Nr. 9 zu entdecken, wo die Arme mit ihren drei Kindern und noch einer alten Frau einen kleinen, schmutzigen Gassenladen bewohnt, dessen ganze Einrichtung aus einem Bette, einem zerbrochenen Tische und zwei Sesseln, deren Füße aber schon stark an Alterschwäche leiden, besteht. Ich übergab ihr die erwähnte Gabe und ließ mir dann von ihr noch mittheilen, daß sie jetzt mit Seife hausiren geht, wobei sie täglich 30 bis 40 Kreuzer verdient. Davon muß nun sie mit ihren drei Kindern leben. Natürlich ist es nicht mein Zweck mit diesen Zeilen meine Glaubensbrüder im deutschen Reiche „anzuschnorren", denn diese haben genug mit ihren eigenen Armen zu thun. Ich will nur die Israeliten Wiens, zumal die in der Leopoldstadt, auf die traurige Lage dieser Wittwe mit ihren drei unmündigen Kindern aufmerksam machen, damit man ihr einige Hilfe angedeihen lasse, und habe ich daher auch deren genaue Adresse oben angegeben. Wien, 5. März. Im Wahlkreise Hernals erhielten von 7344 Stimmen Prinz Liechtenstein 2975, Kronawetter 2737, die übrigen Stimmen zersplitterten sich zwischen anderen antisemitischen und dem sozialdemokratischen Kandidaten. Uebermorgen erfolgt die Stichwahl zwischen Liechtenstein und Kronawetter. In der Wiener Neustadt wurde Pernersdorfer mit Hilfe der sozialdemokratischen Stimmen gegen Adam Trabert (Antisemit) wiedergewählt. In der inneren Stadt Wien wurden die vier deutsch-liberalen Kandidaten Herbst, Kopp, Jaques und Exner mit erheblicher Mehrheit gewählt. Im Wahlkreise Leopoldstadt drang der bisherige deutsch - liberale Abgeordnete Professor Eduard Süß durch, ebenso im Wahlkreise Landstraße der bisherige deutsch-liberale Vertreter Sommaruga, der von den Antisemiten heftig bekämpft wurde. Im Wahlkreise Margarethen kommt der bisherige Abgeordnete Lueger (früher Demokrat, jetzt Antisemitenführer) in die Stichwahl mit dem deutsch-liberalen Gegenkandidaten Gerhardus. Im Wahlkreise Mariahilf wurde Advokat Pattai (gemäßigter Antisemit) wiedergewählt. Im Wahlkreise Josefftadt, der bisher von Kronawetter vertreten ' wurde, siegte der antisemitische Kandidat Professor Schlesinger. Im Wahlkreise Alsergrund findet Stichwahl zwischen Profefior Wahrmuth (Antisemit) und dem bisherigen deutsch-liberalen Abgeordneten Wrabetz statt. Wien, 5. März. Bei den heutigen Städtewahlen in Miederöfterreich (ohne Wien) wurden zwei Deutsch-Liberale, zwei Deutsch-Nationale und ein Antisemit gewählt. Die Deutsch-Liberalen gewannen zwei Sitze von den Antisemiten. — Die Landgemeinden von Kärnthen wählten vier liberale Abgeordnete. — In Krems ist der Deutsch-liberale Heinemann mit 1248 Stimmen zum Reichsrathsabgeordneten gewählt worden; der Gegenkandidat Antisemit Vergani erhielt 437 Stimmen. — In den steierischen Landgemeinden sind 3 Slovenen, 5 katholische Konservative, ein Deutsch-Nationaler zu Reichsrathsabgeordneten gewählt worden. Die Slovenen haben ein Mandat gewonnen, die Deutsch- Nationalen dasjenige von Judenburg an die katholischen Konservativen verloren. — Die Kramer Städte haben 3 national-konservative Slovenen gewählt; der Besitzstand bleibt unverändert. Prag. Der Ausschuß des Eentralvereines hielt am 5. Febr. eine Sitzung ab, in welcher das Ausschußmitglied Herr S. Fischl über die Gründung eines Institutes zur Heranbildung isr. Pflegerinnen referirte. Der Herr Referent hob zunächst hervor, daß sich bereits in Berlin, Breslau und Frankfurt a. Main Comites zur Heranbildung isr. Pflegerinnen conftituirten und daß auch in Prag eine Reihe von Damen aus einflußreichen Kreisen diese Idee propagire, indem darauf hingewiesen wird, daß der hiesige Verein zum rothen Kreuze israel. Pflegerinnen nicht aufnimmt, während gerade in unserer Zeit es nothwendig sei, daß wir uns von diesem eminent humanen Gebiete nicht fern halten dürfen, ferner, daß in vielen jüdischen Familien oft israelitische Pflegerinnen gesucht werden, insbesondere aber auf dem Lande, wo eine große Noth an geeigneten Pflegerinnen herrscht. Der Referent verlas hierauf das diesbezügliche Statut. Gemäß dieses Statutes bildet sich ein DamencomitS als eine neue Section des Eentralvereines, in welches fünf Mitglieder des Ausschusses entsendet werden, von denen ein Mitglied als Geschäftsleiter der Section zu fungiren hat. UeberdieS wird dieses Comite durch mehrere Aerzte als fachmännischer Beirath verstärkt. Dieser Bericht wurde sehr beifällig ausgenommen, und die Anträge des Referenten wurden mit großer Majorität zum Beschlüsse erhoben. Ueber den Antrag der Section für Cultusgemeindeangelegenheiten wegen Ueberreichung einer Petition an das Cultusministerium behufs Creir-