Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 32 (1891)
- Issue
- Heft 20 (9.3.1891)
- Date
- 1891-03-09
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
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389 ung einer Rabbinerschule berichtet Herr Dr. Stegmund Schneider und motivirte diesen Antrag mit den Bestimmungen des neuen Gesetzes, welches einerseits verlangt, daß jede Gemeinde einen Rabbiner haben muß, anderseits aber auch die Frage wegen der Ausbildung der Rabbiner einer weiteren Regelung Vorbehalt; zur Durchführung dieses Gesetzes erscheine es nun dringend nothwendig, daß zum mindesten bald an die Errichtung einer Rabbinerschule geschritten werde und zwar halte es die Section für angemessen, keine exorbitanten Anforderungen an die Regierung zu stellen, sondern nur das zu verlangen, was für die nächste Zeit erreichbar wäre. Es blieb daher auch ein weiterer Antrag, die Petition möge die Errichtung eines Seminars anstreben, in der Minorität. Herr Dr. Schneider verlas hierauf den Wortlaut der Petition, welche mit einigen unwesentlichen Aenderungen einhellig angenommen wurde. Das Ausschußmitglied Herr Ludwig Black aus Brüx weist endlich daraus hin. daß die Errichtung eines Pensionsinstitutes für Cultusbeamte (Rabbiner, Lehrer und Cantoren), deren Wittwen und Waisen ein dringendes Bedürsniß sei und stellte daher den Antrag, diesen Gegenstand zur weiteren Berathung und Beschlußfassung der Section für Cultusgemeindeangelegenheiten zu überweisen. Der Geschäftsleiter erklärte hieraus, daß er diese Section in nächster Zeit einberufen und diese wichtige Angelegenheit zum Gegenstände reiflicher Berathung machen werde. Vermischtes. Kassel, 3. März. Der Antisemitenführer Liebermann v. Sonnenberg hat im hiesigen antisemitischen Wahlverein einen Vortrag gegen de« Verein zur Abwehr des Antisemitismus gehalten. Das Interessanteste des Abends war, daß ein 25jähriger junger Mann, mit Namen Lazarus, den Versuch machte, dem Liebermann zu antworten. Eine Weile ging das ganz gut. Dann aber kam die Katastrophe. Herr Lazarus sagte, nach dem Bericht der „Kaff. Nachr.": „Herr Liebermann v. Sonnenberg behauptet ferner, das unsittliche jüdische Familienleben zerrütte das deutsche Volk, das ist eine offenbare Lüge. (Zuruf: Böckel und seine Eva!) Weiter kam Redner nicht. Herr Liebermann vou Sonnenberg faßte Herrn Lazarus am Kragen und stieß ihn vom Podium herab." Einen Augenblick hatte es den Anschein, als solle eine Schlägerei ausbrechen; es waren viele Sozialdemokraten anwesend. Das Erste war, daß „auf stürmisches Verlangen" Herr Lazarus wieder zu Worte kam, und nachdem er den Ausdruck „Lüge" durch „historische Unwahrheit" ersetzte, in seiner Rede fortfuhr. Liebermann mußte es schließlich noch erleben, daß einige dem Arbeiterstande angehorige Redner ihrem Unwillen über seine Handgreiflichkeiten zum Theil in sehr derber Weise Luft machten. In Hamburg haben, wie uns von dort geschrieben wird, die Antisemiten eine ihrer üblichen Hetzversammlungen abgehalten. Als Anfreizer fungirten in diesem Falle Dr. König aus Witten und der Reichstagsabgeordnete Zimmermann, welcher eine noch maßlosere Rede hielt als seiner Zeit Dr Böckel. Dr. Waltemath trat in dieser Versammlung gegen den Antisemitismus auf und gab zum Schluß der sicheren Erwartung Ausdruck, daß der gesunde Sinn des weitaus überwiegenden Thcils der hamburgischen Bevölkerung auch ferner die antisemitische Thorheit von sich abweisen werde. In Kürze wird nun auch in Hamburg eine große Versammlung gegen die Antisemiten stattfinden, veranstaltet vom „Hamburger Verein der deutschen-freisinnigen Partei". Dieser Verein hat sich erst in jüngster Zeit gebildet und macht rasche Fortschritte in den Sympathien der Bevölkerung. In den geschäftsführenden Vorstand desselben sind gewählt Dr. Georg Waltemath als erster Vorsitzender, C. Sorhagen als zweiter Vorsitzender. Lissa i. P., 1. März. Joseph Wollheim, der Begründer der Salomon-Joseph-Johanna Wollheimschen Stiftung (Kranken- und Eiechenhaus) in hiesiger Stadt, ist in Wien im Alter von 80 Jahren gestorben. Als dreizehnjähriger Knabe verließ er seine Heimath Liffa und hielt sich später lange Zeit in Alexandrien in Egypten auf. Die letzten Jahre seines Lebens verbrachte er in Wien. Außer der obengenannten Stiftung hat der Verstorbene seiner Heimathsstadt auch sonst vielfach reiche Zuwendungen gemacht. Briefkasten der Expedition. N. F., Lehrer in Roßdorf: M. 7.50 erhalten._ Für den folgenden Theil ist die Redaction nicht verantwortlich. Anzeigen. Aaöriköeflher einem Kind (Mädchen) von 5 I., sucht passende Parthie. Gut. Char., hübsche Erscheinung und Vermög., nicht unter 20 wllle, Bedingung. Anfragen m. Photogr. unter Nr. 1708 an die Exped. d. 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Feiertage geschl.) suche ich per sofort einen angehenden Commis, welcher auch Landkundschaft besuchen muß, und einen Lehrling. Altenkirchen, R.-B. Coblenz. 1703) Herm. Simon. suche zum 1. April ein in der Küche <\3 und in allen häuslichen Arbeiten, sowie Handarbeiten durchaus erfahrenes, bescheidenes Mädchen. Bewerberinnen mit guten Zeugnissen wollen sich melden bei Frau Cmma Fischer, Nörten. (1710