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Der Israelit · 1891-03-09 · Heft 20 (9.3.1891) · page 17

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Journal
Der Israelit
Volume
32 (1891)
Issue
Heft 20 (9.3.1891)
Date
1891-03-09
Page
– (sequence 17)
Language
German
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XXXII. Jahrgang. Ztveite Krilage M M 20 &*s „Israelit & Iescharun" Aeitnngsuachrichte« «ud Correspoudenzen. Deutschland. Aus dem Waldeckschen. In neuerer Zeit wird auch bei uns vielfach ein Schristchen „der Antisemitenspiegel" verbreitet, das es sich zur Aufgabe gestellt hat, der bethörten Menge den Staar über das wahre Wesen des Antisemitismus zu stechen. Es wird dem Schristchen nachgerühmt, daß es im Kampfe gegen die Böckelsche Hetze schon gute Dienste geleistet habe. Die Herausgeber des „Antisemitenspiegels" mögen es mir nicht verübeln, wenn ich auf Grund sehr genauer Kenntniß der Sachlage, insbesondere der ganzen Art der ländlichen antisemitischen Agitation, die Ansicht ausspreche, daß die Bekämpfung derselben in wirklich nachhaltiger Weise nur durch das gesprochene Wort geschehen kann. „Auf die Dörfer" — muß die Losung heißen; wo es angeht, von Angesicht zu Angesicht den Hetzern, wenn sie zu uns kommen, entgegentreten oder ihnen zuvorkommen. Dieser allein wirksamen Art der Bekämpfung der Hetze kann der „Antisemitenspiegel" und können Flugblätter kräftig zu Hilfe kommen, das ist ihres Wirkens immerhin weitgesteckter Rahmen. Aber bisher haben nur Sozialdemokraten im Stammlande des Antisemitismus, in Hessen, diesen mündlichen Kampf ausgenommen. Es wäre Zeit, daß die liberalen Parteien die Sache energisch in die Hand nehmen, sonst könnten sie bei den nächsten Wahlen bei uns im Waldeckschen leicht schlimme Erfahrungen machen. Auf der Liste des jüngst zusammengetretenen „Vereins zur Bekämpfung des Antisemitismus" stehen viele Unterschriften von Mitgliedern der nationalliberalen und der freisinnigen Partei einträchtig neben einander, sollte eine solche Wiedervereinigung der liberalen Elemente in unserem Reiche zur Bekämpfung des gemeinsamen Gegners unmöglich sein? (Rundschau.) Oest err.- Ungar. Monarchie. Wien, 25. Febr. Gestern fand die Constituirung des Curatoriums der Baron Hirsch-Stiftung statt, bei welcher Statthaltereirath Ritter v. Szamlowski als Regierungscommissär intervenirte. In Vertretung des Baron Hirsch eröffnete der Director des Wiener Bankvereins Dr. Jo ly die Versammlung und constatirte, daß von Seiten der Staatsverwaltung die Herren Hofrath von Gniewosz, Hofrath Dr. v. Roza, Sectionsrath R. v. Chledowski und Professor Dr. Charkiewicz zu Curatoren ernannt wurden, daß die Herren Ritter v. Bauer, Josef R. v. Fürth, David R. v. Gutmann, Dr. Adolf Jellinek, Moriz Edler v. Kuffner, Wilhelm Raschauer, Heinrich Rirenstein, Alexander Freiherr v. Popper, Hostath Josef R. v. Pfeiffer, Dr. Arnold v. Rapoport, Professor Dr. Rosenblatt, Philipp Dhorsch, Sigmund Trebitsch, Dr. Julius Freiherr v. Waldberg ihren freiwilligen Eintritt erklärt haben. Dr. Jo ly begrüßte die Versammlung und schloß seine Ansprache mit einem Hoch auf den Kaiser. Hierauf nahm der Regierungscommiffär das Wort und erklärte im Namen der Regierung, daß dieselbe der Stiftung das größte Wohlwollen entgegenbringe und dem Curatorium vollste Unterstützung angedeihen lassen werde, auf daß die Stiftung den Intentionen des Stifters gemäß zum Wohle der Bevölkerung Galiziens und der Bukowina wachse und gedeihe. Bei der hierauf folgenden Wahl wurde Herr Joses R. v. Fürth einhellig zum Präsidenten des Curatoriums gewählt. Dieser dankte für die auf ihn gefallene Wahl und legte in kurzen, markigen Zügen die Ziele dar, welche die Stiftung zu verfolgen haben wird. Hiebet hob der Präsident hervor, daß die Stiftung, deren Wohlthaten statutengemäß nicht nur den israelitischen, sondern auch den christlichen Kindern zu Gute kommen, bezwecke, die arg vernachlässigte Jugend mancher Landestheile Galiziens und der Bukowina durch Heranziehung zu regelmäßigem Unterricht und zum Handwerk und Ackerbau, zu nützlichen und anhänglichen Bürgern des Landes auszubilden, ohne dabei jedoch den religiösen Gefühlen derselben nahetreten oder selbe ihrem engeren Vaterlande entfremden zu wollen. Als Vicepräsident wurde Herr Dr. Arnold Rapoport von Porada gewählt, welcher im Namen Galiziens dem Stifter den Dank für die Stiftung aussprach. Zum Präsidenten-Stellvertreter wurde Herr Hofrath v. Gniewosz, zum Schatzmeister Herr Sigmund Ritter v. Bauer, zu dessen Stellvertreter Herr Heinrich Rirenstein und zum Secretär Herr Dr. Friedländer bestellt. Zum Schlüsse gab Herr Hofrath Dr. Roza in seinem Namen und dem der anderen von der Regierung in das Curatorium entsendeten Herren die Erklärung ab, daß sie nicht als fremder Körper inmitten des Curatoriums erschienen, sondern daß sie als Collegen bestrebt sein werden, an dem gemeinsamen Werke mitzuwirken. Da die Coupons der als Stiftungsvermögen erlegten Werthpapiere momentan nicht fällig sind, hat Baron Hirsch dem Curatorium zur Deckung der ersten Auslagen einen Betrag von 26.000 fl. zugewiesen, welche demselben von Dr. Jo ly übergeben wurden. Das Curatorium beschloß noch, sofort dem Baron Hirsch telepraphisch den Dank für die hochherzige Stiftung auszusprechen und wurde damit die Versammlung geschloffen.

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