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Der Israelit · 1891-03-09 · Heft 20 (9.3.1891) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
32 (1891)
Issue
Heft 20 (9.3.1891)
Date
1891-03-09
Page
– (sequence 11)
Language
German
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381 vornherein die Ueberraschung verderben würden, und müssen daher die geehrten Leser auf das Büchelchen selbst verweisen. Sie finden darin auch Stoff- und Beruhigungsmittel für unsere kleinen Plagegeister, die um diese Zeit einen Vers gemacht, ein Gedickt gelehrt haben wollen, das sie Purim vortragen können, nnd es sonst dem Vater und der Mutter nicht glauben und nicht verzeihen würden, daß sie nun einmal keine Dichter von Purims Gnaden sind. Auch einige Gedichte am Hockzeitstage von Geschwistern der Brautleute vorzutragen, bilden allen eine willkommene Beilage, die bei solcher Gelegenheit sonst sich, sowie alle Freunde und Bekannten quälten, um etwas Schönes und Passendes bei ähnlichem Anlaß vortragen zu können. Wir sind überzeugt, daß Niemand das anspruchslose Heftchen ohne lebhafte Befriedigung aus der Hand legen wird, und daß der Wunsch von vielen getheilt wird, der geift- und gemüthsvollen Verfasserin und ihren Produktionen noch recht oft zu begegnen. E. Zeitungsnachrichten nnh GorrefponderrZen. Deutschland. Mainz, 8. März. Die gestrige Morgenpost brachte uns zwei Briefe ans der Windmühlenstraße 28, jenem Hanse in Leipzig, in welchem der Antisemitismus gewerbsmäßig hergestellt nnd in Form von Flugblättern, Broschüren und periodischen Zeitschriften gegen billigen Preis „in größeren Parthien noch billiger" verzapft wird. Der erste Brief mit dem Firmenstempel „Theodor Fritsch" versehen, hatte folgenden Wortlaut: In Ihrer Nr. 10 sagen Sie inner der Rubrik: „Peinmgsnachrichteir und Correspondenzen", ich sei „noch nichr einmal mündig". Das ist unrichtig, ich bin mündig, wußte aber bisher nicht, daß man bei freisinnigen Versammlungen den Geburtsschein bei sich haben muß. Ergebenst: H a u s Gustav E r o m a n u s d o e r f s c r. Der zweite Brief enthielt die nachstehende „Berichtigung" : Unter Berufung auf 11 des „Prcß-Gesetzes" ersuche ich Sie, nachfolgende Berichtigung in der nächstru Nammer Ihres Blattes abzudrucken: 1) Es i st nicht wa hr, daß ich „Wortführer und Anführer der deutsch-sozialen Partei" bin. Ich habe mit der Leitung der Partei, zu welcher ich mich bekenne, nichts zu thun. Ebenso wenig habe ich von irgend jemand den Auftrag, Wortführer derselben zu sein. 2) Es ist nicht wahr, daß ich der einzige war, der Herrn pritsch Beifall spendete. Tie meisten der Anwesenden (soweit sie nicht der Sozialdemokratie a nge h örtenl waren mit denAussührnngen des Referenten durchaus einverstanden und bezeugten dies durch ihren Beifall. 3) Es ist il ich t wahr , daß ich eine „reizendeTenorstimme" habe; ich singe zweitenBaß. 4) Es ist nicht wahr, daß ich „Cborführer des antisemitischen Gesangvereins „Fidelio" " bin; — ich kenne einen solchen Gesangverein nicht, jedenfalls aber gehöre ich demselben nicht an. 5) Es ist nicht wahr, daß ich „Sprachlehrer der deutsch-sozialen Rednerschule" bin. Tie „Rednerschule" bedarf schon dcßhalb eines „Sprachlehrers" nicht, weil alle ihre Mitglieder eingeborene Deutsche sind. Leipzig, 6. März 1891. Gustav Uhl. In einem an uns gerichteten Begleitschreiben bemerkt der Sänger des zweiten Basses, daß er seine Gegner ruhig und sachlich zu bekämpfen pflege, daß er aber sehr ungemüthlich würde, sobald man ihm mit Unwahrheiten oder Verleumdungen komme. Wir kennen nun die persönliche Kampfesweise des Verlagsbuchhändlers Herrn Uh l zu wenig, um uns ein Urtheil über dieselbe bilden zu können. Aber wir fragen diesen Herrn, warum er nicht ungemüthlich wird, wenn in den ihm jedenfalls sehr nahestehenden Organen seiner Partei andauernd die ungeheuerlichsten Lügen und boshaftesten Märchen über Inden und Judenthum verbreitet werden? (Vergl. die dieser Zeitschrift vor Kurzem angeftigten Flugblätter.) Wie würde es Herrn Uhl zum Beispiel gefallen, wenn die jüdischen Blättter in umgekehrter Weise wie Fritsch allwöchentlich die von nichtjüdischer Seite den Juden zugefügten Betrügereien, Uebervortheilungen und Ausbeutungen registriren wollten? Wie würde da Herr Ubl auf sehr ungemüthliche Weise über jüdische Unverfrorenheit ec. tosziehen! Aber Fritsch und Consorten dürfen sich das in der gemächlichsten Weise erlauben, das, Jude, ist ganz was Anderes. Oester r. Ungar. Monarchi e. Kolomea, 5. März. Im Städtebezirk Kolomea-Sniatyn-Bnczacz fttmmtcu heute 4012 Wähler, Dr. Bloch wurde mit 2128 Stimmen wiedergewählt; Graf S ta r z e n s k i erhielt 1778 und Meisels (Sohn des verstorbenen gleichnamigen Krakauer Rabbiners) 97 Stimmen. Bei der Wahl des Dr. Bloch kam es hier zu argen Exzessen gegen die Juden. Ein j ü d i s ch er W ä hl er wurde erstochen und viele Juden erlitten Verwundungen. Bauern durchzogen die Straßen und mißhandelten die Juden. Die Fenster der Häuser, wo Juden wohnen, wurden eingeschlagen und der jüdische Friedhof verwüstet. Die Läden aller jüdischen Kauf- Icute sind heute gesperrt. E n g l a it d. London, 24. Febr. In der Stadtwohnung des Herzogs von Westminster, in Grosvenor House, hielt gestern ,wie wir bereits kurz gemeldet, der „Bercm zum Beistände verfolgter Juden "unter dem Vorsitz des Earls von Aberdeen eine von zahl-

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