Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 32 (1891)
- Issue
- Heft 20 (9.3.1891)
- Date
- 1891-03-09
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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t 380 Schaar Seiner Diener. Was er nach Maßgabe der ihm verliehenen Kraft und Fähigkeit leistet, so es das Ganze ist, was er vermag, und wäre es auch noch so winzig nach der Menschen Schätzung im Vergleich zu der Leistung des Geistesgrößen und Reichbegüterten, so wiegt es auf der Gotteswaage genau so schwer, wie des Reichsten Beitrag. Es ist ein halber Schekel auf der Wage des Heiligthums. und da ist Keiner so bedeutend, groß und vielvermögend, und leistete er das Herrlichste und Höchste nach der Menschen Schätzung, der mehr als einen Beitrag nur zum Heiligthmne leisten könnte. Es wiegt auch nicht mehr, als des Kleinen unscheinbare Leistung, als einen halben Schekel auf des Heiligthums Wage. In völliger Gleichheit stehen Beide vor Gott und Seinem Heiligthum; des Reichen Spende bedarf der Leistung des Armen, auf daß deren Beider Leistung einen ganzen vollen Schekel ergeben. Das Gottesheiligthum erbaut sich nur auf der vollen Leistung Aller, ein Jeglicher leistet nur ein Bruchtheil, das durch des Andern Leistung seine Ergänzung findet. Aber nicht nur bei dem Aufbau des Heiligthums trat diese Lehre von der Gleichheit Aller in der Schätzung Gottes und in der Verpflichtung für das Heiligthum in die Erscheinung. Alljährlich, im Adar, hatte ein Jeder mit dem Symvolum der Halbschekel-Spende sich dem Heiligthume Zu nahen, um die für die Bethätigung des im Heiligthum darzustellenden Dienstes erforderliche Leistung zu bringen. Alle für die Gesammtheit zu vollziehenden Opferhandlungen hatten aus der gleichen Leistung eines jeden Gliedes der Gesammtheit hervorzugehen. Die Weihe der Gesammtheit vollzieht sich nur durch die Hingebung aller ihrer Glieder, und deren Hingebung hat sich in der Weihe der Gesammtheit zu öethätigen. So soll ein Jeder sich fühlen als Glied der Gesammtheit, so soll die Gesammtheit den Werth eines Jeden zu würdigen wissen, und der Einzelne und die Gesammtheit für den Aufbau des Heiligthums und dessen Erhaltung unermüdlich wirken und in diesem Wirken die einzige Aufgabe ihres Daseins erkennen. So sollen Alle sich gegenseitig schätzen und achten als gleichwerthige Genossen an dem einen und gleichen heiligen Meuscheuberuse. Der Reiche, der geistig Hochstehende schaue nicht verächtlich aus den Aermern und geistig Beschränkten hernieder, sondern beherzige, daß vor Gott Alle gleich sind und nur der sittliche Werth der Leistung entscheidend ist. Der Schwache und Geistesarme schaue nicht neidisch auf den äußerlich glücklicher erscheinenden Mitbruder hin und fühle sich nicht gedrückt und beschämt in seiner Armuth und Schwäche. Er wisse, daß die von ihm geleistete Spende vollwichtig und vollwerthig auf Gottes Wage befunden werde, so er sie in reiner Gesinnung darbringe. Wenn also Israel und die Menschheit die Schekel-Lehre beherzigt, dann kehrt der Friede zur Erde nieder, dann bricht der Menschenfrühling an Literarischer Kericht. Heiteres für Purim. I. Ein Purim beim Schwerlauer Raw, Posse mit Gesang in Knittelversen für größere Kinder. II. Der W u n d e r a r z t. Humoristisches Intermezzo. Anhang : Zwei Hochzeirsdeclamationen. Von Frau Dr. E. in L. Frankfurt a. M. I. Kausfmann. 1391. In wenigen Wochen zieht der liebe Purim bei uns ein, und mit ihm die Freude bei Jung und Alt, aber nebenbei auch eine Lwrge, die sich in die Frage kleidet: Was führen wir Purim auf, was bringen wir vor, wie können auch wir unser Scherflcin zur Erhöhung der Purimheiterkeit beitragend An Gedichten, Possen, Gereimtem und Üngereinktem fehlt es zwar nicht, aber wer sich je einmal iü diesem Zweig der Literatur umgeschaut hat, wird gewiß mit uns finden, daß hier noch eine große Lücke auszasüllen ist, und daß es gar nicht so leicht ist, sie auszufüllen, wie manche" glauben mögen. Ein großer Theil der hier in Betracht kommenden Produktionen ist schaal, fade und wässerig, ohne alle Bezugnahme auf den Purim selbst, und das ist noch nicht die schlimmste Sorte. Am verächtlichsten sind diejenigen Machwerke, die aus Mangel an Witz und Talent, das Hohe, Edle zur Caricatur machen, in der Hoffnung auf diese Weist die Lachmuskeln zu erregen. Da werden die hehren Charaktere der Purimrolle, ein Mordochai und eine Esther, in das Alltagsleben hinabgezogen und was uns Gegenstand ernster Schen und Verehrung sein undbleiben sollte zum Stichblatt trivialer, gezwungener Witze hingestellt. Es ist in der That gar nicht leicht, hier die richtige Mitte eiuzuhalteu, es gehört viel Takt und Humor, Gewandtheit und Erfahrung dazu, gerade für Purim den rechten Ton anzuschlagen. Unter den wenigen Erzeugnissen einer urwüchsigen Purimlanne, denen dieses Problem gelungen ist, nimmt die soeben gerade zur rechten Zeit erschienene Sammlung: „Heiteres für P u r i m", einen ehrenvollen Platz ein. Wir dürfen von dem Inhalt des schön ausgestatteten Schriftchens hier nichts weiter verrathen, weil nur sonst den Zuschauern und Zuhörern von